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Literatur

Ausgewählt - Vier Comics zu Luther und zur Reformation

Landauf, landab wird das Reformationsjubiläum gefeiert. Jede Menge schlauer Bücher sind zu dem Gedenkjahr erschienen. Darunter finden sich auch einige bemerkenswerte Comics. Hier eine Auswahl.

Wer sich über Martin Luther und die von ihm ausgelöste Reformation informieren will, ohne dicke Schinken zu wälzen, für den gibt es jetzt diese vier attraktiven Titel:

Johannes Saurer, Ulrike Albers: Martin Luther - Ein Mönch verändert die Welt

Comic-Liebhaber, besonders aber Kinder und Jugendliche, kommen bei diesem Heft im DIN-A-4 Format auf ihre Kosten. In chronologischer Abfolge bebildert es Martin Luthers Leben von der Geburt in Eisleben bis zu seinem Tod, der ihn auf der Durchreise in eben seiner Geburtsstadt ereilte. Luthers Charakter, seine Motive, ins Kloster zu gehen, seine entscheidenden theologischen Erkenntnisse, der Thesenanschlag, das Verteidigen seiner Lehre, die politischen Folgen seines Handelns, depressive Phasen, Hochzeit und Familienleben – nichts fehlt. Ein kleiner Anhang stellt maßgebende Wegbegleiter Luthers und wichtige Akteure dieses Zeitabschnitts im 16. Jahrhundert vor. Er enthält außerdem eine Karte, auf der die Stationen der Reformation verzeichnet sind und stellt heraus, wie einzigartig der Mensch Luther und sein Handeln war, das die Welt veränderte. Das, was Zeichner Johannes Sauter und Texterin Ulrike Albers kompakt komponiert haben, ist lehrreich und unterhaltsam In dieser Kombination eignet es sich bestens auch zur Lektüre in der kirchlichen Jugendarbeit oder dem Schulunterricht.

Johannes Saurer, Ulrike Albers: "Ein Mönch verändert die Welt". Comic, Stuttgart (Evangelisches Medienhaus) 2016, 30 Seiten (ISBN 978-3-941628-17-5)

Martin Luther - Der Comic

Dieser Comic ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Zuerst deshalb, weil es sich um ein Schulprojekt handelt. Das Additum Kunst am A.B. von Stetten'schen Institut, Gymnasium für Mädchen in Augsburg - so der sperrige Name - bekam den Auftrag, sich mit der Reformation und deren Folgen künstlerisch auseinanderzusetzen. Gut 25 künstlerisch begabte Jugendliche erfüllten ihn über mehrere Schuljahre hinweg. Dabei gestalteten sie die markanten Ereignisse aus dem Leben Luthers eher schlicht als Bleistift- und Kohlezeichnungen. Mit einem Feuerwerk anderer grafischer Stilmittel gingen die jungen Leute dann weit über Luthers Leben hinaus – frei nach dem Motto: Was haben Luther und die Reformation uns, der jungen Generation am Beginn des 21. Jahrhunderts zu sagen? Gerade diese stilistisch unterschiedlichen Exkursionen sind es, die eine große grafische Vielfalt mit viel Farbe und in witziger Jugendsprache präsentieren. Wo nötig, ist der Text präzise, etwa indem die wichtigsten von Luthers 95 Thesen zitiert werden. Auf der anderen Seite geht die künstlerische Freiheit so weit, Luthers Ehefrau mit Dolch im Strumpfband darzustellen. Auch der Humor kommt in den insgesamt 19 Kapiteln nicht zu kurz.

Kirsten Gerhardt (Herausgeberin): "Martin Luther - Der Comic". Comic (Wißner-Verlag), Augsburg Januar 2015, 104 Seiten (ISBN 978-3-95786-012-5)

Thomas Dahms, Tobias Wagner: Zu Tisch bei Luthers in Wittenberg

"Motorradfahrerbrillen-Augen" haben die Menschen und Tiere in diesem Comic, der mitten im turbulenten Familienleben des Reformators beginnt. Dann aber schwenkt der Comic zurück ins Geburtsjahr Martin Luthers, um nun die Chronologie eines ereignisreichen Lebens zu bebildern. Dazu knappe, überaus präzise und teils humorvolle Texte. "Wuuuusch", "Trampel", "Donner", "Krach", "Zissssssch" oder "Wumm", solche Ausdrücke begleiten die Szenen. Zahlreichen Zeichnungen, wie die der Klosterzelle Luthers, liegen historische Vorlagen zugrunde. Wo es solche nicht gab, hat Zeichner Tobias Wagner Elemente aus vergleichbaren mittelalterlichen Bauwerken entliehen. Außerdem gibt es historische Stadtpläne von Erfurt und Wittenberg im Comic-Stil und eine Karte des Heiligen Römischen Reichs. Die bedeutendsten Schriften Luthers werden als Bücherstapel gezeigt. Texter Thomas Dahms hat nicht nur alle 95 Thesen in konfirmandenverständlicher Übersetzung eingebaut. Auch das Glaubensbekenntnis, das Vater-unser-Gebet und die Zehn Gebote wurden von dem promovierten Historiker in die ereignisreichen Handlungen eingebaut. Wem die Sprechblasen allein nicht ausreichen, kann sich anhand ausführlicherer Texte zusätzlich der deutschen Geistesgröße Martin Luther nähern. Kurzum: Wissensvermittlung mit Spaßfaktor für Interessierte von 10-100 Jahren.

Thomas Dahms, Tobias Wagner: Zu Tisch bei Luthers in Wittenberg. Comic (Ostfalia-Verlag), Osterwiek, 40 Seiten (ISBN: 978-3-926560-84-1)

Andrea Grosso Ciponte, Dacia Palmerino: Martin Luther

Ganz anders - ohne Krach und Wumm - ist unsere vierte Empfehlung: Dieses Buch firmiert zwar unter dem Begriff Comic, doch seine Bilder sind gegenständlich und präzise bis ins Detail. Graphic Novel heißt dieser Stil – auf deutsch soviel wie Comicroman oder illustrierter Roman. Ebenso facettenreich wie das Leben des Reformators Martin Luther sind die wuchtigen Bilder des Italieners Andrea Grosso Ciponte. Die Malerfürsten Vater und Sohn Lukas Cranach, die Luther viele tausend Mal porträtierten, würden ihre helle Freude haben an dem, was ihr Künstlerkollege da 500 Jahre später geleistet hat. Die finstersten Abgründe des Mittelalters mit Seuchen, Folter und Hexenverbrennungen, die neuen befreienden theologischen und humanistischen Erkenntnisse Luthers, aber auch seine dunklen Seiten, wie seine antisemitische Einstellung -  all das wird farblich genial in Szenen übertragen und von Dacia Palmerino ungeschönt erzählt. Zehn spannenden Kapiteln folgt ein Epilog, der den Weg der Reformation nach Luthers Tod (1546) bis zum Augsburger Religionsfrieden von 1555 beschreibt. Die Protagonisten jener Zeit werden zum Schluss anhand kleiner Porträts vorgestellt. Ein rundum gelungenes Comic-Buch der Extraklasse.

Andrea Grosso Ciponte, Dacia Palmerino:  Martin Luther. Comic (Edition Faust) Frankfurt am Main, 160 Seiten (ISBN: 978-3-945400-27-2)

 

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