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Wirtschaft

Auslieferung des A 380 verzögert sich erneut

Mit dem Super-Jet A 380 hat Airbus kein Glück: Wieder kann das Konsortium das Flugzeug wegen technischer Probleme nicht ausliefern. Mit jeder weiteren Verzögerung wächst der Imageschaden.

Der A 380 hat Startprobleme

Werkstatt statt Wolken: Der A 380 hat Startprobleme

Und wieder ist ein Terminplan für den Riesen-Airbus A380 Makulatur: Zum vierten Mal hat der Flugzeugbauer am Dienstag (13.5.2008) die Auslieferung des größten Passagierjets der Welt verschoben. Die Probleme sind dabei noch immer dieselben: die schwierige Verkabelung des Riesen der Lüfte. Im Durchschnitt müssten die Kunden noch zwei bis drei Monate länger auf den größten Passagierjet der Welt warten, sagte Unternehmenschef Thomas Enders am Dienstag. 2008 würden vermutlich nur 12 statt der zugesagten 13 Maschinen fertig, im kommenden Jahr vier Maschinen weniger als die geplanten 25.

Das größte Problem ist nach wie vor die Verkabelung, 500 Kilometer müssen in jedem A380 verlegt werden. Und weil die Superjumbos für jeden der 14 Kunden anders ausgestattet sind, muss die automatische Installation jedes Mal aufs Neue gemacht werden. 600 Designer und Ingenieure sind derzeit in Toulouse allein mit der Beseitigung des Kabelsalats beschäftigt. Erst im ersten Halbjahr 2009 kann die Serienproduktion anlaufen, wenn alle Versionen ein Mal zusammengebaut wurden.

Airbus-Chef Thomas Enders - AP

Versucht zu beschwichtigen: Airbus-Chef Thomas Enders

"Es ist kein neues Katastrophenszenario", versuchte der Airbus-Chef Enders zu beschwichtigen. Allerdings korrigierte er das ursprüngliche Ziel von 42 Maschinen im Jahr 2010 deutlich auf "30 bis 40 Maschinen" nach unten. Der Ankündigung war eine Überprüfung der Produktion vorangegangen, die derzeit von der Hand- auf die automatische Serienfertigung umgestellt wird. Beim Hochfahren habe es an Ressourcen gefehlt, begründete Enders-Vize Fabrice Brégier die Verzögerungen. Die Verspätung hält sich zwar in Grenzen, für die Airbus-Gewerkschaften zeigt der Fall aber vor allem eines: dass sich ehrgeizige Großprojekte und ein radikaler Sparkurs kaum vereinbaren lassen.

Misslungenes Wettrennen mit Boeing

Mit dem vor acht Jahren gestarteten A380-Programm wollte Airbus den Erzrivalen Boeing aus den USA auf Dauer abhängen. Er sollte Beispiel für die technologische Leistungskraft Europas werden. Doch schon kurz nach dem ersten Testflug im April 2005 musste Airbus die Auslieferung der Maschine für bis zu 853 Passagiere ein erstes Mal verschieben. 2006 folgten zwei weitere Verzögerungen, weil das Unternehmen die Verkabelung des 560-Tonnen-Jets nicht hinbekam. Jetzt liegt Airbus gut anderthalb Jahre hinter dem ursprünglichen Lieferplan und musste deshalb das milliardenschwere Sparprogramm Power 8 auflegen, das 10.000 Stellenstreichungen vorsieht.

Die Kunden sind über die Verzögerungen nicht erfreut. "Bei der letzten Verschiebung musste Airbus erhebliche Strafen an uns zahlen", sagte der Vizepräsident von Thai Airways International, Narongsak Sangapong, der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones. Er hoffe daher, sein Unternehmen bleibe dieses Mal verschont. Der mit 58 Bestellungen größte Kunde Emirates Airlines erklärte, man sehe die geplanten Lieferungen ab April kommenden Jahres in Gefahr.

Airbus-Proteste - AP

Schlechte Stimmung: Heftig protestierten die Mitarbeiter 2007 (hier in Hamburg) gegen das Sparprogramm

16 Fluggesellschaften setzten bisher in der boomenden Branche auf das Riesenflugzeug und haben insgesamt 192 Exemplare bestellt. Mit jeder weiteren Verzögerung wächst der Imageschaden und die Hoffnung auf zusätzliche Bestellungen. Für die bisherigen Kunden sinken gleichzeitig die Kosten. Denn Airbus muss dann weitere Rabatte oder Entschädigungen einräumen. Hinzu kommen Einnahmeausfälle: Jedes pro Jahr weniger ausgelieferte Flugzeug mindert den Umsatz des Konzerns laut Katalogpreis um rund 327 Millionen Dollar (211,5 Millionen Euro).

Auch Militär-Transporter im Verzug

Das Eingeständnis der anhaltenden Schwierigkeiten ist für EADS ein weiterer Rückschlag. Erst in der vergangenen Woche platzte der Verkauf von zwei französischen Werken, nachdem der Konzern auch für drei deutsche Standorte keinen Käufer gefunden hatte. Die Investitionen für den künftigen Langstreckenflieger A350, die eigentlich von den neuen Partnern kommen sollten, muss EADS vorerst selbst aufbringen. Die Belastungen durch die neuen A380-Verzögerungen könnten die Finanzierung zusätzlich erschweren.

Und neben dem Superjumbo ist auch der Militärtransporter A400M mindestens zwölf Monate in Verzug geraten. Wenigstens stehen die Europäer nicht alleine da: US-Konkurrent Boeing musste den Lieferplan für seinen Sparjet B787 im April ebenfalls zum vierten Mal revidieren. (tos)

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