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Europa

Ausländische Ärzte in Deutschland

In vielen deutschen Krankenhäusern fehlen Ärzte und medizinisches Personal. Fachkräfte aus dem Ausland sind hoch willkommen. Doch nicht jeder ausländische Arzt darf in Deutschland sofort arbeiten.

Ein Arzt untersucht ein Röntgenbild (Foto: DW)

In vielen Krankenhäusern fehlen Ärzte

Deutschunterricht im Lucy-Romberg-Haus in Marl. Die Lehrerin Hanna Kriese fragt, die Kursteilnehmer antworten. Doch beim genauen Zuhören merkt man, dass es sich hier um einen besonderen Kurs handelt. Die Teilnehmer sind Ärzte aus Rumänien, Albanien oder Russland, die in Deutschland arbeiten wollen – und zwar in ihrem Beruf. Im Ausbildungszentrum der Arbeiterwohlfahrt lernen sie medizinisches Fachvokabular und üben Situationen aus dem Arbeitsalltag im Krankenhaus.

Deutschunterricht im Lucy-Romberg-Haus in Marl. Die Lehrerin Hanna Kriese (Foto: Pandeli Pani/DW)

Deutschunterricht für Ärzte im Lucy-Romberg-Haus in Marl

"Fachlich sind die Ärzte und Krankenschwestern aus Ost- und Südosteuropa gut, aber letztendlich ist entscheidend, wie gut sie die deutsche Sprache beherrschen. Das ist das A und O" sagt Silvio von Entress, Geschäftsführer der Medunited Academy GmbH. Das ist eine der vielen Firmen in Deutschland, die auf die Vermittlung von ausländischen Ärzten und anderem Fachpersonal für Krankenhäuser spezialisiert sind. Schwerpunktländer sind neben den Staaten Südosteuropas, wie etwa Rumänien, Griechenland, Kroatien, Serbien, Albanien, Kosovo sowie Bosnien und Herzegowina, auch osteuropäische Länder wie Polen oder Russland. Und seit dem Ausbruch der Euro-Krise sind auch Ärzte aus Spanien mit dabei.

Anerkennung der Abschlüsse

Dank des am 1. April 2012 in Kraft getretenen Gesetzes zur Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen ist die Erteilung einer Approbation, also einer behördlichen Genehmigung zur Ausübung des Arztberufes in Deutschland, nicht mehr an die Staatsangehörigkeit des Arztes gebunden. Während aber die Ärzte aus EU-Ländern nur ausreichende Deutschkenntnisse vorweisen müssen, um hier arbeiten zu dürfen, müssen die Ärzte aus den Ländern außerhalb der EU dazu auch noch eine medizinische Gleichwertigkeitsprüfung absolvieren. Dabei wird geprüft, ob es wesentliche inhaltliche Unterschiede zwischen der in Deutschland und der im Ausland erworbenen Fachausbildung gibt, oder der ausländische Abschluss auch hier anerkannt wird.

Silvio von Entress, Geschäftsführer von MEDUNITED ACADEMY GmbH (Foto: Pandeli Pani/DW)

Silvio von Entress: "Deutschkentnisse unerlässlich"

Das ist aber noch nicht alles, erklärt Silvio von Entress: "Die Ärzte, die aus Ländern außerhalb des Schengener Abkommens kommen, müssen immer noch ein Arbeits- und Berufsvisum beantragen. Das bedeutet, dass zunächst ein Arbeitsplatz gefunden werden soll, bevor man das Anerkennungsverfahren einleitet." Bevor es zu der Gleichwertigkeitsprüfung kommt, absolvieren die ausländischen Ärzte in der Regel eine sogenannte Anpassungs- oder Feststellungsphase. "Während dieser Zeit können sie arbeiten und auch Geld verdienen, allerdings immer eingeschränkt und unter der Aufsicht durch einen voll approbierten Arzt", so von Entress.

Nach sechs bis zwölf Monaten fühlen sich aber die meisten ausländischen Ärzte sicher und fit genug, um die Gleichwertigkeitsprüfung abzulegen. Den Zeitpunkt, wann sie sich für die Prüfung anmelden, können die Ärzte selbst bestimmen. Interessant für die Facharztprüfung ist, dass "die medizinischen Arbeitsphasen im Herkunftsland mit angerechnet werden."

Gute Fortbildungsmöglichkeiten

Deutschunterricht für ausländische Ärzte im Lucy-Romberg-Haus in Marl (Foto: pandeli Pani/DW)

Büffeln für die Karriere

Man muss Deutsch aber nicht unbedingt in Deutschland lernen. Immer mehr Vermittler bieten Deutsch für ausländische Ärzte in ihren Heimatländern an. Nach der Vorbereitung in den Herkunftsländern haben Ärzte dann die Möglichkeit, an einem Sprachkurs in Deutschland teilzunehmen, so wie in Marl. Hier bekommen sie den letzten Schliff für das, was sie für den klinischen Alltag benötigen. Sie üben Gespräche mit Patienten und lernen, Befunde zusammenzustellen oder die Entlassungsbriefe zu verfassen.

In dem Kurs in Marl sind auch zwei jungen Ärzte aus Rumänien, Andrea Rogozianu und Leonard Vasilache. "Wir haben zwar in Rumänien eine Stelle, die Bezahlung ist jedoch sehr schlecht", erklärt Rogozianu ihre Entscheidung, nach Deutschland zu kommen. Ähnlich war es auch bei Rubin Kulli und Altin Bila aus Albanien. Alle Kursteilnehmer wollen aber in Deutschland nicht nur arbeiten, sondern sich auch weiterbilden. Ihr Ziel: eine Qualifikation als Facharzt zu bekommen. "Nicht nur die Bezahlung, sondern auch die Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten sind hier besser, als in meiner Heimat", sagt auch Aschot Gevorkov. Seit zwölf Jahren arbeitet er als Neurochirurg in Sankt Petersburg, hofft aber in Deutschland neue Erfahrungen zu sammeln.

Gekommen um zu bleiben

Leonard Vasilache (Allgemeinarzt) und Andrea Rogozianu (Kinderpsychiatrie) Ärzte aus Rumänien (Foto: Pandeli Pani/DW)

Wollen in Deutschland bleiben: Leonard Vasilache und Andrea Rogozianu

Während des Sprachtrainings in Marl haben die Ärzte die Möglichkeit, auch in Krankenhäusern zu hospitieren. "Das kommt in den Krankenhäusern, mit denen wir zusammenarbeiten, sehr gut an", sagt Silvio von Entress. "Der Vorteil ist auf beiden Seiten: das Krankenhaus kann den Hospitanten kennenlernen und umgekehrt kann der Hospitant ohne den üblichen Bewerbungsdruck seine Fähigkeiten, die er als Mediziner mitbringt, dort präsentieren."

Das Modell funktioniert: Nach dem Fachsprachkurs haben alle jungen Ärzte aus Rumänien, Albanien und Russland eine Stelle in Deutschland bekommen.

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