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Wirtschaft

Auto-Kartell? Kein Thema für Lateinamerika

Der Diesel-Skandal der deutschen Autobranche wird nach Einschätzung von Experten wohl keinen Einfluss auf den Absatz in Lateinamerika haben. Die Marke "Made in Germany" genießt weiterhin einen hervorragenden Ruf.

Als wenn der VW-Abgasskandal nicht schon genug wäre, erhärtet sich seit jüngstem der Verdacht, dass fünf deutsche Autobauer - Audi, BMW, Daimler, Volkswagen und Porsche - ein Kartell betrieben haben sollen, um Preise abzusprechen, technische Lösungen auszutauschen und damit den Wettbewerb auszuhebeln.

Da die Automobilindustrie die Vorzeigeindustrie des deutschen Exports ist, hat die Deutsche Welle in Lateinamerika Experten gefragt, inwieweit die neuen Vorwürfe oder der Abgasskandal der deutschen Automobilindustrie in Lateinamerika geschadet haben könnten.

Christian Hein, Chefredakteur der traditionsreichen argentinischen Automobilzeitschrift "Parabrisas", gibt sich skeptisch: "In Argentinien ist das Umweltbewusstsein nicht besonders ausgeprägt. Wenn diese Geschichte einen Einfluss auf die öffentliche Meinung in Argentinien ausübt, dann nur weil hier gelogen und betrogen wurde", sagt Hein.

VW Volkswagen Abgas Skandal (picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte)

In Argentinien ist ein Großteil des Transportwesens noch immer abhängig vom Dieselmotor

Das öffentliche Interesse in Mexiko ist trotz der Relevanz der deutschen Autohersteller für die mexikanische Wirtschaft  eher bescheiden, sagt Gilberto Samperio Islas, technischer Leiter der Autozeitschrift "Panamericano": "Unsere Gesetzgeber neigen dazu, etwas lax zu seinen, solange solche Dinge wie Betrug und Kartellbildung keine direkten Auswirkungen auf die Bürger haben." 

Das Image ist weiterhin gut

Hat die Glaubwürdigkeit der deutschen Autohersteller in Lateinamerika also gar nicht gelitten? "Überhaupt nicht", sagt Christian Hein: "Deutsche Fahrzeuge genießen weiterhin einen hervorragenden Ruf. Hier in Argentinien machen wir nicht viel Aufheben um diese Sache. Wir sind Monopole oder Steuerhinterziehungen gewohnt."

Es stelle sich die Frage, ob die Absprachen und das eventuelle Kartell der deutschen Autohersteller eine Ausnahme oder vielleicht die Regel in dieser Branche sein könnten. Hein glaubt, dass die Absprachen der Autohersteller "weniger der Bildung eines Kartells dienten, als dem Bestreben, die Ressourcen der jeweiligen Unternehmen besser zu nutzen". Es gebe viele solcher Allianzen in der Automobilindustrie, fügt Hein hinzu, "auch bei Unternehmen, die aus anderen Kulturkreisen stammen".

Sampero Islas zeigt sich schon etwas überrascht von den Nachrichten aus Deutschland. Immerhin hätten die "Deutschen den Ruf, Regeln und Gesetze strikt einzuhalten".

Der Verkauf geht weiter

Die beiden Experten sind sich einig, dass der Abgasskandal und der Vorwurf der Kartellbildung keinen Einfluss auf die Verkaufszahlen deutscher Automobile in Lateinamerika haben werden. "Diesel wird in Mexiko kaum gefahren", sagt Samperio Islas. Und auch der argentinische Experte glaubt nicht an eine Beeinträchtigung der Verkaufszahlen in seinem Land: "Volkswagen bleibt mit 17 Prozent sicher die Automarke Nummer Eins in Argentinien."

In Mexiko fahren Dieselautos ohne Adblue

Ab 2015 ist der Betrieb von Dieselautos in Mexiko-Stadt untersagt. Hat der Dieselmotor selbst mit der Harnstofflösung Adblue keine Zukunft mehr? "In Mexiko-Stadt sicher nicht, weil der Adblue-Zusatz nicht zwingend vorgeschrieben ist", sagt Samperio Islas. "Viele Fahrzeuge erfüllen zwar die Abgasnorm Euro 5, aber erfüllen sicher nicht die Anforderungen für Euro 6."

In Argentinien ist ein Großteil des Transportwesens noch immer abhängig vom Dieselmotor, speziell bei den Lastwagen und bei den Pick-ups, die für den Weg zur Arbeit benutzt werden. "Auf kurze oder mittlere Sicht kann ich mir da keine Alternative vorstellen", sagt Christian Hein. 

Elektroautos sind die Zukunft

Beide Experten setzen auf das Elektroauto als das Modell der Zukunft. "Bei einer stetigen Weiterentwicklung der Batterien und einer besseren Umweltbilanz sind Elektroautos wohl die praktikabelste Alternative", sagt Hein. Der Mexikaner Samperio Islas ergänzt die Diskussion um einen sozialen Aspekt: "Angesichts der begrenzten finanziellen Ressourcen vieler Autofahrer sollte aber auch über mehr Buslinien, bessere Bahnverbindungen, öffentliche Fahrräder und sogar über die Förderung des Home Office nachgedacht werden. Zumindest für große Ballungsräume wie Mexiko-Stadt wäre dies die intelligenteste Zukunftsvision."

 

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