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Politik

Ausgeleuchtet

Ab dem 1. September dürfen keine matten Glühbirnen mehr verkauft werden, so will es die EU. Auch 100-Watt-Birnen sind künftig verboten, sie verbrauchen zu viel Strom. Die Berliner haben sich schon Vorräte zugelegt.

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Kürzlich in einem großen Berliner Elektromarkt. Ich steuere auf die Abteilung mit den Leuchtmitteln zu. Doch hier leuchtet gar nichts mehr. Die Regale sind leer, die matten Glühbirnen alle ausverkauft. Auf die habe ich es abgesehen, ich will mir einen Vorrat anlegen für meine schönen alten Lampen zu Hause. "120 Stück hat der letzte Kunde gekauft", belehrt mich die Verkäuferin vor den kahlen Regalen. "Wir kriegen noch genau eine Lieferung, und das war's dann!"

120 Stück - für den Eigenbedarf der nächsten 30 Jahre oder für den schwunghaften Schwarzmarkthandel? In Gedanken trotte ich weiter zu einem großen Kaufhaus und stelle mir dabei vor, wie ich demnächst an U-Bahn-Eingängen oder in dunklen Hinterhöfen heimlich Glühbirnen erstehe. Denn offiziell dürfen sie gar nicht mehr verkauft werden, von niemandem. Vielleicht gebraucht, als Relikt aus einer vergangenen Zeit auf dem Flohmarkt? 'Lebensdauer noch sechs Monate, TÜV-geprüft.' Oder als Bückware an Kiosken? Verbote machen kreativ, denke ich, während ich im Kaufhaus die Lampen-Abteilung aufsuche. Auch hier alles leer. Eine alte Dame steht ratlos vor dem Regal. Sie braucht nur mal eben eine neue Glühbirne und versteht die Welt nicht mehr.

Nach 130 Jahren auf den Müllhaufen der Geschichte?

Ich beschließe, meine Glühbirnenjagd in einem anderen Stadtbezirk fortzusetzen, hier scheint ja leuchtmitteltechnisch nichts mehr los zu sein. Mit dem Auto fahre ich zum größten Baumarkt, den ich in Berlin kenne. Die Spannung steigt, als ich auf die Regale mit den Glühbirnen zusteuere. Hurra, sie sind voll! Zufrieden belade ich meinen Einkaufswagen, nehme aber weniger als 120 Stück. Die gute alte Glühbirne - seit den 1880er Jahren ein ständiger Begleiter der Menschheit, ab morgen plötzlich nur noch Schrott? Was für ein trauriges Ende einer blendenden Karriere!

Möglich macht's die EU mit ihrer dämlichen Bevormundung. Natürlich verbrauchen die modernen Energiesparlampen viel weniger Strom. Aber dafür haben sie andere Nachteile - ihr Licht ist lange nicht so schön, und sie enthalten giftiges Quecksilber. Diesen umnachteten Brüsseler Bürokraten würde ich gerne mal ordentlich heimleuchten. Lang (über)lebe die Glühbirne!

Autorin: Nina Werkhäuser

Redaktion: Dеnnis Stutе