1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Ausschreitungen von Sikhs nach Bluttat in Wien

Nach dem Tod eines Predigers der Religionsgemeinschaft der Sikhs bei einem Überfall in Wien sind bei Protestaktionen und Zusammenstößen im Norden Indiens mindestens zwei Menschen getötet worden.

Brennende Fahrzeuge im indischen Jalandhar (Foto: UNI)

Aufgebrachte Sikhs setzten im indischen Jalandhar Fahrzeuge in Brand

Wie die indische Nachrichtenagentur PTI am Montag (25.05.2009) meldete, erschossen Sicherheitskräfte im Distrikt Jalandhar im Unionsstaat Punjab zwei Anhänger des getöteten Predigers. Mindestens vier weitere Menschen seien verletzt worden. Zuvor hatten mit Säbeln bewaffnete Sikhs Straßen und Schienen blockiert sowie Autos und Eisenbahnwaggons angezündet. Zudem griffen aufgebrachte Sikhs nach Medienberichten eine Polizeistation an. Gewalttätige Zwischenfälle gab es laut Polizei in mehreren Städten in Punjab. Auch aus dem Unionsstaat Haryana wurden Unruhen gemeldet.

Ausgangssperren verhängt

Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh

Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh

Die indischen Behörden verhängten daraufhin eine Ausgangssperre über Jalandhhar und weitere Teile Punjabs. Die Armee wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Vor Sikh-Tempeln wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Regierungschef Manmohan Singh, selbst ein Sikh, zeigte sich "tief traurig" angesichts der Ausschreitungen in Indien. Er rief zur Ruhe auf.

Die Ausschreitungen waren eine Reaktion auf einen Überfall auf einen Sikh-Tempel der so genannten Dera Sach Khand-Bewegung in der österreichischen Hauptstadt Wien. Dabei war der Guru Sant Rama Nand so schwer verletzt worden, dass er in der Nacht zu Montag starb. Nach Angaben der Polizei war eine mit Messern und Pistolen bewaffnete Gruppe von mindestens sechs Männern über Priester und Gläubige hergefallen.

Offenbar Streit unter Sikh-Gruppen

Junge Sikhs vor dem überfallenen Tempel in Wien (Foto: dpa)

Junge Sikhs vor dem überfallenen Tempel in Wien

Bei dem Überfall wurden zudem 16 Menschen verletzt, einige von ihnen schwer. Unter den Verletzten befindet sich nach Mitteilung der Polizei ein weiterer Guru. Bei den Angreifern soll es sich um Anhänger einer rivalisierienden Sikh-Gruppe gehandelt haben.

Es habe sich um einen geplanten Angriff gehandelt, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler prüften, ob die Bewaffneten auf eigene Faust oder auf Anweisung handelten. Bei den Tätern handelt es sich den Angaben zufolge um in Österreich lebende Inder. Sie wurden alle festgenommen. Innenministerin Maria Fekter sagte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur APA in Wien, die österreichischen Behörden stünden mit den indischen Behörden in Kontakt.

Bewegung der Unterprivilegierten

Der Dera Sach Khand-Bewegung gehören vor allem kastenlose Sikhs, so genannte Dalits, an. Die vor rund 70 Jahren gegründete Reformbewegung wendet sich gegen die in Indien zwar abgeschaffte, jedoch weiter offen praktizierte religiöse und soziale Kasten-Hierarchie. Zwar kennen die Sikhs, die sich selbst als eine Art Reformbewegung des Hinduismus verstehen, offiziell keine Kastenschranken, dennoch werden Dalit-Sikhs weiter diskriminiert.

Für die Dera Sach Kandh-Bewegung sind nicht alle religiösen Vorschriften der orthodoxen Sikhs bindend. So müssen sie etwa die Regel für Männer, einen Turban zu tragen und sich Haare und Bart nicht zu schneiden, nicht befolgen.

Etwa zwei Prozent der 1,1 Milliarden Inder sind Sikhs. Die meisten von ihnen wohnen in der Punjab-Provinz im Norden Indiens. Das wichtigste Sikh-Heiligtum ist der Goldene Tempel in Amritsar, etwa 30 Kilometer on der pakistanischen Grenze entfernt. (wl/je/kle/epd/dpa/afp/ap)

Die Redaktion empfiehlt