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Politik & Gesellschaft

Auszeichnung für den "Meister der Erinnerung"

In New York hat der deutsche Künstler Anselm Kiefer die Leo-Baeck-Medaille erhalten. Diesen Preis erhalten Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die deutsch-jüdische Aussöhnung verdient gemacht haben.

Anselm Kiefer erhält die Auszeichnung von Guido Westerwelle (Foto: dpa)

Ansem Kiefer vor einem Gemälde (Foto: dpa)

Anselm Kiefer provoziert mit unbequemen Werken

Er ist Maler und Bildhauer, aber auch Provokateur: Der Maler und Bildhauer Anselm Kiefer hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit dem Grauen der Nazi-Zeit auseinander gesetzt. Und das, obwohl der 66-Jährige aus Donaueschingen in Baden-Württemberg erst kurz vor Kriegsende - im März 1945 - geboren wurde.

Selbstportrait mit Nazi-Gruß

Am Montagabend (12.12.2011) erhielt Kiefer bei einer Gala im Waldorf Astoria Hotel in New York die Leo-Baeck-Medaille. "Seine Kunst war nie bequem", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle bei seiner Laudatio. Westerwelle würdigte den Künstler als "Meister der Erinnerung". Kiefer habe den Deutschen geholfen, sich mit der Vergangenheit des Nationalsozialismus und dem Schrecken des Holocaust auseinanderzusetzen.

Maschinengewehr als Teil des Bildes 'Samson in Gaza' (Foto: dpa)

Kiefer integriert auch ein Maschinengewehr in sein Bild

Denn Kiefers Werk ist geprägt von der deutschen Geschichte, er setzte sich viel mit Nazisymbolik auseinander und sorgte immer wieder mit provokanten Thesen und Aktionen für Aufsehen. So schuf Kiefer unter anderem Selbstporträts, auf denen er mit Hitler-Gruß posiert.

"Die Deutschen haben mich nicht gemocht"

Laudator Westerwelle erläuterte weiter, Kiefers Kunst sei nie gefällig gewesen. "Anselm Kiefer war politisch unkorrekt, bevor wir diesen Begriff überhaupt kannten." Seine Werke seien schwer zu verdauen. Das Gewicht der Geschichte sei darin zu spüren. "Es gibt keinen Künstler, der diese Medaille mehr verdient hätte", erklärte Westerwelle.

Kiefer selbst erklärte, "ich war überrascht, als ich hörte, dass ich die Auszeichnung bekomme." Bei seiner Dankesrede äußerte er die Vermutung, dass er den Preis bekommen habe, "weil ich versucht habe, etwas zu machen, was völlig unmöglich sei" - den Geist der Juden und der Deutschen zu vereinen. Die Deutschen hätten ihn mitunter nicht gemocht, weil er von der Vergangenheit erzählt habe, sagte der 66-Jährige. Wer sich nicht mit der Vergangenheit beschäftige, könne aber auch nicht in die Zukunft gehen.

Ehrenpreis für den "kritischen Denker"

Aussenminister Guido Westerwelle (r.) und der ehemalige US-amerikanischen Aussenminister Henry Kissinger (l.) (Foto: dapd)

Der Ehrenpreis ging an Henry Kissinger (l.)

Die Medaille erinnert an den von den Nazis verfolgten Rabbiner und Philosophen Leo Baeck. Sie wird seit 1978 von dem gleichnamigen Institut in New York an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um die deutsch-jüdische Aussöhnung verdient gemacht haben. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Dirigenten Kurt Masur, zuvor unter anderen an den ehemaligen Außenminister Joschka Fischer, Ex-Bundesinnenminister Otto Schily und den ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau.

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger bekam bei der Gala einen Ehrenpreis für "kritisches Denken". Kissinger sei über Jahrzehnte eine unverzichtbare Säule der transatlantischen Beziehungen gewesen, sagte Westerwelle. Der frühere Präsident der Weltbank, James Wolfensohn, würdigte Kissinger als "bemerkenswerten Beobachter und Kritiker". Niemand habe ein derartiges Verständnis der internationalen Beziehungen wie der einstige amerikanische Chef-Diplomat. Deshalb kämen noch heute die internationalen Führungspersönlichkeiten zu Kissinger, um dessen Rat und Einschätzung einzuholen.

Autorin: Marion Linnenbrink (dapd, dpa)
Redaktion: Herbert Peckmann

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