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Afrika

Auszeichnung für Nnimmo Bassey

Seit mehr als 20 Jahren kämpft Nnimmo Bassey gegen Ausbeutung im Niger-Delta. Dafür erhielt der Nigerianer am 6. Dezember den Alternativen Nobelpreis. Zur Kenntnis genommen wird das in seiner Heimat jedoch kaum.

Nnimmo Bassey (Foto: FoEI/Romel De Vera (EDITORIAL USE ONLY)

Nnimmo Bassey

Nnimmo Bassey ist ein ruhiger Mann. Jemand, der auf den ersten Blick überhaupt nicht auffällt. Dabei ist er ein großer Kritiker in seiner Heimat Nigeria; seit mehr als zwei Jahrzehnten prangert er die massive Ausbeutung im Niger-Delta an. Im Visier hat er vor allem multinationale Firmen wie Shell und Chevron, die sich, so Bassey, weder um Umweltverschmutzung noch um das menschliche Desaster kümmern würden. "Doch das Elend ist riesig. Wer es sieht, fühlt sich betroffen und gleichzeitig wütend", sagt er. Regelmäßig besucht Bassey Dörfer in der Region und ist immer wieder geschockt. "Mir wurde Abwasser zum Trinken angeboten. Ich habe abgelehnt. Aber die Menschen dort können es nicht. Sie haben kein anderes Wasser."

Menschenrechtler kämpft gegen Ölkonzerne

Arbeiter auf einer Öl-Plattform in Nigeria

Ölförderung im NIgerdelta

Ursprünglich war Bassey Menschenrechtsaktivist. In den späten 80er Jahren herrschte in Nigeria das Militär. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern forderte er eine Zivilregierung, die endlich wieder Demokratie in die Region bringen sollte. Im Südosten des Landes wurde ihm dann zum ersten Mal der Zusammenhang zwischen Menschenrechten und Umweltschutz bewusst, und er verstand: Das eine funktioniert ohne das andere nicht. 1993 gründete er deshalb mit drei Freunden die Environmental Rights Action.

Doch gerade für den Umweltschutz scheint sich aus seiner Sicht niemand verantwortlich zu fühlen. Bassey schüttelt verständnislos den Kopf, wenn er darüber nachdenkt. Denn die massiven Verschmutzungen in der Delta-Region und das ständig auslaufende Öl seien für alle allgegenwärtig. "In den vergangenen vier Jahren sind 3400 große und kleine Ölunfälle im Delta gezählt worden", sagt er und betont gleich, dass die Zahl keineswegs von ihm stamme, sondern von der Nationalen Agentur zur Erfassung von Ölunfällen.

Ölquellen werden zur Touristenattraktion

Männer waten durch Ölschlick im NIgerdelta (Foto: ap)

Ausgetretenes Öl im Nigerdelta

Allerdings würden viele die Augen schließen, wenn das schwarze Gold wieder irgendwo in den Boden sickert. So sei es auch vor zwei Jahren im Bundesstaat Akwa Ibom bei einem Shell-Unfall gewesen. "Das ging fast vier Monate lang so, bis man es endlich gestoppt hat. Die Leute haben das fotografiert. Es wurde zur Touristen-Attraktion, und das Fernsehen hat berichtet." Der Konzern hätte erst darauf reagiert, als die Regierung auf den Vorfall aufmerksam gemacht worden war. Shell selbst geht indes davon aus, dass 98 Prozent der Unfälle passieren, weil Leitungen angezapft und mutwillig zerstört werden.

Nnimmo Bassey lässt dieses Argument nicht gelten und zieht mit seiner Organisation, die heute besser unter dem Namen "Friends of the Earth" bekannt ist, immer wieder gegen die Großunternehmen vor Gericht. Der Vorwurf lautet: Die Firmen beuten Land und Menschen aus und bereichern sich auf deren Kosten. Der Alternative Nobelpreisträger hat seiner Regierung viele Vorschläge unterbreitet, wie sie unabhängiger von den Öleinnahmen werden und diese viel effektiver nutzen könnte. Dazu gehört auch ein besserer Schutz vor Öldiebstahl.

Nigerianer interessieren sich nicht für ihren Preisträger

Populär sind diese Forderungen freilich nicht, schließlich hängt Nigeria seit Jahrzehnten am Öltropf. Deshalb hat es auch im Land so gut wie keine Reaktionen auf die weltweit angesehene Auszeichnung gegeben. Nnimmo Bassey stört das wenig; ihm geht es um die Sache. "Das Öl gehört in die Erde", sagt er, "und da soll es auch bleiben."

Autorin: Katrin Gänsler
Redaktion: Klaudia Pape