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Wirtschaft

Ausnahmezustand bei Infineon in München

Der Chiphersteller Infineon schließt sein Werk in München-Perlach – mit 800 Mitarbeitern. Sozialverhandlungen sind gescheitert. Nun haben die Beschäftigten am Montag (24.10.2005) die Produktion unbefristet lahm gelegt.

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Mitarbeiter streiken, doch die Schließung steht fest

Dass das Werk Ende 2006 zugemacht wird, ist für Infineon ziemlich sicher – das Unternehmen erklärte, die 20 Jahre alte Fabrik sei veraltet und unrentabel. Doch die Schließung würde die meisten der Mitarbeiter ihren Job kosten. Verhandlungen über einen Sozialplan oder eine Gnadenfrist für das Werk sind gescheitert. Auch die Idee, das Werk an den kleinen Halbleiter-Hersteller X-Fab aus Erfurt zu verkaufen, zerschlug sich.

Auffanggesellschaft und höhere Abfindung

Nun wollen die Beschäftigten wenigstens höhere Abfindungen und fünf Jahre Weiterbeschäftigung in einer Auffanggesellschaft durchsetzen. Laut der Industriegewerkschaft (IG) Metall bietet der Konzern den Beschäftigten eine Abfindung von etwa einem Drittel Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit. Die Gewerkschaft fordert das Zehnfache und eine Beschäftigungsgesellschaft für fünf Jahre. In einer Urabstimmung hatten 93 Prozent für den unbefristeten Streik gestimmt.

Infineon Hauptsitz in München

Die Infineon-Fabrik in München-Perlach ist alt und unrentabel, behauptet das Unternehmen

Und der lege das Werk des Chip-Herstellers "komplett still", sagte ein IG-Metall-Sprecher vor Ort. Seinen Angaben zufolge hinderten Streikposten mehrere Busse mit auswärtigen Aushilfskräften daran, auf das Betriebsgelände in München-Perlach zu fahren. Infineon erklärte dagegen, mit Hilfe von Mitarbeitern aus anderen Werken werde "eine Mindestproduktion aufrechterhalten". Wichtigstes Ziel sei es, die Kunden zu versorgen. "Das ist kein Problem."

Solidarität in München

Vor den Werkstoren versammelten sich am frühen Morgen etwa 500 Arbeiter, die ihrem Unmut über die bevorstehende Schließung des Werkes mit Rufen "Wir bleiben hier, dafür kämpfen wir", Pfeifkonzerten und Trommelschlägen Luft machten. Mehrere Hundert Mitarbeiter anderer Münchener Unternehmen, wie MAN, BMW, Siemens oder der Ingolstädter VW-Tochter Audi, unterstützten die Streikenden.

Für die Beschäftigten gehe es um "Arbeit und Qualifizierung für Jahre oder Absturz in Arbeitslosigkeit und Hartz IV nach zwölf Monaten", erklärte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rief die Beschäftigten allerdings zur Besonnenheit auf. "Das elementare Recht der Beschäftigten, um ihre Arbeitsplätze und beschäftigungspolitischen Ziele zu kämpfen, sollte nicht von Streikenden durch Übernahme der rüden Methoden der Geschäftsleitung in Misskredit gebracht werden", sagte Bayerns DGB-Chef Fritz Schösser. Der Gewerkschaftsbund unterstütze aber ausdrücklich die Arbeitskampfmaßnahmen und die Forderungen der Beschäftigten. Ein Infineon-Sprecher betonte, der Konzern sei verhandlungs- und kompromissbereit.

Überflüssige Chips Nach Infineons Plänen soll die Münchener Produktion nach Regensburg und Villach verlagert werden. In Perlach werden vor allem Hochfrequenz-Chips hergestellt, etwa für Mobiltelefone. Allerdings werden die Funktionen dieser Halbleiter immer häufiger in andere Chips integriert, so dass die Auslastung des Werks nach Angaben von Infineon immer weiter gesunken ist. (reh)