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Wirtschaft

Ausgang ungewiss

US-Präsident Bush hat sich das Ziel gesetzt, das Regime von Saddam Hussein mit militärischen Mitteln zu Fall zu bringen. Seitdem lähmt die Weltwirtschaft, meint Thomas Kirschning.

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"Mit dem erneuten weltweiten Einbruch der Börsenkurse und der Kriegsgefahr im Irak haben sich die Perspektiven für die Erholung der Weltwirtschaft eingetrübt": Diese vergleichsweise kühle Formulierung wählten soeben renommierte deutsche Wirtschaftsforscher. Dabei liest sich der Verfall des Marktwerts auch grundsolider Konzerne in nüchternen Zahlenvergleichen bereits weit dramatischer: Der Deutsche Aktienindex etwa notiert in diesen Tagen so niedrig wie zuletzt vor fünf Jahren. Allein seit dem Jahr 2000 sind die hier notierten große Firmen um rund 600 Milliarden Euro leichter geworden. Gewicht, das ihnen fehlt, um Kredite für Investitionen zu bekommen.

Gar nicht zu reden vom sogenannten Neuen Markt der einst hochgelobten High-Tech- und Internet-Unternehmen: Über 9.300 Punkten lag dessen wichtigster Index im Frühling des Jahres 2000. Heute kämpft er um die 400-er Marke.

Man würde allerdings die Geschichte klittern und den Einfluss von George W. Bush weit überschätzen, wollte man ihm diesen Erdrutsch anlasten. Es sind vielmehr an schnellem Gewinn interessierte Börsen und Banken, Fondsmanager, sogenannte Analysten und hektische Händler gewesen, die die Luft in die im eigentlichen Sinne des Wortes 'schwindelerregend' große Spekulationsblase rund um die "New Economy" bliesen. Ein Begriff übrigens, der -gerade noch in ungezählten Papieren und Reden hochgepriesen- seit dem Platzen dieser schillernden Kugel ohne nachhaltige Substanz schamhaft aus Gedächtnis und Sprachschatz verdrängt wird. Eine Entwicklung, die bereits vor den Terroranschlägen des elften September 2001 einsetzte.

Danach brauchte die Weltwirtschaft weit mehr als nur eine Schrecksekunde, um an Erholung zu denken. Konsumenten und Investoren begannen nur vorsichtig, wieder etwas Geld auszugeben. Das dazu notwendige Vertrauen in eine bessere Zukunft maß sich nicht zuletzt an den Erfolgen im Kampf gegen die Taliban. Und gerade aufkeimende Perspektiven wurden immer wieder beeinträchtigt durch Berichte über milliardenschwer gefälschte Unternehmensbilanzen, Konkurse oder unfähige Manager, die sich nur mit 'goldenem Handschlag' aus ihren Chefsesseln zerren ließen.

Erst dann kam Bush mit seinem Kriegsszenario. Statt islamistisch gewandetem Terror beispielsweise durch eine nachhaltige israelisch- palästinensische Vermittlung den Boden zu entziehen, machte er eine alte Front neu auf. Jede seiner Drohungen gegen Saddam Hussein wird seitdem an den Börsen genau registriert und prägt die Stimmung auf dem Parkett: "Extrem labil, hohe Nervosität, negatives Umfeld", so lauten die Einschätzungen der Beobachter des Geschehens. Die Folge: Händler machen Kasse, steigen aus, verkaufen, so bald sich eine Möglichkeit bietet. Mittel- oder gar langfristig einsteigen will keiner. Allenfalls heißt die Devise 'Halten', 'Attentismus', Abwarten. Warten - worauf?

Lange bevor die westlichen Alliierten das Nazi-Deutschland besiegt und erfolgreich besetzt hatten, gab es in Washington eine Vorstellung, mehr noch, einen Plan dafür, was danach kommen sollte. Ähnliches galt für die Nachkriegssituation in Japan. Auch für die Zukunft der Staaten des Balkan oder für Afghanistan wurden vor Feuereröffnung Allianzen geschmiedet, Szenarien abgestimmt. Nicht so im Falle Irak. Es droht ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Innerhalb transparenter und berechenbarer Rahmenbedingungen sind Konsum und Investitionen die Basis für einen Wirtschaftsaufschwung. Geldscheine nehmen die Menschen nur in die Hand, wenn sie erwarten, dafür etwas Werthaltiges zu bekommen, wenn sie also eine Orientierung haben. An den Börsen werden solche Erwartungen gehandelt. Eine Politik aber, die glaubt, ohne klare Ziele und breite Kooperation auskommen zu können, schafft das Gegenteil: Desorientierung. Dass also auch die wirtschaftlichen Aussichten in diesen Wochen alles andere als gut sind, dafür trägt Bush die Verantwortung.