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Politik

Ausgebrannt

Brüssel als EU-Schaltzentrale ist mittlerweile vor allem eins: Funktional. Dem Charme der vielerorts zu betonierten Stadt war das nicht unbedingt zuträglich. Und selbst geschenkte Verschönerungsmaßnahmen scheitern.

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Die deutsche Ratspräsidentschaft ist ambitioniert. Politisch sowieso. Aber auch kulturell. In den sechs Monaten, in denen in der EU die Deutschen das Sagen haben, haben sie ein umfangreiches Kulturprogramm aufgelegt: Großartige Ausstellungen, die Blicke auf Europa zeigen, hinreissende Lesungen, Klassische Tanzabende, Fotoshows, die bedeutende Europäerinnen ins Bild rücken, Auftritte von Philharmonikern, Einblicke in die Gegenwart und Zukunft wissenschaftlichen Forschens, Kolloquien - bis hin zu einem Ausblick auf die documenta 12 in Kassel in diesem Jahr. Deutschland ist nicht kleinlich - und das meint den Geist, mit dem Berlin die deutsche Ratspräsidentschaft unterfüttert und stärkt.

Angefangen hat der kulturelle Aufbruch der Deutschen in Brüssel schon im Januar. Da wurde auf dem Rond Point Schuman - dem zentralen Platz aller europäischen Institutionen - eine Lichtinstallation der Schwestern Anny und Sibel Öztürk errichtet. Es war eine interaktive Lichtskulptur, die in immer neuen Farbvariationen im wahrsten Sinne des Titels des Kunstwerks "Mehr Licht" nach Brüssel brachte. Endlich einmal leuchtete Brüssel gerade im zubetonierten europäischen Zentrum. Endlich zeigte sich der bürokratische Moloch von seinen besten Farben - bis Mitte April. Dann gingen die Lichter aus. Endgültig. Leider.


"Mehr Licht" ohne Licht


Und seitdem steht die Lichtskulptur "Mehr Licht" ohne Licht auf dem Rond Point Schuman. Seitdem passt sich die Lichtinstallation dem Grau in Grau seiner Umgebung an. Seitdem wirkt die Skulptur wie eine übrig gebliebene Beleuchtung, die demnächst abgerissen werden soll - wie parallel zur Zeit ein ganzer Häuserkomplex am Kreisverkehr. Man wartet geradezu auf die Abrissbirne. Und nicht nur, dass "Mehr Licht" nicht mehr leuchtet - jetzt rostet es auch noch: Vergessen, zugestaubt, eine bloße Erinnerung an eine fabelhafte Idee.

Eigentlich sollte die Stadt Brüssel (die es wiederum nicht wirklich gibt, da Brüssel aus 19 praktisch autonomen Bezirken und Gemeinden besteht) die Lichtinstallation Ende April übernehmen. Anscheinend fehlt das Geld oder der politische Wille. Oder auch beides. Auf jeden Fall zeigt sich, dass in Brüssel der Wille zu einem städtebaulichen Konzept in der teils zerklüfteten, teils kaputt sanierten, teils zu betonierten Stadt fehlt. Und wenn die Stadt schon mal was geschenkt bekommt, dann lässt es sie verrosten. Ein Schandfleck. Und deswegen: die Lichter der Schwestern Öztürk brennen nicht mehr. Und Brüssel leuchtet auch nicht mehr.