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Dieselgate

Autoexperte: "Für VW ist das Schlimmste überstanden"

Der Dieselskandal kann noch lange nicht zu den Akten gelegt werden. Doch im DW-Gespräch meint der Analyst Frank Schwope von der NordLB, dass Volkswagen auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben wird.

Der Volkswagen-Konzern hatte im September 2015 zugegeben, Abgaswerte von bestimmten Dieselmotoren im Testbetrieb unzulässig manipuliert zu haben. Weltweit sind etwa elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

Obwohl in den USA nur verhältnismäßig wenige Diesel-Fahrzeuge aus dem VW-Konzern verkauft wurden, müssen die Wolfsburger dort mit den höchsten Kosten für Rückkäufe, Umrüstung und Bußgelder rechnen. Bei Autos mit kleineren 2,0-Liter-Dieseln hatte der Konzern sich mit US-Klägern bereits auf einen bis zu 16 Milliarden Euro teuren Vergleich geeinigt. Nach einem zusätzlichen Vergleich für die 3,0-Liter-Diesel kommen alleine in den USA wohl noch eine gute Milliarde Euro hinzu. Wir fragten den Analysten und Autoexperten Frank Schwope von der NordLB, ob mittlerweile ein Ende der Dieselaffäre absehbar ist.

DW: Wie ist der Stand der Dinge bei VW in Sachen Abgasskandal?

Frank Schwope: Es gibt neue Vergleiche in den USA und Kanada. In den USA kommt es wahrscheinlich zur Zahlung von gut einer Milliarde Euro. In Kanada läuft es darauf hinaus, dass bis zu 1,5 Milliarden Euro ausbezahlt werden. Das sind natürlich aber nur Zwischenschritte. Es drohen weitere Klagen in Nordamerika, natürlich auch in Europa und in anderen Regionen der Welt.

Wie beurteilen Sie denn die Situation? Ist aus Ihrer Sicht das Schlimmste überstanden für VW oder kommt das dicke Ende erst noch?

Frank Schwope (NordLB)

Autoexperte Frank Schwope

Ich glaube schon, dass das Schlimmste überstanden ist. Das Schlimmste sind sicherlich die USA aufgrund der dortigen Rechtsprechung und der Gesetze. Dort ist alles wesentlich teurer als in anderen Ländern. Insgesamt wird es bei der Dieselaffäre meiner Meinung nach auf Gesamtkosten für Volkswagen von 25 bis 35 Milliarden Euro hinaus laufen und davon dürfte der größte Batzen in den USA anfallen.

VW hat aber von dieser Summe bislang höchstens die Hälfte zurückgelegt.

Es wurden mittlerweile Rückstellungen von über 18 Milliarden Euro gebildet. Ich kann nur eine mögliche Spanne der Gesamtkosten angeben von 25 bis 35 Milliarden Euro. Ich glaube schon, dass in den nächsten Jahren zu den bisher geschätzten Auslagen noch einiges dazu kommt. Es wird dann letztendlich auf mehr als 25 Milliarden Euro hinauslaufen, was Volkswagen aber durchaus stemmen kann.

Wo liegen für die Zukunft noch die Knackpunkte?

Es gibt natürlich noch andere Länder außer den USA, wo es Ärger gibt, wo größere Zahlungen drohen. Das sind beispielsweise Südkorea und Australien. Es natürlich auch die Frage, was in Europa geschieht, dort sind sicherlich die meisten Fahrzeuge betroffen. Hier gibt es zwar eine andere Rechtsprechung als in den USA, aber es ist nicht auszuschließen, dass Verbraucher oder Verbraucherschützer weitere Klagen einreichen werden. Wie es dabei ausgeht, lässt sich kaum vorhersagen, zumal VW sich offensichtlich bei dem einen oder anderen Gericht auch schon verglichen hat.

Das heißt, bestimmte Themenbereiche des Dieselskandals sind zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht abschließend abzuschätzen und zu beurteilen?

Bei derart großen Skandalen und Beträgen ist es oft so, dass man am Ende erst nach zehn Jahren weiß, was das alles gekostet hat.

VW scheint - was Klagen anbelangt - hier in Deutschland auf Zeit zu spielen und auf Verjährung zu hoffen. Was wissen Sie darüber?

Ich kenne die konkreten Vorfälle nicht. Es gibt Pressemeldungen darüber, dass VW in verschiedenen Fällen Vergleiche eingegangen ist, um abschließenden Urteilen etwa von Oberlandesgerichten zu entgehen. Denn solche Urteile könnten möglicherweise repräsentative Wirkung haben. Aber es ist üblich, dass Unternehmen - wie übrigens auch Privatpersonen - versuchen, auf Zeit zu spielen, um etwaige Verjährungsfristen zu erreichen. Wann diese Verjährungsfristen eintreten, vermag ich aber auch nicht zu sagen.

Ihre Prognose: Werden bei VW auch im nächsten Jahr die Negativ-Schlagzeilen überwiegen?

Ich glaube, nächstes Jahr wird es bei VW auch noch schlechte Nachrichten geben so wie in diesem Jahr. Immer wieder wird es Meldungen geben aus irgendwelchen Ländern, wo Gerichtsurteile anstehen, wo möglicherweise nachgebessert werden muss bei den Autoreparaturen. Aber ich denke, dass VW in der Lage ist, im nächsten Jahr auch für positive Schlagzeilen zu sorgen - bezüglich Elektromobilität zum Beispiel. Ich glaube, dass sich die positiven und die negativen Nachrichten im nächsten Jahr die Waage halten werden.

Wie ist Ihre Einschätzung zu den anstehenden Sparmaßnahmen bei VW, werden die fruchten?

Sparmaßnahmen sind natürlich notwendig in Zeiten, in denen 30 Milliarden Euro Kosten auf einen zukommen. Bei Volkswagen kann durchaus noch gespart werden - in allen Bereichen und auf allen Ebenen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass VW in diesem Jahr und auch in den nächsten Jahren durchaus so viel verdienen wird, dass Investitionen in Zukunftstechnologien möglich sein werden. 

 

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