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Aktuell Afrika

Ausschreitungen vor Abstimmung

Einen Tag vor Beginn der umstrittenen Volksabstimmung über die neue Verfassung in Ägypten haben Islamisten und ihre Gegner noch einmal Stärke demonstriert. In der Hafenstadt Alexandria eskalierten die Proteste.

Ägypter vor brennenden Autos (Foto: AFP Getty Images)

Ägypten Protest

Nach dem Freitagsgebet haben Unterstützer des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi sowie Vertreter der liberalen und säkularen Opposition ihre jeweiligen Anhänger mobilisiert. Zu Tausenden versammelten sie sich zu Kundgebungen auf Ägyptens Straßen.

Schwerter, Knüppel, Steine

In der zweitgrößten Stadt Alexandria gingen die Kontrahenten mit Schwertern, Knüppeln und Steinen aufeinander los. Mehrere Menschen wurden verletzt. Autos gingen in Flammen auf (Artikelbild). Die Polizei setzte Tränengas ein. Die Krawalle begannen laut Augenzeugen in der Nähe einer Moschee, in der ein ultrakonservativer Geistlicher zur Annahme des Verfassungsentwurfs aufgerufen haben soll.

Auch in der Hauptstadt Kairo sammelten sich Anhänger beider Lager in den Straßen. Hier blieb es zunächst ruhig. Vor einer Moschee in der Nähe des Präsidialamtes skandierten Gefolgsleute Mursis "Ja zur Verfassung" und priesen das islamische Recht der Scharia. Mursi-Gegner kamen wieder vor dem Präsidentenpalast zusammen.

"Nein" zum Entwurf

Oppositionsführer und Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei forderte Mursi auf, das Referendum zu verschieben. Der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, rief die Ägypter auf, an diesem Samstag mit Nein zu stimmen.

Video ansehen 01:20

Ägypten ist tief gespalten

Liberale, Säkulare, Christen und andere Kritiker monieren, der Verfassungsentwurf sei einseitig islamistisch ausgerichtet und missachte Bürgerrechte und die der Minderheiten. Die Gleichberechtigung der Frau ist in dem Dokument nicht explizit erwähnt.

Dass die Bevölkerung den Entwurf für die neue Verfassung mehrheitlich ablehnen wird, gilt aber eher als unwahrscheinlich. Die Moslembruderschaft, aus der Mursi hervorging, und die das Parlament dominiert, ist die am besten organisierte politische Kraft in dem nordafrikanischen Land. Viele Ägypter sind zudem der Unruhen müde, die das Land seit dem Aufstand gegen den langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im Februar 2011 erschüttert haben.

Ein Mursi-Unterstützer zitiert aus dem Koran (Foto: AFP/Getty Images)

Ein Mursi-Unterstützer zitiert aus dem Koran

Zwei Abstimmungstermine

Das Referendum findet in zwei Etappen statt. An diesem Samstag wird in zehn Provinzen gewählt, darunter in den beiden wichtigsten Städten Kairo und Alexandria sowie in der unruhigen Region des Sinai. Eine Woche später werden die Einwohner der restlichen Provinzen aufgefordert, ihr Votum abzugeben. Die Aufsplittung der Volksabstimmung war erforderlich geworden, nachdem sich nicht genügend Richter bereiterklärt hatten, die Aufsicht in den Wahllokalen zu führen. Bürgerrechtler warnten deswegen vor Betrugsversuchen.

se/gmf (rtr, dpa, dapd, afp)

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