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Kunst

Ausstellungen in Trier: Wer war der römische Kaiser Nero wirklich?

Er gilt als Mörder, Tyrann und irrer Künstler - trotzdem war der römische Kaiser Nero beim Volk beliebt. Eine Ausstellung in Trier zeigt die verschiedenen Facetten der Herrschaft des berüchtigten Kaisers.

Nero genießt alles andere als einen guten Ruf: Er gilt als verschwenderischer und äußerst brutaler Herrscher. Der römische Kaiser (37 bis 68) wird für den Großbrand von Rom verantwortlich gemacht und für die Ermordung zahlloser Christen. Auch seine Mutter und seine erste Frau hat er auf dem Gewissen.

War Nero wirklich nur der brutale und rücksichtslose Herrscher, für den ihn alle halten? Aktuelle Forschungen zeigen den Kaiser in einem anderen Licht. Sie fördern neue Seiten zutage: Nero war auch Künstler, Reformer und Architekt. In Trier, einst Hauptstadt der Römer nördlich der Alpen, eröffnet am Samstag (14.05.) die erste Nero-Ausstellung Mitteleuropas. Mit rund 700 Exponaten aus 15 Ländern zeigen gleich drei Museen die verschiedenen Facetten des Imperators.

Marmorportrait des Kaisers Nero, Foto: Rheinisches Landesmuseum Trier/T. Zühmer

Nero - in Marmor gemeißelt

Ein Leben verteilt auf drei Museen

Das Rheinische Landesmuseum widmet sich als Hauptstandort der Ausstellung dem Leben von Nero, seiner Herrschaft und ihren Folgen. Das Museum am Dom stellt unter dem Titel "Nero und die Christen" die verschiedenen Phasen der Christenverfolgung während seiner Regentschaft in den Mittelpunkt. Als dritter Standort präsentiert das Stadtmuseum Simeonstift die künstlerische Darstellung Neros in verschiedenen Epochen. Gemälde, Grafiken, Fotografien, Filme und Theaterausstattungen vom Frühmittelalter bis heute zeigen die wandlungsreiche Wahrnehmung des Kaisers.

Die Exponate stammen unter anderem aus dem Britischen Museum in London und den Vatikanischen Museen in Rom. Darunter sind edle Wandmosaike und Kostbarkeiten aus Gold und Silber. Das Prunkstück der Ausstellung ist eine Marmorstatue aus dem Louvre, die den jungen Nero zeigt.

Vom Hoffnungsträger zum Tyrannen

Neros Gräueltaten und sein unersättlicher Machthunger überschatten, dass er als Hoffnungsträger den Thron bestieg. Das Absenken der Getreidepreise und das Veranstalten von Gladiatorenkämpfen, Wagenrennen und anderen unterhaltenden Spielen machten ihn im Volk außerordentlich beliebt. Auch die Senatoren würdigten den neuen Kaiser als besonnenen und kompetenten Herrscher, der sich aus ihren Angelegenheiten heraushielt. Im Laufe seiner Amtszeit entwickelte sich Nero jedoch immer stärker zum verschwenderischen Tyrannen. Er ließ politische Gegner im Senat und in seinem persönlichen Umfeld ermorden. Mit seiner skrupellosen Brutalität und seinem zunehmend verschwenderischen Lebensstil stieß Nero auf wachsenden Widerstand bei Senat und Volk.

Marmorportrait Büste der Agrippina minor. Foto: Ny Carlsberg Glyptotek Copenhagen/Ole Haupt

Die Büste der Agrippina Minor erinnert an Neros Mutter, die er ermorden ließ.

Der Mythos vom Brandstifter Roms

Das wohl prominenteste Ereignis seiner Herrschaftszeit war der große Brand in Rom im Jahre 64 n. Chr., bei dem weite Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt wurden. Schon zu Lebzeiten wurde Nero verdächtigt, den Brand selbst gelegt zu haben. Die Forschung hat diese These widerlegt, da Nero sich bewiesenermaßen zum Zeitpunkt des Brandes nicht in der Stadt aufhielt. Zudem waren große Brände bei der engen Bebauung Roms keine Seltenheit. Doch der Mythos hält sich bis heute. Ob Nero die Brandstiftung in Auftrag gab oder nicht, wird wohl auf ewig ein Geheimnis der Geschichte bleiben.

Nero und Hollywood

Es verwundert kaum, dass unser heutiges Bild des Kaisers einseitig und vorbelastet ist. Es basiert, wie so oft bei prominenten Persönlichkeiten der Geschichte, weniger auf historischen Fakten als vielmehr darauf, wie Film und Literatur Nero in der jüngeren Zeit darstellten. Das wohl berühmteste Beispiel ist der mehrfach oscarnominierte Film "Quo vadis?" von Mervyn LeRoy aus dem Jahr 1951. Peter Ustinov verkörpert den Kaiser darin als blutrünstigen Tyrannen und narzisstischen Künstler, der das brennende Rom von seinem Balkon aus besingt. Die Austellung in Trier versucht nun Fiktion und Wirklichkeit zu versöhnen und unser Bild von Nero mit neuen historischen Fakten zu korrigieren.