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Kultur

Ausstellung wider Willen: Street Artist Stik in Münchner Galerie

In Großbritannien gelte er als neuer Banksy. So wird der Londoner Street Artist Stik von der Münchner Galerie Kronsbein beworben. Heute beginnt seine erste Ausstellung in Deutschland - ohne sein Einverständnis.

Die Münchner Galerie Kronsbein ist auf Pop Art und Urban Art spezialisiert. Seit 2009 holt sie Street Art aus den Straßen in die schicke Münchner Innenstadt. Seit 2013 stellt der Inhaber, Unternehmer und Kunstsammler Dirk Kronsbein in der Galerie Kronsbein aus, neben Pop-Art-Größen wie Andy Warhol, Roy Liechtenstein, Keith Haring, Jeff Koons, Damien Hirst und Tom Wesselmann nun auch Street Artists wie Banksy, Blek Le Rat oder jetzt Stik.

Die Strichmännchen des Mitte 40-jährigen Stik zieren viele prominente Stellen in London. Wer in Heathrow landet, kann vielleicht einen Blick auf seine "Single Mum" erhaschen: Die Mutter mit Baby ziert seit Herbst 2014 eine 40 Meter hohe Wand im Stadtteil South Acton. Ihre Lage ist bewusst symbolträchtig, denn sie ist an einem Haus voller baufälliger Sozialwohnungen angebracht. "Bezahlbares Wohnen ist in Großbritannien bedroht", kommentierte Stik die Arbeit und mahnte, dass "alle Menschen ein Dach über dem Kopf brauchen". Er ist sozial orientiert, politisch kritisch und distanziert sich von der Kommerzialisierung - wie viele seiner Street-Art-Kollegen.

Stik selbst hat auf seiner Webseite von der Ausstellung Abstand genommen: Wenn er seine Werke verkaufe, gehen gemäß seiner Darstellung 100 Prozent der Erlöse zurück an die Gemeinschaft. Private Verkäufe seiner Arbeiten unterstütze er nicht: "STIK hat keine kommerziellen oder anderen Verbindungen mit der Galerie Kronsbein, noch befürwortet er die Ausstellung in der Galerie oder wird bei ihr erscheinen", heißt es auf der Webseite.

STIK ist nicht der erst große Street-Art-Name in der Galerie Kronsbein: 2016 gab es eine Ausstellung mit Werken von Banksy und auch der der französische Street-Art-Pionier Blek Le Rat stellte bereits hier aus. Dabei wurde auch deutlich, wie unterschiedlich der Umgang der Street-Art-Künstler mit der Welt der Galerien ist: Während Banksy nicht auf die Ausstellung reagierte - immerhin seine "erste umfangreiche Präsentation in Deutschland" - war Blek Le Rat persönlich anwesend. Allen Protestnoten zum Trotz: Die ausgestellten und zu Verkauf stehenden Werke befinden sich im rechtmäßigen Besitz der Galerie. Und eine Ausstellung bedarf nicht zwingend der Einverständnis des Künstlers.

Die Kommerzialisierung von Street Art steht in den meisten Fällen in einem unauflösbaren Gegensatz zu ihrer ursprünglichen Philosophie. Politischer Protest lässt sich heute zwar offensichtlich kaufen und an die Wand hängen. Die Wirkung und Wucht entfaltet er aber nur auf der Straße.

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