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Deutschland

Ausländer- und Islamfeindlichkeit nehmen zu

Nach einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ist ein Viertel der Deutschen ausländerfeindlich. Auf besondere Ablehnung trifft der Islam. Rechtsextreme Einstellungen nehmen insgesamt zu und durchziehen alle Schichten.

Migranten in Berlin (Foto: dpa)

Nicht willkommen - Ausländer spüren verstärkt Ablehnung

Während Politiker und Medien über Integration und ihre Probleme diskutieren, zeigt eine neue Studie, dass die Deutschen ausländerfeindlicher geworden sind. Knapp ein Viertel der Bevölkerung ist inzwischen fremdenfeindlich eingestellt. Dies ergibt eine am Mittwoch (13.10.2010) in Berlin vorgestellte Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. 2008 sei es noch ein Fünftel der Bürger gewesen, so die Leipziger Wissenschaftler Elmar Brähler und Oliver Decker, die die Studie erstellten.

Etwa ein Drittel sieht die Bundesrepublik "durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet". Dabei stimmten in Ostdeutschland rund 43 Prozent dieser Aussage zu, in Westdeutschland knapp 34 Prozent. Über 34 Prozent der Bevölkerung ist laut Studie dieser Meinung: "Ausländer kommen nur hierhin, um unseren Sozialstaat auszunutzen." Ein ebenso großer Anteil denke, bei knappen Arbeitsplätzen "sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken".

Islamfeindliche Haltung verbreitet

Die Feindseligkeit gegenüber dem Islam ist der Studie zufolge besonders ausgeprägt. Der Aussage "Für Muslime in Deutschland sollte die Religionsausübung erheblich eingeschränkt werden" schließen sich 58,4 Prozent der Bevölkerung an - in Ostdeutschland sogar 75,7 Prozent. 55,4 Prozent der Deutschen können laut Studie gut verstehen, wenn "manchen Leuten Araber unangenehm sind". 2003 lag die Zustimmung dazu bei 44,2 Prozent. "Wir erleben eine dramatische Trendwende", so die Wissenschaftler.

Ausländer- und Islamfeindlichkeit sind den Forschern zufolge im Osten deutlich stärker ausgeprägt als im Westen, obwohl oder gerade weil in den neuen Bundesländern der Migrantenanteil am geringsten ist. Hintergrund für das Ost-West-Gefälle sei mitunter die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern, erläuterte Brähler. Wer arbeitslos ist oder arbeitslos war, neige eher zu rechtsextremen Einstellungen.

13 Prozent wünschen sich "Führer"

Bundestag (Foto: dpa)

Über 90 Prozent der Menschen halten es für "sinnlos", sich politisch zu engagieren

Fast jeder Vierte meint laut Umfrage, Deutschland brauche jetzt "eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert". Auch der Zuspruch für eine Diktatur als Staatsform wächst: Rund 13 Prozent der Deutschen wünschen sich einen "Führer", der "Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert". Dabei halten fast neun Prozent eine Diktatur "unter bestimmten Umständen" für "die bessere Staatsform". 10,3 Prozent meinen, der Nationalsozialismus habe "auch seine guten Seiten" gehabt.

Als "Alarmsignal für Politik und Gesellschaft" werten die Forscher den hohen Anteil der Menschen, die unzufrieden mit dem Zustand der Demokratie in Deutschland sind oder sich sozial ausgeschlossen fühlen. Die große Mehrheit der Deutschen fühlt sich der Politik machtlos ausgesetzt. Über 90 Prozent der Menschen sehen keinen Sinn darin, sich politisch zu engagieren und meinen, sie hätten "sowieso keinen Einfluss darauf, was die Regierung tut".

Rechtsextreme Einstellungen zugenommen

Angesichts von Abstiegsängsten hätten rechtsextreme Einstellungen mit der Wirtschafts- und Finanzkrise zugenommen, warnten Decker und Brähler. Es bestehe die Gefahr, dass Rechtspopulisten versuchten, aus der Situation "politisch Kapital zu schlagen".

Der Untersuchung zufolge ist keine gesellschaftliche Gruppe gegen rechtsextreme Einstellungen "immun". Allerdings: Ältere Menschen stimmen wesentlich häufiger rechtsextremen Aussagen zu als junge Menschen. Zudem lässt sich feststellen: Je niedriger das Bildungsniveau ist, desto ausgeprägter ist die rechtsextreme Einstellung. Rechtsextremismus sei dennoch kein Phänomen des gesellschaftlichen Randes, sondern genauso in der Mitte der Gesellschaft vertreten. Alle Parteien haben der Untersuchung zufolge Anhänger mit rechtsextremen Ansichten. Unter den Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche sind diese Gedanken sogar noch etwas verbreiteter als unter Konfessionslosen.

Für die repräsentative Studie "Die Mitte in der Krise - Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010" wurden im Frühjahr mehr als 2.400 Menschen im Alter von 14 bis 90 Jahren in direkten Interviews befragt. Das Team um Elmar Brähler und Oliver Decker führte die Untersuchung nach dem Muster der Vorgängerstudien aus den Jahren 2006 und 2008. Abgefragt wurden sechs Dimensionen von Rechtsextremismus: Befürwortung einer rechtsgerichteten Diktatur, Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und die Verharmlosung des Nationalsozialismus.

Autorin: Naima El Moussaoui (dapd, dpa, epd)

Redaktion: Sabine Faber

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