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Kultur

Ausgerutscht auf diplomatischem Parkett

Thomas Borers steiler Aufstieg zu einem der wichtigsten Repräsentanten der Schweiz ist nach drei Jahren abrupt beendet worden: "Diverse Vorkommnisse" führten dazu, dass er seinen Berliner Botschaftersessel räumen muss.

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So ziemlich genau vor drei Jahren war Thomas Borer, der Chef der Task Force "Schweiz - Zweiter Weltkrieg", auf den prestigeträchtigen Außenposten in Deutschland gehoben worden. Da war er schon kein Neuling mehr auf dem diplomatischen Parkett: In der Zeit, als die Schweiz wegen ihrer Rolle im Zweiten Weltkrieg massiv unter Druck stand, legte der promovierte Jurist den Grundstein für seine steile Karriere.

Geradewegs in die Schweizer Botschaft

Botschafter im Käfig

"Wider den tierischen Ernst"

In Berlin zogen Borer und seine Frau, die frühere Miss Texas Shawne Fielding, bald die Aufmerksamkeit auf sich und die Botschaft. Erinnert sei an die rauschende August-Party im Jahr 2000. Gelegenheit zum öffentlichen Auftritt bot auch der Wiederbezug des alten Schweizer Botschaftsgebäudes in unmittelbarer Nachbarschaft zum Reichstag und zum neuen Bundeskanzleramt.

Der Tritt ins Fettnäpfchen

Schon bald erregte das Ehepaar Borer Fielding Unmut in der Zentrale in Bern. Eine erste offizielle Rüge handelte sich Borer ein, als er in "Viktors Spätprogramm" den Scorpions-Sänger Klaus Meine indirekt als schwul bezeichnete. Bundesrat Joseph Deiss verlangte von Borer eine gezieltere Auswahl seiner Auftritte. Wenige Tage später sagte des Botschafters Chef auf eine besorgte Anfrage im Nationalrat: "Ich muss ja nicht so wahnsinnig begeistert sein von diesem Botschafter."

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Shawne Borer-Fielding

Borers Ehefrau Shawn Fielding

Einige Monate später sorgte dann die Botschaftergattin mit einer Foto-Session für die deutsche Illustrierte Max für Stirnrunzeln im EDA. Sie posierte in den Räumlichkeiten der Schweizer Botschaft mal als Cowgirl mit Pistolen, mal als Diva in Abendrobe sowie in den amerikanischen und Schweizer Landesfarben. Für eine Aufnahme wurde sogar ein Pferd in das Treppenhaus der Botschaft gebracht.

Die Episode wurde offiziell mit einer Entschuldigung Fieldings bei Bundesrat Joseph Deiss beendet. Letztmals vorwiegend positive Schlagzeilen wurden Borer im vergangenen Januar zu teil, als er beim Karneval in Aachen zum Ritter des "Ordens wider den tierischen Ernst" geschlagen wurde. Seine launige Büttenrede, mit Tells Geschoss als Kopfschmuck, wurde live im Fernsehen übertragen.

Wo ist das Problem?!

Schweizer Botschafter in Berlin Thomas Borer-Fielding

Elisabeth Bonneau, anerkannte Benimm-Expertin für den Hausgebrauch und den Höheren Dienst, appelliert an die (Medien-)Öffentlichkeit, Contenance zu wahren. Ein Schweizer Diplomat falle nicht unter die Moralgerichtsbarkeit Deutschlands. Gegenüber DW-WORLD stellte sie die provokante Frage, was Thomas Borer denn eigentlich diplomatisch Verwerfliches getan hätte ...

Befragt nach einem ungeschriebenen Benimm- und Sittenkodex für Diplomaten im Höheren Dienst, schüttelt sie den Kopf: "Das steht ja auch nicht: 'Man bohrt in der Öffentlichkeit nicht in der Nase.'" Wenn es einer trotzdem tut, dann sieht man entweder diskret weg oder wundert sich über so viel zur Schau gestellte Dummheit. ap/(arn)

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