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Deutschland

Ausländische Pflegekräfte gesucht

Sie kommen aus Spanien, Polen oder Kroatien, sind fast ausschließlich weiblich und werden händeringend in der Pflegebranche benötigt. Doch es sind zu wenige. Woran vor allem die deutschen Arbeitgeber schuld sein sollen.

Deutsche Unternehmen tun sich noch schwer mit dem globalen Arbeitsmarkt. Obwohl der einst rigide angewandte Anwerbestopp der Vergangenheit angehört, wird die mittlerweile politisch gewollte Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte noch nicht wirkungsvoll gefördert. Mit der Ansprache deutscher Arbeitgeber an ausländische Arbeitskräfte hapert es noch. Ein Blick in die boomende Pflegebranche belegt das.

Kennzeichen der Branche ist ein teils gravierender Fachkräftemangel. Fast zwei Drittel der Pflegeeinrichtungen haben unbesetzte Stellen, im Schnitt könnten pro Betrieb 4,3 Mitarbeiter mehr beschäftigt werden, hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in einer Studie jetzt belegt. Rund 600 Arbeitgeber der Pflegebranche wurden befragt und drei Viertel bezeichneten die Besetzung freier Stellen als schwierig. Trotzdem nutzen nur 16 Prozent der Betriebe das Ausland zum Rekrutieren qualifizierter Mitarbeiter. Lieber werben sie Personal bei der Konkurrenz ab.

Kleine Pflegeeinrichtungen fremdeln mit ausländischen Mitarbeitern

Das hat einen Grund: Viele der befragten Unternehmen mit Anwerbeerfahrungen im Ausland finden diese Option zu aufwendig und zu teuer. Außerdem gebe es zu hohe rechtliche Hürden. 83 Prozent haben schon Erfahrungen mit der manchmal komplizierten Anerkennung von Qualifikationen und Zeugnissen machen müssen. Auch Schwierigkeiten mit der Einwanderungserlaubnis aus Drittstaaten haben offensichtlich abschreckende Wirkung auf deutsche Arbeitgeber. Besonders schwer haben es kleine und mittlere Betriebe. Die Studie zeigt: Je größer das Unternehmen und je professioneller seine Personalabteilung, desto mehr ausländische Arbeitskräfte gewinnt es.

Ausländische Pflegekräfte in Deutschland (Foto: dpa)

Für ihre Einsatzbereitschaft geschätzt: Pflegekräfte in Deutschland

61 Prozent aller im Ausland angeworbenen Pflegekräfte kommen aus Spanien. 19 Prozent aus Polen und 16 Prozent aus Kroatien. Aus Nicht-EU-Staaten finden vor allem Arbeitskräfte aus Bosnien-Herzegowina, der Ukraine, Russland, China und den Philippinen den Weg nach Deutschland. Einmal angekommen und in der Praxis des Arbeitsalltags erprobt, finden sie überwiegend Anerkennung sowohl bei Kollegen als auch bei den Arbeitgebern. Vor allem der Arbeitseinsatz wird gelobt. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen geben sogar an, diese sei sogar höher als bei den deutschen Mitarbeitern. Demgegenüber fällt das Urteil über die Praxiserfahrung mit den Kollegen mit Migrationshintergrund eher schlecht aus. 53 Prozent beurteilen ihren Arbeitseinsatz niedriger als den der übrigen Mitarbeiter.

Qualifizierte Zuwanderung nicht nur erlauben, sondern aktiv fördern

Um die Personalnot in deutschen Pflegeheimen zu lindern, fordern die Herausgeber der Studie bessere Informationen für Unternehmen, die im Ausland Mitarbeiter anwerben wollen. Auch sollten bundesweit einheitliche Verfahren bei der Berufsanerkennung von Pflegekräften angewandt werden, sowie einfachere und transparentere Zuwanderungsregeln gelten.

Qualifiziertes Fachpersonal aus dem Ausland ist, so eine Studie der ZEW vom vergangenen Jahr, nicht nur für die Wirtschaft gut, sondern auch für den deutschen Sozialstaat. Allerdings könnte ihr Beitrag über Steuern und Sozialabgaben für die Renten-, Krankenkassen- und Arbeitslosenversicherungen wesentlich höher sein, wenn sie denn leichteren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt hätten. Das aber muss aktiv politisch gefördert werden, empfehlen die Autoren der ZEW-Studie.

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