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Homosexualität

Australier fordern Ehe für alle

In Australien gibt es eigentlich eine Mehrheit für die gleichgeschlechtliche Ehe - aber kein entsprechendes Gesetz. Eine eigentümliche Briefwahl soll das ändern. Protestmärsche unterstützen die Aktion.

In Regenbogenfarben sind Zehntausende Menschen in Sydney für die Ehe für alle auf die Straße gegangen. Auf bunten Plakaten verlangten sie "Ehe-Gleichheit jetzt!", "Stolz statt Vorurteil" und "Stimmt mit JA!" Nach Angaben der Veranstalter, Equal Marriage Rights Australia, war der Marsch mit 40.000 Teilnehmern die größte Demonstration für Lesben- und Schwulenrechte in der Geschichte Australiens. In anderen Städten des Landes gab es ähnliche Kundgebungen.

Hintergrund der Aktionen ist eine Abstimmung über die Einführung der sogenannten Homo-Ehe auf dem fünften Kontinent. Vom 12. September bis 7. November dürfen rund 16 Millionen Wähler per Brief die Frage beantworten: "Soll das Gesetz geändert werden, damit gleichgeschlechtliche Paare heiraten können?" Das Ergebnis soll am 15. November bekanntgegeben werden.

Australien Demonstration für homosexuelle Ehe in Sydney (Getty Images/AFP/S. Khan)

"Yes" - "Ja" zur Ehe für alle forderten in Sydney nicht nur Schwule und Lesben

Sowohl in der Bevölkerung als auch im Parlament gibt es seit Jahren eine Mehrheit für die Ehe für alle. Jüngste Umfragen zeigen allerdings, dass die Zustimmung in den vergangenen Wochen gefallen ist - um sechs Punkte auf rund 58 Prozent. Auch könnte die Beteiligung an der Briefwahl gering ausfallen - die Stimmabgabe ist nicht verpflichtend und das Ergebnis für den Gesetzgeber nicht bindend. Ein mehrheitlich positives Votum soll dafür sorgen, dass ein entsprechendes Gesetz dem Parlament vorgelegt wird - das dann das letzte Wort hat.

Regierung gespalten

Mit der ungewöhnlichen postalischen Volksbefragung sucht der moderat-konservative Premierminister Malcolm Turnbull Unterstützung für seinen Kurs. Ein Referendum hatte die Opposition aus Labor-Partei und Grünen blockiert, obgleich auch sie für Frau-Frau- und Mann-Mann-Hochzeiten votieren. Gleichzeitig machen Konservative in der Regierung und katholische Bischöfe Front gegen eine Gesetzesänderung.

Australiens Debatte um die Homo-Ehe (DW/H. Clark)

Gegen Frau-Frau- und Mann-Mann-Ehen: die Victory Life Church im australischen Perth

Vor dem Protestmarsch warb Turnbull darum bei Vertretern seiner eigenen Koalition für die gleichgeschlechtliche Ehe und betonte, dass bereits 23 andere Staaten sie eingeführt hätten. Keinem dieser Länder sei der Himmel auf den Kopf gefallen. "Ist das Leben, wie wir es kennen, zusammengebrochen? Wurde die traditionelle Ehe, wie wir sie kennen, untergraben? Nein!" So zitiert der Sender ABC den Regierungschef.

Labor-Partei-Chef Bill Shorten sagte während der Demonstration, bei der Abstimmung gehe es um "unsere Identität als Nation" und "gleiche Rechte für alle". Er betonte: "Wir können gewinnen. Wir können diesen Berg bezwingen."

Die Kosten der Befragung werden auf 122 Millionen australische Dollar (etwa 80 Millionen Euro) beziffert. Die Opposition hält das für vollkommen überflüssig und auch für zu teuer.

hin/uh (dpa, dpae, afp, rtre, KNA)

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