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Wissen & Umwelt

Auszeichnung für die "Gen-Schere"

Defekte Gene entfernen oder gegen gesunde Gene austauschen und so Erbkrankheiten behandeln - dafür haben in Frankfurt am Main zwei Forscherinnen den Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis erhalten.

Jennifer A. Doudna und Emmanuelle Charpentier (foto: dpa)

Preisträgerinnen: Jennifer A. Doudna (l.) und Emmanuelle Charpentier

Die Französin Emmanuelle Charpentier (47) und die US-Amerikanerin Jennifer A. Doudna (51) haben ein Werkzeug entwickelt, das Erbmaterial gezielt verändern kann. Das System heißt CRISPR-Cas9 (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats). Es ist ein Verfahren zur Geneditierung und ein vielversprechender Ansatz, um genetische Störungen zu beheben.

Wie eine Schere

Charpentier beschreibt das CRISPR-System als eine Art Schweizer Taschenmesser. Während ihrer Forschungsarbeiten kamen die Wissenschaftlerinnen zu folgender Erkenntnis: Bei Bakterien, die von Viren angegriffen werden, erkennt das Enzym Cas9 - in Verbindung mit zwei RNAs - die DNA der Angreifer. Das Enzym wird an die richtige Stelle der Viren-DNA navigiert und zerschneidet die DNA der Viren wie eine Schere.

Die DNA ist ein Buchstabencode, aus dem das Erbgut besteht. Das CRISPR-System erkennt die Buchstabenabfolgen im genetischen Code. Es kann gezielt auf bestimmte Codes programmiert werden. Dort schneidet es die DNA auf, und an dieser Schnittstelle können Forscher dann zum Beispiel kranke Gene entfernen und andere - gesunde - einfügen.

Zu den genetischen Erkrankungen, die mit dieser Methode möglicherweise behandelt werden können, gehört beispielsweise das Down-Syndrom oder Mukoviszidose.

Erfolgreiche Forscherinnen

Charpentier ist Mikrobiologin, Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und Professorin an der Universität Umeå in Schweden. Doudna ist Biochemikerin und Professorin an der University of California in Berkeley, USA. Schon im letzten Jahr erhielten die beiden Mikrobiologinnen einige der wichtigsten Preise auf ihrem Forschungsgebiet. Als Charpentier im letzten Jahr mit dem Ernst-Jung-Preis ausgezeichnet wurde, sagte sie: "Ich freue mich darüber, dass die wissenschaftliche Community meine Arbeit auch auf medizinischem Gebiet anerkennt. Es ist wichtig, dass wissenschaftliche Erfolge an die Öffentlichkeit gebracht werden."

Jetzt erhielten die beiden Forscherinnen in der Frankfurter Paulskirche den renommierten Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis - eine der international angesehensten Auszeichnungen, die in der Bundesrepublik in der Medizin vergeben werden. Dotiert ist der Preis mit 100.000 Euro.

Nachwuchspreis an Bayreuther Biochemiker

Claus-Dieter Kuhn (Foto: Boran & Parot, Bayreuth)

Claus-Dieter Kuhn

Claus-Dieter Kuhn von der Universität Bayreuth ist in diesem Jahr der Glückliche, der den Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchspreis entgegennehmen durfte. Der 37-Jährige wurde für seine Forschungen über Ribonukleinsäuren, die nicht in Eiweiße übersetzt werden, ausgezeichnet. Sie übernehmen andere Aufgabe bei der Steuerung zellulärer Prozesse. Der junge Forscher hat sich auch damit beschäftigt, wie ein bestimmtes Protein funktioniert. Es trägt den Namen Argonaute-2 und steuert das Ablesen der Gene, indem es Boten-Ribonukleinsäuren zerschneidet. Bei seinem derzeitigen Forschungsobjekt geht es um Ribonukleinsäuren, die Gene an- und abschalten.

Seine Forschungsergebnisse könnten wesentliche Informationen dazu liefern, wie Krebs und neurologische Erkrankungen entstehen.

Vergeben wird der Nachwuchspreis seit 2006. Er ist mit 60.000 Euro dotiert. Der Preisträger muss in Deutschland tätig sein und sich durch außerordentliche Leistungen in der biomedizinischen Forschung auszeichnen. Das Preisgeld ist forschungsbezogen zu verwenden.

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