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Australien

Australier stimmen für Ehe für alle

Eine große Mehrheit der Australier hat sich für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe ausgesprochen. In einer Volksbefragung stimmten fast 62 Prozent für die Eheschließung von homosexuellen Paaren.

An der zweimonatigen Volksbefragung per Post beteiligten sich 12,7 Millionen Menschen, wie der Leiter der nationalen Statistikbehörde, Davis Kalisch, auf einer Pressekonferenz mitteilte. Damit hätten sich fast 80 Prozent der Wahlberechtigten an der Abstimmung beteiligt. "Die Australier können darauf vertrauen, dass diese Zahlen die Meinung der Wahlbevölkerung widerspiegeln", sagte Kalisch.

Die Volksbefragung ist nicht bindend. Bevor die ersten homosexuellen Paare in Australien heiraten können, muss das Parlament ein entsprechendes Gesetz verabschieden. Premierminister Malcolm Turnbull kündigte an, seine Regierung wolle die Gesetzesänderungen bis Weihnachten umsetzen.

Turnbull, ein gemäßigter Konservativer, sprach von einem überwältigenden Ergebnis. "Die Australier haben mit deutlicher Mehrheit für die Gleichberechtigung gestimmt", sagte Turnbull vor Journalisten in der Hauptstadt Canberra. "Sie stimmten für Fairness, Engagement und Liebe", so Turnbull weiter.

Dialog mit Gegnern

Turnbull muss sich nun aber auch gegen Hardliner in seiner eigenen Regierungskoalition durchsetzen. Zu ihrem Wortführer hat sich Turnbulls Vorgänger Tony Abbott entwickelt.

Über die Parteigrenzen hinweg gibt es in Australien aber vermutlich heute schon genug Abgeordnete, die die gleichgeschlechtliche Ehe unterstützen.

Grund für die ungewöhnliche Abstimmung per Post war, dass die Opposition aus Labour und Grünen die Pläne für eine richtige Volksabstimmung über die Ehe für alle blockiert hat. Beide Parteien sind zwar dafür, dass Frau und Frau sowie Mann und Mann heiraten dürfen. Ein Referendum darüber lehnten sie jedoch ab.

Hohe Kosten

Die Befragung hielten sie für überflüssig und auch für zu teuer. Die Kosten liegen bei umgerechnet etwa 80 Millionen Euro. Die Beteiligung war bis zuletzt die größte Ungewissheit der Abstimmung. Im Unterschied zu normalen Wahlen und richtigen Volksabstimmungen, an denen Australier teilnehmen müssen, wenn sie keine Geldstrafen zahlen wollen, war die Teilnahme freiwillig.

Freudentränen in Sydney (picture alliance/dpa/AAP/D. Moir)

Freudentränen in Sydney

In vielen anderen demokratischen Industriestaaten ist die Ehe für alle längst Gesetz. Bereits am kommenden Donnerstag soll der Gesetzentwurf im australischen Senat vorgestellt werden. Eine Umfrage des Fernsehsenders ABC ergab, dass 72 Prozent des Repräsentantenhauses die Gesetzesinitiative unterstützen würden.

Seit Jahrzehnten Thema

Der politische Umgang mit Homosexualität in Australien läuft schon seit Jahrzehnten. In den 1970er Jahren wurde die Homosexualität entkriminalisiert: aber erst ab 2004 pochten Initiativen auf die Schaffung der gleichgeschlechtlichen Ehe. 2009 wurden gleichgeschlechtlichen Beziehungen die gleichen Rechte eingeräumt wie Verheirateten. Immer wieder kam danach die Idee auf per Volksentscheid abzustimmen. Die Pläne wurden jedoch verworfen, ehe in diesem Jahr per Briefwahl abgestimmt wurde.

cgn/mak (afp, ap)