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Wirtschaft

Autobauer gegen Verbrenner-Verbot

Die deutsche Automobilindustrie macht mobil - gegen ein mögliches Zulassungsverbot für Verbrennungsfahrzeuge ab 2030. Eine Studie soll zeigen: Klimaschutz geht ohne Verbot besser. In wichtigen Details bleibt sie vage.

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Politik soll Verbrennungsmotor nicht abschalten

Die Diskussion um ein mögliches Verbot für Verbrennungsmotoren hat die deutsche Automobilindustrie aufgeschreckt. Die Partei Die Grünen hatte ein solches Zulassungsverbot für das Jahr 2030 ins Spiel gebracht, um so die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen. Und auch in Frankreich spielt die neue Regierung mit dem Gedanken, ab 2040 Verbrenner von der Straße zu verbannen. Wenig amüsiert davon zeigen sich die deutschen Hersteller wie BMW, Mercedes, Porsche & Co, die ihr Geschäft vor allem mit Benzin- und Dieselfahrzeugen machen. "Den Verbrennungsmotor politisch abzuschalten, halten wir für einen großen, strategischen Fehler", sagte der Präsident des deutschen Automobilverbands, Matthias Wissmann, am Dienstag in Berlin vor Journalisten.

Verband: 600.000 Industriearbeitsplätze könnten in Gefahr sein

Clemens Fuest Direktor Institut für Wirtschaftsforschung ifo (picture-alliance/dpa/S. Stache)

ifo-Präsident Clemens Fuest rät von Zulassungsverboten für Verbrennungsmotoren ab

Wie groß dieser strategische Fehler wäre, das will der Automobilverband VDA jetzt mit Zahlen unterfüttern. Die zentrale Botschaft der beim ifo-Institut in München in Auftrag gegebenen Studie: "Jeder zweite Arbeitsplatz in der deutschen Automobilindustrie hat mit dem Verbrennungsmotor zu tun", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest bei der Präsentation der Ergebnisse. Rund 600.000 Industriearbeitsplätze würden hierzulande direkt oder indirekt am Bau von Verbrennungsmotoren hängen - was gut zehn Prozent der industriellen Wertschöpfung entspreche. Fuest betonte jedoch, dass nicht klar sei, wie viele Jobs der Umbau der Automobilindustrie hin zu alternativen Antriebstechnologien letztlich kosten werde: "Wir haben nicht vorhergesagt, dass 600.000 Jobs wegfallen." Mehr Elektro- und Hybridautos auf den Straßen werden, da sind sich Experten weitgehend einig, zu einem massiven Umbau der Branche führen. Zahlen für diese Entwicklung bleibt die Studie allerdings schuldig.

Symbolbild Zulassungsverbote Verbrennungsmotoren (picture-alliance/Chromorange/Bilderbox)

Ausverbrannt? Deutschlands Automobilhersteller setzen auch nach 2030 auf "hocheffiziente Verbrennungsmotoren"

Beim Automobilverband hält man den Zeitpunkt jedoch für günstig, um mögliche Verbotsdiskussionen bereits vor der Bundestagswahl mit Verweis auf massive Jobverluste abzuräumen. Unterstützung kommt von Wirtschaftswissenschaftler Fuest, der Verbote für "Unfug" oder bestenfalls für nicht effizient hält. "Es ist wichtig, dass Klimapolitik technikneutral vorgeht, also Klimaschutzziele vorgibt, ohne vorzuschreiben, mit welchen Technologien das zu geschehen hat“, so Fuest.  Ziel müsse es sein, Klimaschutz zu den geringsten Kosten zu erreichen. Das Verbot von Verbrennungsmotoren bei PKW könnte laut Studie zwischen 2030 und 2050 zu einer Reduktion von 32 Prozent klimaschädlicher Kohlendioxidemissionen bei PKWs führen. Klingt viel, ist für die ifo-Wissenschaftler aber nicht genug, um die Tiefe des geplanten Markteingriffs zu rechtfertigen.

Ifo-Institut: Innovationspfad bei alternativen Antrieben stimmt

Matthias Wissmann Präsident Verband der Automobilindustrie VDA (picture-alliance/dpa/M. Gambarini)

"Stimme der deutschen Autohersteller": Ex-Verkehrsminister Matthias Wissmann

Ein solches Plädoyer gegen ein mögliches Zulassungsverbot freut VDA-Präsident Wissmann, der "hocheffiziente Verbrennungsmotoren" als wichtige Alternative zu Elektroautos sieht. "Deutschland als Heimat der Automobilindustrie sollte keine Antriebsart gegen die andere in Stellung bringen", fordert Wissmann. Das ergebe wirtschaftlich, ökologisch und sozial keinen Sinn und gefährde die Marktposition deutscher Hersteller im globalen Wettbewerb. Der Verbrennungsmotor könne später auch mit synthetisch hergestellten Biokraftstoffen betrieben werden. Die Firma Sunfire in Dresden experimentiere mit diesen Kraftstoffen schon heute. Wissmann wies den vielfach von Umweltverbänden erhoben Vorwurf zurück, die deutsche Industrie habe den Umstieg auf Elektroautos verschlafen.

Zahlen der Studie sollen dies belegen. Diese hebt hervor, dass deutsche Hersteller bei Antriebstechnologien eine Führungsposition in Sachen Patente einnehmen. Demnach stamme jedes dritte Patent im Bereich der Elektromobilität (34 Prozent) und Hybridantrieb (32 Prozent) aus Deutschland. VDA-Präsident Wissmann verwies auf jährliche Investitionen von 40 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung moderner Verbrennungsmotoren und alternativer Antriebe. "Man kann nicht behaupten, dass die deutsche Industrie nicht in alternative Technologien investiert", stellt Ökonom Fuest fest. "Was bislang nicht funktioniert, das ist die Umsetzung, also dass diese Fahrzeuge auch auf unseren Straßen ankommen." Das liege aber nicht an der Forschung.

Beim VDA schätzen sie, dass bis 2025 zwischen 15 und 25 Prozent der PKW-Neuzulassungen elektrisch oder hybridbetrieben sein können. Das bedeute aber auch, so Wissmann weiter, dass über 75 Prozent des Marktes weiterhin von Verbrennungsmotoren dominiert würde. 2020 wollen die deutschen Hersteller rund 100 Modelle für Elektro- und Hybridfahrzeuge im Angebot haben. Derzeit sind es gerade einmal 30. "Wir finanzieren die neuen Wege aus den Erträgen, die wir heute mit Benzin- und Dieselfahrzeugen verdienen", gibt VDA-Präsident Wissmann zu bedenken. Statt Verbote wünscht sich der Verband deshalb einen "politischen Rahmen", der technologieoffen und marktwirtschaftlich bestimmt bleibt. Offen bleibt in diesem Szenario jedoch, wie die ehrgeizigen Klimaschutzziele Deutschlands nach Ansicht des Autombilverbands erreichbar sein sollen. Konkrete Vorschläge, wie das mit "hocheffizienten Verbrennungstechnologien" gelingen kann, liefert der Verband noch keine.

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