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Kultur

Ausgenutzt im fernen Westen

In Deutschland studieren, davon träumen viele Chinesen. Deutsche Bildungsanbieter werben deshalb in der Volksrepublik um Kunden. Aber einige sind nur Blender: Ihre akademischen Titel kosten viel – und sind doch wertlos.

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Manche deutsche Privatschule zieht chinesischen Studenten bloß das Geld aus der Tasche

Persönliche Betreuung, beste Kontakte zur Wirtschaft, Seminare in einer hochherrschaftlichen Villa: Die “Schlevogt Business School” in Neustrelitz spart auf ihrer Internet-Seite nicht mit wohlklingenden Versprechungen. Schließlich sei sie die erste privat geführte Wirtschaftsschule der Welt mit Fokus auf China. Kostenpunkt der Ausbildung: 7500 Euro pro Jahr im Studiengang zum “Bachelor of Business Administration”.

Doch viele Chinesen, die einen der Mitte 2002 gestarteten Kurse belegten, erlebten Enttäuschungen: Das Material war dürftig, die Lehrer wechselten häufig. Die in Aussicht gestellten akademischen Grade dürften die Schlevogt-Schüler in Mecklenburg-Vorpommern ohnehin nicht führen: Die “Business School” ist keine anerkannte Universität.

Schöner Schein

Betreiber der Schule ist Kai-Alexander Schlevogt, der “zum ersten fest angestellten ausländischen Professor an einer chinesischen Universität in der Geschichte der Volksrepublik China” und “zum jüngsten Professor Deutschlands” ernannt worden sein will. Dabei darf er in Deutschland gar keinen Professorentitel führen, wie das Schweriner Bildungsministerium klarstellt - also benutzt er den vom britischen Henley Management College verliehenen Titel “Visiting Professor”.

Viel repräsentative Fassade bietet auch das Schulgebäude in Neustrelitz, ein ehemaliger herzoglicher Wohnsitz. Bis zum Sommer 2003 war die Schule in Schwerin untergebracht - 150 Kilometer entfernt. Die chinesischen Schüler konnten nicht anders als mitzuziehen. Denn laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der “Schlevogt Business School” müssen sie auf dem “Campus” wohnen.

Falsche Eintrittskarte

Die “Schlevogt Business School” ist kein Einzelfall: Hinter etlichen Anzeigen, mit denen deutsche Bildungsanbieter in chinesischsprachigen Zeitungen und im Internet werben, stecken private Firmen, deren Zertifikate und Zeugnisse wertlos sind. Sie gaukeln auslandshungrigen Chinesen vor, sie könnten die Eintrittskarte in eine goldene Zukunft lösen.

Denn die Bundesrepublik steht im Reich der Mitte hoch im Kurs: Für den Karrierekick durch das Auslandsstudium versuchen manche junge Chinesen sogar, mit geschönten Papieren nach Deutschland kommen. Zwar hat der Deutsche Akademische Austausch-Dienst eigens eine Prüfstelle in Peking eingerichtet; ihre Tests müssen alle chinesischen Bewerber um einen Studienplatz an einer offiziell anerkannten Hochschule passieren. Private Bildungsinstitute drücken dagegen gerne mal ein Auge zu - sie wissen: Erfüllen sich die hochgesteckten Erwartungen in Deutschland nicht, können die Chinesen sich kaum wehren. Verlassen sie die jeweilige Institution, verlieren sie auch ihre Aufenthaltserlaubnis.

Strenges Regime, seltsame Grundsätze

Die Schüler der "Schlevogt Business School" unterwerfen sich einem strengen Regime: Wer innerhalb eines Halbjahres dreimal unentschuldigt fehlt, zu spät kommt oder gegen das Rauch- und Alkoholverbot verstößt, fliegt von der Schule - ohne Rückerstattung der Gebühren. Im AGB-Anhang “Erklärung der Werte und Ethik” preist Schlevogt Disziplin als Primärtugend, die “in der heutigen disziplinlosen westlichen Gesellschaft” besonders wichtig sei. Befremdlich wirken auch Äußerungen von Schlevogt in diversen Zeitungen: So unterstützt er die harte Gangart der chinesischen Regierung gegen die Falun-Gong-Sekte, lobt das NS-“Wirtschaftswunder” und rechnet die USA zur Reihe der Schurkenstaaten.

Mehrere Chinesen haben sich inzwischen von der “Business School” abgewandt. Ein Schlevogt-Schüler suchte Beistand bei einem Rechtsanwalt - andere wollen es ihm nachtun.

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