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Aktuell Afrika

Auswärtiges Amt rät von Reisen nach Ägypten ab

Die Gewalt in Ägypten ruft international Entsetzen hervor. Einige Regierungen riefen ihre Bürger, die sich gerade in Ägypten befinden, auf, das Land zu verlassen. Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise verschärft.

Für Ägypten gilt eine sogenannte Teilreisewarnung für den Nord-Sinai und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet. Weil die Lage aber im ganzen Land derzeit unvorhersehbar ist, rät das Auswärtige Amt generell von Reisen in das nordafrikanische Land ab. "Dringend abgeraten" wird von Fahrten nach Kairo, in die oberägyptischen Touristenzentren Luxor und Assuan, von Nilkreuzfahrten und von Fahrten in das Nildelta.

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Ägypten kein Urlauberziel mehr

Das deutsche Außenministerium geht davon aus, dass sich derzeit mindestens 10.000 Bundesbürger in Ägypten aufhalten. Sie sollten den Anordnungen der Sicherheitskräfte folgen, Überlandfahrten vermeiden und Menschenansammlungen meiden, erklärte das Auswärtige Amt.

Das Auswärtige Amt reagiert damit auf die Ereignisse vom vergangenen Mittwoch: Sicherheitskräfte hatten zwei Protestlager von Anhängern der Muslimbrüder in Kairo geräumt. Dabei und bei darauf folgenden Unruhen im ganzen Land waren mindestens 600 Menschen getötet worden.

Reiseanbieter sagen Ägypten-Reisen ab

Verschiedene Reisekonzerne - wie TUI, Alltours, und Thomas Cook - haben nach der Warnung des Auswärtigen Amtes alle Reisen nach Ägypten abgesagt. Dies gelte für alle Buchungen bis einschließlich 15. September, teilten die Unternehmen mit.

Urlauber, die bereits vor Ort sind, könnten ihre Reise aber fortsetzen, erklärten die Reiseveranstalter. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten. Die Rückflüge erfolgten planmäßig wie gebucht. Abreisewillige sollten sich an die Reiseleitung vor Ort wenden, hieß es.

Bundesregierung friert Hilfsmittel für Ägypten ein

Deutschland hat als Konsequenz auf die Gewalteskalation 25 Millionen Euro Fördergelder für Projekte beim Klima- und Umweltschutz für das arabische Land auf Eis gelegt. Die frei werdenden Gelder sollen teilweise für syrische Flüchtlinge in Jordanien verwendet werden. Neue Zusagen für Entwicklungsprojekte in Ägypten solle es vorerst nicht geben, sagte Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel.

Zugleich forderte Niebel Vorsicht bei der Anwendung von Sanktionen gegen Ägypten: "Einfach einstellen und weggehen nimmt einem auch jede Einflussmöglichkeit vor Ort." Er betonte, es würden andererseits "so lange es geht" die Maßnahmen fortgeführt, "die unmittelbar den Menschen helfen - Wasserversorgung, Vergabe von Kleinkrediten für kleinste und mittlere Unternehmen."

In einem Interview des Deutsche Welle Fernsehens sagte Niebel, in Ägypten gebe es eine zwar schwache, aber politisch interessierte Zivilgesellschaft, die gewillt sei, ihr Land selbst zu gestalten. Sie gelte es durch Mittel für freie Träger zu stärken.

Video ansehen 03:56

Entwicklungsminister Niebel zur Situation in Ägypten

Sondertreffen der EU-Außenminister

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ nach einem Telefongespräch mit dem französischen Präsidenten François Hollande erklären, beide Länder wollten ihre Beziehungen zu Ägypten auf nationaler und EU-Ebene grundsätzlich auf den Prüfstand stellen. Die beiden Staatschefs forderten gemeinsam ein Ende des Blutvergießens. Für nächste Woche wollen die EU-Außenminister bei einem Sondertreffen über den Umgang mit Ägypten beraten. Die Außenbeauftragte Catherine Ashton machte die ägyptische Übergangsregierung für die Gewalt verantwortlich.

Obama sagt Militärübung ab

US-Präsident Barack Obama hatte die Maßnahmen der Übergangsregierung und der Sicherheitskräfte scharf kritisiert. Er bedauerte die Gewalt gegen Zivilisten und sprach sich gegen den verhängten Notstand aus. Zudem sagten die USA eine für September geplante gemeinsame Trainingseinheit der amerikanischen und ägyptischen Streitkräfte ab.

Die USA riefen ihre Landsleute auf, Ägypten zu verlassen. Das US-Außenministerium begründete seine Reisewarnung mit den politischen und sozialen Unruhen.

Vereinte Nationen alarmiert

Die Vereinten Nationen zeigten sich auch alarmiert über Angriffe auf Kirchen und christliche Einrichtungen in Ägypten. Die UN-Sonderberater für Schutz vor Völkermord, Jennifer Welsh und Adama Dieng, forderten die ägyptischen Behörden auf, umgehend und unabhängig zu ermitteln. Gewalttäter müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

nem/qu (afp, epd, dpa, KNA)

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