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Wirtschaft

Auslandsbanken entdecken deutsche Sparer

Deutsche bevorzugen es, Geld für einen bestimmten Zeitraum festzulegen. Von riskanten Einlagen oder gar Börsenspekulationen halten die meisten wenig. Ausländische Banken locken daher verstärkt mit höheren Zinsen.

Sparschwein mit Geldscheinen (Foto: picture alliance)

Die Bank of Scotland hat im Juli angeboten, Tagesgeld für fast zweieinhalb Prozent im Jahr anzulegen. Die spanische Santander garantiert sogar vier Prozent Zinsen für drei Jahre. Und die estnische Bigbank warb um deutsche Sparer zwischenzeitlich mit einem Spitzenzinssatz von über fünf Prozent. Angebote, die deutsche Institute vielfach recht alt aussehen lassen. Denn nicht wenige speisen ihre Kunden trotz Leitzinserhöhung mit niedrigeren Zinsen ab.

Deutsche beim Sparen Spitze

Professor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance (Foto: Faust)

Professor Martin Faust: deutscher Bankenmarkt ist attraktiv

Martin Faust von der Frankfurt School of Finance bezeichnet den deutschen Markt als sehr attraktiv für ausländische Geldinstitute. Denn Deutschland sei mit über 80 Millionen Einwohnern das größte Land in der EU: "Und wir haben mehr als 1.000 Milliarden Euro an liquidem Vermögen, das auf Tagesgeldkonten, das auf Sparbüchern etc. liegt", so Faust gegenüber DW-WORLD.DE. Nun rücken die Deutschen als eifrige Sparer verstärkt ins Blickfeld der Auslandsbanken.

Die Finanzkrise hat den Wettbewerb in der Bankenlandschaft grundlegend verändert. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung von Roland Berger. Die Banken kämpften mit geringen Wachstumsraten und sinkenden Margen und müssten sich neue Strategien überlegen, um das Geschäft voranzutreiben. Hier spiele das Basel-III-Abkommen eine wichtige Rolle.

Das Einlagengeschäft wird wichtiger

Dr. Oliver Wagner, Geschäftsführer des Verbandes der Auslandsbanken in Frankfurt (Foto: Verband Auslandsbanken)

Oliver Wagner: der deutsche Aufschwung lockt Auslandsbanken

Basel III, also die Empfehlungen des Ausschusses für Bankenaufsicht bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), soll die Finanzwelt stabiler machen. Das Abkommen sehe unter anderem eine stärkere Eigenkapitaldecke vor, so der Geschäftsführer des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland, Oliver Wagner zu DW-WORLD.DE: "Das Einlagengeschäft wird für alle Banken zunehmend wichtiger werden im Zuge von Basel III. Da ist es halt notwendig, entsprechend hartes Eigenkapital aufzubauen." Dafür brauchten alle Banken, deutsche wie ausländische, vermehrt die Einlagen von Privatkunden. Wagner sagt voraus, dass Geldanlagen für deutsche Sparer in den nächsten Jahren noch attraktiver werden.

Anfragen aus dem arabischen und asiatischen Raum

Auch während der Finanzkrise hätten sich die Auslandsbanken nicht vom deutschen Markt zurückgezogen. Der kräftige wirtschaftliche Aufschwung habe ihr Engagement nun aber noch einmal verstärkt, sagt Verbands-Geschäftsführer Oliver Wagner. In den letzten Monaten seien immer wieder neue Anfragen aus dem arabischen und asiatischen Raum gekommen: "Auch von den klassischen Märkten – sprich Kontinentaleuropa – haben wir in den letzten Monaten durchaus den ein oder anderen Zukauf in Deutschland gesehen, gerade im Privatkundenbereich."

Santander Bank in Madrid (Foto: AP)

Die spanische Santander Bank ist mit Filialen in Deutschland vertreten

Obwohl das Investmentbanking, der Handel mit Wertpapieren oder die Unterstützung von Unternehmen etwa bei Börsengängen, für die meisten Banken immer noch die stärkste Sparte ist, bauen deutsche wie ausländische Institute ihr Privatkundengeschäft weiter aus. Sie wollen unabhängiger werden – eine Lehre aus der Finanzkrise, sagt Bankenexperte Martin Faust von der Frankfurt School of Finance: "Die Banken hatten in der Finanzkrise Schwierigkeiten, sich zu refinanzieren. Das heißt, wenn sie Kredite geben, brauchen sie ja auch entsprechendes Geld. Das hat in der Finanzkrise leider nicht mehr funktioniert." Seitdem sei das Geschäft mit Privatkunden deutlich attraktiver geworden: "Denn die gelten als wenig sensibel. Das heißt also: sie sind ihren Banken relativ treu, ziehen ihr Geld nicht so schnell ab."

Geld einsammeln für weitere Kredite

Bleibt die Frage, was ausländische Banken mit den höher verzinsten Einlagen deutscher Sparer machen? Schließlich wollen die Institute kein Geld verlieren, sondern an diesem Geschäft verdienen. Dieses Geld werde dann wiederum für Kredite verwendet, sagt Faust: "Das heißt also: die Targo Bank und die Santander Bank zum Beispiel sind sehr stark im Konsumentenkreditbereich tätig, also wenn sich jemand ein Auto, einen Fernseher oder Möbel kauft. Die IngDiBa, die ist besonders stark im Bereich der Immobilienfinanzierung." Und die Royal Bank of Scottland, die weltweit stark vertreten sei, meint Faust, die werde das Geld sicherlich auch nach Großbritannien transferieren: "Sie hat in Deutschland nicht ganz so viele Geschäfte – zumindest nicht im Privatkundenbereich."

Und wie steht es mit der Sicherheit? In Erinnerung sind die Anleger der isländischen Kaupthing-Bank, die wegen ein paar Prozent mehr Zinsen diesem Institut ohne nennenswerte Einlagensicherung ihr Geld anvertrauten - und nach dessen Kollaps nach dem Staat riefen. Wenn eine Bank ihren Sitz in Deutschland habe, so Faust, dann unterliege sie auch der deutschen Einlagensicherung. Innerhalb der Europäischen Union seien die Anleger mit bis zu 100.000 Euro abgesichert. Bei ausländischen Banken, die ihren Sitz oder eine Tochtergesellschaft nicht in Deutschland haben, gelten dann die Regeln des Heimatlandes.

Autorin: Monika Lohmüller
Redaktion: Henrik Böhme