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Wirtschaft

Auslese im Investmentbanking geht weiter

Die Gewinnmaschine Investmentbanking stottert. Auch schärfere Vorgaben der Regulierer zwingen Banken zum Umdenken. Die Antworten in den Konzernzentralen fallen jedoch höchst unterschiedlich aus.

Eine neue Sicht auf die Bankentürme bietet sich am Donnerstag (26.04.2012) in Frankfurt am Main auf der Baustelle für die neue Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) aus rund 80 Metern Höhe. 185 Meter soll der Nordturm und 164 Meter der Südturm erreichen. Bis Ende 2013 soll der spektakuläre Neubau an der denkmalgeschützten Großmarkthalle so gut wie fertig sein, der Einzug der EZB-Beschäftigten ist 2014 geplant Foto: Frank Rumpenhorst dpa/lhe

Skyline von Frankfurt am Main Finanzmetropole

Radikalkur hier, klingelnde Kassen dort: Im Investmentbanking der Großbanken trennt sich die Spreu vom Weizen. Unter dem Druck staatlicher Regulierung läuft die einst gefeierte Profitmaschine nicht mehr so rund wie vor der Finanzkrise. Die Schweizer UBS macht einen radikalen Schnitt, zerschlägt ihr gesamtes Investmentbanking und fügt die Reste zu einer erheblich kleineren Einheit zusammen. Bis zu 10 000 Stellen - vor allem in London und New York - werden in den nächsten drei Jahren gestrichen.

Von derart drastischen Maßnahmen ist die Deutsche Bank weit entfernt: Zwar versuchen auch die Frankfurter, Risiken zu minimieren und kappen zudem ebenfalls Stellen im Kapitalmarktgeschäft. Doch das seit Juni amtierende Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen macht klar: Am Modell einer breit aufgestellten Bank vom Privatkunden bis zum Investmentbanking wird nicht gerüttelt: "Wir bekennen uns zum Universalbankmodell und zu unseren vier Geschäftsbereichen."

UBS-Radikalkur ohne Beispiel

Ganz anders die UBS: So konsequent wie die Schweizer geht bislang kein Konkurrent vor. Analysten zufolge ist die in Zürich von UBS-Chef Sergio Ermotti verkündete Neuausrichtung des Konzerns das bislang größte Kostensenkungsprogramm im europäischen Investmentbanking.

"Die UBS ist weltweit die einzige Bank, die sich dank ihrer Position einen solchen Schritt auch leisten kann", sagt Ermotti. Für Selbstbewusstsein sorgt das wieder florierende Vermögensverwaltungs-Geschäft, aber auch die branchenweit vergleichsweise komfortable Eigenkapitalausstattung.

Der andere Teil der Wahrheit: Branchenweit erholte sich das Investmentbanking im dritten Quartal angesichts der Beruhigung an den Finanzmärkten wieder. Vor allem das Hypothekengeschäft in den USA - einst Auslöser der Finanzkrise - erlebte eine Renaissance, auch dank Milliardenhilfen der US-Notenbank Fed. Diese senken die Zinsen und fördern zugleich den Handel mit Hypothekenpapieren.

Ex-Bundesbankchef Weber räumt auf

Davon kann die UBS anders als die Deutsche Bank kaum profitieren. Denn die Schweizer Großbank ist gerade im Anleihenhandel schwach aufgestellt. Dass die UBS nun ganze Teile ihres Kapitalmarktgeschäfts aufgeben und sich auf einige starke Bereiche konzentrieren will, hält Deutsche-Bank-Finanzvorstand Stefan Krause denn auch für nachvollziehbar: Nur wer zu den Marktführern zähle, könne ordentliche Renditen erzielen. Für alle anderen werde es in Zeiten härterer Regulierung und sinkender Erträge schwer.

Analysten der Bank Sarasin rechnen vor, die UBS-Investmentbank erziele mit rund 50 Prozent des Kapitals eine Rendite von nur 5 Prozent. Das Treiben tausender, oft extrem hoch bezahlter Banker erinnerte die "Neue Zürcher Zeitung" an "riesige Erntemaschinen, die mit großem Getöse eine Unmenge leeres Stroh dreschen".

Maßgeblich vorangetrieben wird der UBS-Umbau vom Präsidenten des Verwaltungsrates, Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber. Weber war es, der in der vergangenen Woche bei Sitzungen des Spitzengremiums in New York die Weichen für den Umbau stellte.

UBS-Szenario für Deutsche Bank nicht denkbar

Am Finanzplatz Frankfurt werden bereits Forderungen laut, das Deutsche-Bank-Führungsduo Jain/Fitschen möge dem Beispiel Ermotti/Weber folgen. Das Investmentbanking der Deutschen Bank müsse "zumindest drastisch reduziert" oder am besten gleich "über mehrere Jahre abgewickelt" werden, forderte Bankenkenner Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch Anfang dieser Woche in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Deutsche-Bank-Aktionäre haben demnach kaum etwas von der Sparte, die in Boomjahren gut drei Viertel des Unternehmensgewinns beisteuerte. Im Gegenteil: Sie müssten immer neues Kapital zuschießen. Heins nüchternes Fazit: "Investmentbank schließen und reich werden".

Doch der Analyst weiß auch, wie unwahrscheinlich das ist: "Die Investmentbanker ziehen spätestens seit dem Jahr 1999 in der Deutschen Bank die Fäden." Der oberste Kapitalmarktstratege Jain - bis zum Sommer Chef der Investmentsparte - und Deutschland-Chef Fitschen wollen die deutsche Nummer eins in der Weltspitze etablieren. Dass sie dafür das Investmentbanking brauchen, zeigen die jüngsten Geschäftszahlen: Bessere Geschäfte vor allem im Geschäft mit Anleihen retteten die Bilanz des dritten Quartals. Für die Deutsche Bank ist das der Beleg, dass ein Mix aus Investment- und Privatkundenbank für sie das sicherste Geschäftsmodell ist.

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