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Politik

Ausgespielt

"Rien ne va plus" heißt es für russische Glücksspieler bald: Ab 01. Juli soll in den meisten Kasinos des Landes nichts mehr gehen. Dienen soll es Moral und Sittlichkeit der Russen, offiziell wenigstens.

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In der russischen Presse ist die bevorstehende Kasino-Schließung ein ganz großes Thema. Es geht, selbst nach offiziellen Angaben, immerhin um mehr als zehntausend Arbeitsplätze. Und das in Zeiten der Krise, wo jeder Job zählt. Moskaus Vizebürgermeister sah sich bereits genötigt, zu beschwichtigen: die Hauptstadtregierung werde gegensteuern, mit Jobangeboten, Umschulungen und Schaffung neuer Stellen. In vielen der Noch-Kasinos und -Daddelhallen sollen Volksbüchereien, Sportstudios oder Restaurants entstehen.

Las Vegas auf russisch

Nur Pokerspiel und Wetten bleibt weiter erlaubt. Als Wettbewerb, in extra lizenzierten Sport-Clubs. Und noch eine Milde lässt das neue Gesetz walten. Es verbannt das Geschäft mit dem Glück nicht ganz. Vier Sonderzockerzonen nach dem Vorbild Las Vegas lässt es für ganz Russland zu: eine im Gebiet Kaliningrad, eine im Süden bei Rostow, eine im sibirischen Altai-Gebirge und eine im fernen Osten.

Doch die Sonderzonen kommen nicht an, das ist schon jetzt klar, Wochen bevor sie überhaupt bespielt werden sollen. Russische Kollegen berichten, dass dort, wo bald Neonreklamen leuchten und Roulette-Tische surren sollen, noch Brachen gähnen und Disteln wuchern. Die geplanten Glücksspielinseln seien unattraktiv für die Kasinobetreiber, gibt Moskaus Vizebürgermeister zu. Und das war wohl auch der eigentliche Sinn des Gesetzes, Wohl und Wehe der russischen Seele hin oder her.

Flucht nach Minsk

Glücksspiel, das ist in Russland vor allem ein Geschäft um Geld und Macht. Mehrere zig Millionen Euro täglich, vermuten Beobachter, fließen im oft kriminell organisierten Glücksspielgewerbe an jeglicher Staatskontrolle vorbei. Diesen Sumpf trockenzulegen, war schon lange das Ziel der Kremlherren.

Doch es deutet sich an, dass diese Ordnungspläne ins Leere laufen. Dass die Glücksspielgeldströme sich neue Wege suchen. Viele Kasinobetreiber wollen ihre Spieltempel nun in andere GUS-Staaten verlegen. Moskaus Vizebürgermeister will gehört haben, dass derzeit Minsk unter den Zockerfürsten als heißester Exil-Tipp gehandelt wird. Für die Moskowiter, Spieler wie Spielhallenbetreiber, ist die weißrussische Hauptstadt, gemessen an russischen Verhältnissen, nur einen Steinwurf weit weg.

Autor: Markus Reher

Redaktion: Dirk Eckert