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Ausnahmezustand in Ferguson

10. August 2015

Es sollte ein friedliches Gedenken für einen afroamerikanischen Teenager werden. Stattdessen schlug die Veranstaltung in Ferguson in Gewalt um. Nun reagieren die US-Behörden - aus Angst vor weiteren Krawallen.

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US-Polizei nach einem Schusswechsel in Ferguson (Foto: picture-alliance/ZUMAPRESS.com)
Als ein Jugendlicher auf die Polizei schoss, eskalierte die Gedenkfeier für Michael BrownBild: picture-alliance/ZUMAPRESS.com

Nach den Schusswechseln am Jahrestag des Todes von Michael Brown haben die Behörden den Ausnahmezustand über die US-Kleinstadt Ferguson verhängt. Man befürchte weitere Krawalle, die "Schaden für Personen und Besitz" nach sich ziehen könnten, hieß es in einer Erklärung der Bezirksbehörde. Der Polizeichef von St. Louis, Jon Belmar, übernehme unverzüglich die Polizeiführung in Ferguson und Umgebung. Er werde alles Notwendige tun, "um die Ordnung aufrecht zuhalten, Verbrechen zu verhindern und das Leben und Eigentum unserer Bürger zu schützen". Die Anordnung gelte für den gesamten Bezirk St. Louis im Bundesstaat Missouri.

Zugleich meldeten US-Medien, vor dem Gerichtsgebäude in St. Louis seien am mehrere Dutzend Demonstranten festgenommen worden. Mehrere US-Sender zeigten Bilder, wie sich mehrere Demonstranten widerstandslos abführen ließen.

Auf einem Autobahnteilstück blockierten Aktivisten alle acht Fahrstreifen in beide Richtungen und stellten gelbe Barrieren mit der Aufschrift "Ferguson ist überall" auf. Die Polizei löste die Blockade am frühen Abend auf. Mehr als 50 Menschen wurden verhaftet.

Mehrere Aktivisten blockieren die Interstate 70 bei St. Louis (Foto: Scott Olson/Getty Images)
Mehrere Aktivisten wurden nach der Blockade auf der Interstate 70 verhaftetBild: Getty Images/S. Olson

Gewaltsame Eskalation

Zuvor war eine friedliche Gedenkveranstaltungen für den im vergangenen Jahr von einem Polizisten erschossenen schwarzen Jugendlichen gewaltsam eskaliert. Nach einer Schießerei zwischen zwei Gruppen hatte ein junger Mann das Feuer auf vier Polizisten in Zivil eröffnet. Die Beamten schossen zurück und verwundeten den Mann schwer.

Bei dem Schützen handelt es sich nach Behördenangaben um einen 18-jährigen Afro-Amerikaner. Sein Zustand sei kritisch, sagte der zuständige Polizeichef. Zwei weitere Personen hätten ebenfalls Schussverletzungen davongetragen. Gegen den 18-Jährigen wurden nach Behördenangaben ein Strafverfahren wegen des Angriffs auf Polizeibeamte eingeleitet.

Der Vater des schwer verletzten Schützen erklärte AFP, die Darstellung der Polizei sei "nichts als Lügen". Sein Sohn sei ein enger Freund Michael Browns gewesen und habe des Verstorbenen gedenken wollen. Er sei unbewaffnet gewesen und in einen Streit zweier Gruppen Jugendlicher geraten.

Als Schüsse in Ferguson fallen suchen Polizisten und Reporter hinter einem Wagen Deckung (Foto: Scott Olson/Getty Images)
Als Schüsse in Ferguson fallen suchen Polizisten und Reporter hinter einem Wagen DeckungBild: Getty Images/S. Olson

Viereinhalb Minuten Schweigen

Hunderte Demonstranten erinnerten am Sonntag in Ferguson an das Schicksal von Michael Brown. Viereinhalb Minuten lang verharrten sie in Schweigen - in Erinnerung an die viereinhalb Stunden, die die Leiche des Jugendlichen auf der Straße gelegen hatte, bevor sie weggebracht wurde. Anschließend brachen die Menschen in einem Gedenkmarsch auf.

Am Abend hatte sich die Stimmung aufgeheizt. Zwei Geschäfte wurden geplündert. Aus der Menge flogen Gegenstände auf Bereitschaftspolizisten, die eine Hauptstraße abriegelten. Ein Beamter wurde laut Polizei von einem Pflasterstein im Gesicht getroffen und verletzt.

Schüsse auf Michael Brown

Brown war am 9. August 2014 nach einem Handgemenge von dem weißen Polizisten Darren Wilson mit mehreren Schüssen getötet worden. Wilson wurde nicht angeklagt, obwohl der Jugendliche unbewaffnet war. Die Tötung des afroamerikanischen Jugendlichen und der spätere Verzicht auf einen Strafprozess hatten in Ferguson und zahlreichen anderen Städten der USA zu teils gewalttätigen Protesten geführt. An dem Fall entzündete sich außerdem eine landesweite Debatte über Rassismus und Polizeigewalt.

nin/wl (afp, rtr)