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Wirtschaft

Auto teilen und profitieren

Die Idee ist bestechend: Man ist mobil, kann jederzeit über ein Auto verfügen - ohne die Lasten, die jeden Autobesitzer plagen: Steuer, Versicherung, TÜV oder die Parkplatzsuche. Ist das denn möglich?

Werbefoto für Carsharing der Firma Cambio (Foto: Cambio)

So "leicht" kann das Autofahren sein

Die Lösung heißt seit zwanzig Jahren: Carsharing. Anders als bei Car-Renting muss man sich bei Carsharing zuerst anmelden. "Am besten im Internet", erklärt Elisabeth Rohata, bei Cambio Köln für die Pressearbeit zuständig, "dann kommt man hierhin, bekommt ein halbstündiges Briefing, und am nächsten Tag um 14 Uhr kann man losfahren."

Cambio ist einer der größten Carsharing-Anbieter in Deutschland mit Hauptsitz in Bremen. Cambio Köln hat mit 9000 Menschen die größte Kundschaft. Neben dem Büro in der Maastrichter Straße unweit der Kölner Ringe befindet sich Europas größte Carsharing-Station mit circa 60 Fahrzeugen: von Kleinwagen über Cabrios bis zuTransportern.

Schlüssel holen und losfahren

Die Parkstation in der Maastrichter Straße (Foto: DW)

Die Parkstation in der Maastrichter Straße

Der Kunde geht zum Tresor und hält die Chipkarte, die er bei der Anmeldung erhalten hat, davor. Dann gibt er seine Geheimzahl ein: Der Tresor öffnet sich. Darin hängen reihenweise Schlüssel. Ein grünes Lämpchen leuchtet auf: Der Schlüssel darunter ist für den Kunden bestimmt. Mit dem geht er zu seinem Wunschfahrzeug, das er sich vorher im Internet oder telefonisch reserviert hat, und schon kann's losgehen.

Cambio ging 1992 an den Start. In den letzten Jahren wurde ein durchschnittliches Wachstum von 20 Prozent jährlich verzeichnet. Im Moment zählt das Carsharing-Unternehmen deutschlandweit 22.000 Kunden.

Auto - kein Statussymbol mehr

Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine im Stillen vollzogene Revolution: für immer mehr Deutsche hat das Auto als Statussymbol ausgedient. Sie achten nun verstärkt auf die Kosten. Das erklärt auch, warum in der Vergangenheit Carsharing-Anbieter gerade in Zeiten hoher Benzinpreise den größten Kundenzulauf hatten.

Die zwei Pressedamen von Cambio: links Elisabeth Rohata, rechts Tanya Bullmann (Foto: DW)

Die zwei Pressedamen von Cambio Köln: links Elisabeth Rohata, rechts Tanya Bullmann

Es ist nicht nur das Benzin, das Geld kostet. Versicherung, Instandhaltung, Reparaturen, all diese Kosten werden unter den Carsharing-Kunden geteilt. Selber kümmern müssen sie sich nicht. Dafür sind die Mitarbeiter von Carsharing-Anbietern wie Cambio da. Techniker sorgen dafür, dass die Autos funktionstüchtig bleiben, erklärt Tanya Bullmann, die bei Cambio für Vertireb und Marketing zuständig ist. "Für jede Station ist ein Techniker verantwortlich, der die Autos dort überprüft und im zweiwöchigen Turnus wäscht und schaut, ob alles da ist, was benötigt wird."

So sind auch immer Taschentücher und Regenschirme im Auto, außerdem Kaugummis - als Ersatzbefriedigung für die Raucher, denn Rauchen ist in den Fahrzeugen verboten, schmunzelt Tanya Bullmann.

Für wen lohnt sich Carsharing?

Für den Service zahlt der Kunde eine monatliche Gebühr ab drei Euro, plus die gefahrenen Kilometer und die Zeit, in der er ein Auto genutzt hat. Das Modell eignet sich besonders für diejenigen, die nur gelegentlich ein Auto in Anspruch nehmen. "Fünf Fässer Kölsch für ein Grillfest passen locker in jedes Cabio-Auto der niedrigsten Preisklasse", sagt Elisabeth Rohata von Cambio. "Dann fahren Sie zum nächsten Getränkehändler, zehn Kilometer, zwei Stunden. Das kostet 6,70 Euro. Dafür liefert Ihnen kein Getränkehändler bis vor die Tür."

Eine Cambio-Kundin steht vor den Tresoren (Foto: DW)

Eine Cambio-Kundin steht vor den Tresoren

Auch für Firmen lohnt es sich, durch Carsharing ihren Fuhrpark zu ergänzen oder ganz einzusparen. Als Faustregel für Privatleute gilt: wer weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fährt, schont mit Carsharing sein Portemonnaie.

Um für Kunden attraktiv zu sein, darf die nächste Carsharing-Station natürlich nicht zu weit sein. Deswegen hält Cambio ständig Ausschau nach Parkplätzen. Gerade wurde die 40. Station in Köln geöffnet. Auf der größten Kölner Station in der Maastrichter Straße sucht man vergebens nach unzufriedenen Kunden.

Zufriedene Kunden

Eine Künstlerin hat gerade ihre Bilder transportiert. "Für mich ist das wunderbar flexibel. Ich wohne hier um die Ecke, muss nur hierher spazieren und habe hier einen großen Fuhrpark zur Verfügung", sagt sie. Außderdem habe sie bei der Rückkehr auch immer einen festen Parkplatz, fügt sie hinzu.

Abgasschleudern (Foto: AP)

Weniger Autos, weniger Luftverschmutzung

Auch Paulus Müller, ein weiterer Kunde, bringt gerade den Schlüssel in den Tresor zurück. "Vorher habe ich mir das Auto mit meinem Bruder geteilt, das war ja auch Carsharing. Jetzt teile ich das mit vielen anderen Leuten." Das sei auch gut für die Umwelt, sagt Müller, denn ein Auto müsse viel bewegt werden und gut ausgelastet sein.

Geld gespart und Umwelt geschont

Dass die Umwelt entlastet wird, ist ein schöner Nebeneffekt des Carsharings. Ein geteiltes Auto ersetzt in der Regel fünf Privatfahrzeuge, sagt Elisabeth Rohata von Cambio Köln. Außerdem stelle sie fest, dass Carsharing-Kunden bewusster fahren. "Sie fragen sich öfter: muss ich dafür wirklich ein Auto haben? Komme ich da nicht auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin? Ach, ich gehe jetzt das Stück lieber zu Fuß."

Wohl auch aus diesem Grund hat die Stadt Köln das Carsharing-Unternehmen im Jahr 2008 mit dem Umweltschutzpreis ausgezeichnet.

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Andreas Becker