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Kunst

Ausstellung mit Entwürfen für Berliner Museum der Moderne

Bierzelt? Lagerhalle? Oder doch Museum? Das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron baut das neue Museum der Moderne in Berlin. Wie das Museum noch hätte aussehen können, zeigt eine Ausstellung.

Berlin bekommt ein neues Museum. Genauer: ein neues Museum der Moderne. Das Schweizer Stararchitektenbüro Herzog & de Meuron hat den Wettbewerb um die Gestaltung des Baus gewonnen. Die Idee: ein rechteckiger Museumsbau, der einer Halle ähnelt - aus Backstein und mit Satteldach.

Unsere Bildergalerie zeigt, wie sich andere Architektenteams den Neubau vorgestellt haben. Die insgesamt 40 Entwürfe der Architekturbüros sind noch bis zum 8. Januar 2017 im Kulturforum zu sehen.

Herzog & de Meuron: Stararchitekten mit vielen Prestigebauten

Herzog & de Meuron haben bereits viele prestigeträchtige Bauten weltweit entworfen: darunter den Erweiterungsbau für die Tate Modern in London, die Elbphilharmonie in Hamburg, die Allianz-Arena in München und das Nationalstadion für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking sowie die Israelische Nationalbibliothek in Jerusalem, die 2020 fertiggestellt werden soll.

Tate Modern HdM London Großbritannien (Switch House, Tate Modern/Iwan Baan)

"Switch House": der Anbau der Tate Modern in London

In ihrer Erläuterung zum Entwurf für das neue Museum der Moderne befeuern Herzog & de Meuron selbst die Assoziationen zu ihrem eigenwilligen Entwurf: "Ist es eine Lagerhalle? Oder eine Scheune? Oder vielleicht eine Bahnhofshalle?" Ihre Erklärung folgt prompt: "Tatsächlich ist es ein Ort des Lagerns wie eine Lagerhalle, ein Ort der Vorräte und der Nahrung wie ein landwirtschaftlicher Betrieb, ein Ort der Begegnung und der Verbindung wie eine Bahnhofshalle. Und - wie ein Tempel - ist es auch ein Ort der Stille und des Nachdenkens, der Wahrnehmung von Kunst, der Wahrnehmung von sich selbst."

Mehr Platz für die Kunst des 20. Jahrhunderts

Die Kunst, die der Museumsbau von Herzog & de Meuron beherbergen soll, musste bis jetzt noch in den Beständen der Neuen Nationalgalerie in Berlin schlummern. Wegen der begrenzten Ausstellungsfläche konnte sie die Kunst des 20. Jahrhunderts nur in Ausschnitten der Öffentlichkeit präsentieren. Das soll sich mit dem Neubau nun ändern: Rund 15.000 Quadratmeter Nutzfläche, davon 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, sollen entstehen. Dieser Raum soll einen Rundgang von der Kunst um 1900 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts möglich machen. Auch Werke der Klassischen Moderne sollen im Neubau zu sehen sein. Der Schwerpunkt wird auf der Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen.

Neue Nationalgalerie Berlin (picture-alliance/dpa)

Die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe

Im November 2014 beschloss der Deutsche Bundestag, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 200 Millionen Euro für den Bau zur Verfügung zu stellen. Gebaut werden soll mitten in Berlin, am Kulturforum, einem bis jetzt brachen Gelände in der Nähe des Potsdamer Platzes. Die Neue Nationalgalerie, die Berliner Philharmonie, das Kunstgewerbemuseum, das Kupferstichkabinett und die Gemäldegalerie säumen das Gelände.

Hohe Ansprüche an den neuen Nachbarn 

Keine leichte Aufgabe für die Architekten, setzt die Architektur der bekannten Gebäude, die von Hans Scharoun (Berliner Philharmonie), Friedrich August Stüler (Alte Nationalgalerie) und Mies van der Rohe (Neue Nationalgalerie) entworfen wurden, doch hohe Ansprüche an den neuen Nachbarn.

2015 waren Architekten weltweit eingeladen, an dem Ideenwettbewerb für "das Museum des 20. Jahrhunderts" teilzunehmen. 460 Teams aus Architekten und Landschaftsarchitekten aus dem In- und Ausland reichten ihre Vorschläge ein. 2016 tagte eine Jury, die zehn Entwürfe kürte, die am folgenden Realisierungswettbewerb teilnehmen durften.

Deutschland Entwürfen zum Museum der Moderne von Herzog & de Meuron (picture-alliance/R. Hirschbe)

Aus dem Modell für das Museum ragt eine denkmalgeschützte Platane: Hier sind ein Café und ein Restaurant geplant

In einer mehrtägigen finalen Jurysitzung wurden die zehn Vorschläge genau unter die Lupe genommen. Den Ausschlag für die Faszination der Jury gab das Raumkonzept von Herzog & de Meuron: Das Museumsinnere ist als vier Quadranten angelegt. Diese werden von zwei sich kreuzenden Straßen getrennt. Die Straßen schaffen eine Verbindung zwischen Philharmonie und Nationalgalerie einerseits und der benachbarten Kirche St. Matthäi und der gegenüberliegenden Staatsbibliothek andererseits. Sie sollen rund um die Uhr ein Durchgehen und Verweilen erlauben. Wie in einer Stadt soll die Kreuzung so zum belebtesten Ort des Hauses werden. Ein Lichthof im Herzen des Gebäudes sorgt für Tageslicht bis ins Untergeschoss.

"Grandioser Entwurf" oder plumper Baumarkt?

Der Entwurf des 1978 von Jacques Herzog und Pierre de Meuron in Basel gegründeten Architektenbüros löste aufgrund seiner Ähnlichkeit mit einem plumpen Baumarkt heftige Debatten aus. Kulturstaatsministerin Monika Grütters war trotzdem überzeugt und sprach von einem "grandiosen Entwurf": "Den Schweizer Planern gelingt es, den großen Solitären von Scharoun, Stüler und Mies van der Rohe einen architektonisch herausragenden Bau an die Seite zu stellen, der das Kulturforum neu strukturieren und beleben wird."

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, prophezeit, dass Herzog & de Meuron "erneut Museumsarchitekturgeschichte schreiben werden". Bis 2021 soll das Museum stehen.

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