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Kultur

Auszüge aus Stellers Tagebuch

Anfang November 1741 erleidet die St. Peter auf einer Insel im Sturm Schiffbruch. Die von Krankheit geschwächte Mannschaft und Kapitän Bering fürchten um ihr Leben.

Anfang November 1741 erleidet die St. Peter auf einer Insel im Sturm Schiffbruch. Die von Krankheit geschwächte Mannschaft und Kapitän Bering fürchten um ihr Leben.

6. November 1741
"Mitten unter dem Getümmel trug sich noch ein anderer lächerlicher Streich zu: wir hatten schon seit einigen Tagen den verstorbenen Trompeter und einen toten Soldaten mit uns geführt, um sie am Lande beerdigen zu können; nunmehr aber wurden sie ohne alle Zeremonien über Hals und Kopf in die See geworfen, weil einige abergläubige Leute im Anfang des Schreckens die toten Körper für die Ursache der Bewegung angesehen."

9.November 1741
"Wir liefen in der Nacht überall am Seestrand umher, sammelten Treibholz, brachten es nach einer Grube, die wie ein Grab für zwei Personen ausgehöhlt war, und beschlossen hier zu übernachten. Oben legten wir Querhölzer darüber, bedeckten das Dach mit unseren Kleidern, Mänteln und Decken, machten, um uns zu erwärmen, ein Feuer und legten uns wieder schlafen...Wir erweiterten übrigens mit Graben unsere Wohnung in der Erde und schleppten zu deren Dach und inwendigen Ausbauung überall Holz am Ufer zusammen."

12.November 1741
"Die Toten wurden, ehe man sie noch begraben konnte, von den Füchsen verstümmelt, welche sich sogar über die lebendigen und hilflosen Kranken, die ohne Bedeckung am Strande herumlagen, herzumachen nicht scheuten und sie nach Hundesart berochen. Von diesen schrie der eine über Frost, der andere vor Hunger und Durst, weil viele vom Scharbock so erbärmlich im Munde zugerichtet waren, dass sie wegen großer Schmerzen nicht mehr genießen konnten, da das Zahnfleisch wie ein Schwamm aufgeschwollen, braunschwarz, über die Zähne emporgewachsen war und selbige bedeckte."

8.Dezember 1741
...und am 8.Dezember verblich endlich der Herr Kapitän-Kommandeur Bering, von dem nachmals dieses Eiland den Namen behalten hat... So kam er vor Hunger, Durst, Kälte, Ungemach und Betrübnis um.

© Zitat: Die Große Nordische Expedition von 1733 bis 1743, Verlag C.H.Beck, München 1990

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