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Hass im Internet

Auschwitz-Komitee nennt Facebook unerträglich arrogant

Wie eine Flut ergießen sich Hasskommentare, Beleidigungen und Aufrufe zur Gewalt ins Internet. Die sozialen Netzwerke als Transporteure dieser Tiraden geraten immer mehr in die Kritik.

Das Facebook-Like, aufgemalt auf einem rissigen Straßenbelag (picture-alliance/chromorange/R. Peters)

Das Facebook-Like, aufgemalt auf einem rissigen Straßenbelag

Das Internationale Auschwitz-Komitee hat Facebook für den Umgang mit Hasskommentaren auf seinen Internetseiten scharf kritisiert. Die Arroganz des Sozialen Netzwerks sei "zunehmend unerträglich und gefährlich", sagte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, in Berlin.

Christoph Heubner vom Internationalem Auschwitz-Komitee (picture-alliance/dpa/I. Fassbender)

Christoph Heubner vom Internationalem Auschwitz-Komitee

Angesichts der vielen ungelöschten Kommentare sei Facebook "weiterhin massiv an der Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas nicht nur in Deutschland beteiligt", kritisierte Heubner. "Offensichtlich nehmen die Verantwortlichen bei Facebook weder den Bundesjustizminister noch den deutschen Gesetzgeber besonders ernst."

Für eine europäische Initiative

Justizminister Heiko Maas müsse konsequent alle gesetzlichen Möglichkeiten nutzen, um Facebook Grenzen aufzuzeigen, forderte Heubner. "Darüber hinaus ist es höchste Zeit für eine neue europäische Initiative, dem Hass im Netz massiv zu begegnen, bevor er noch häufiger als bisher in rohe Gewalt gegen andere Menschen umschlägt", betonte der Vizepräsident des Auschwitz-Komitees. "Europa sollte sich auch in dieser Hinsicht seiner Geschichte erinnern."

Das Internationale Auschwitz-Komitee wurde nach dem 2.Weltkrieg von Überlebenden des NS-Vernichtungslagers Auschwitz gegründet. Die Organisation fördert vor allem das Gedenken an den Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden.

Eenttäuscht von Internetriesen

Maas hatte zuvor ein Jahr nach der Gründung der Task Force gegen Hassbotschaften im Internet mit Blick auf Facebook eine ernüchterte Bilanz gezogen. "Das ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben", betonte der SPD-Politiker. Am 15. Dezember 2015 hatte er sich mit den großen Internetunternehmen als Mitglieder einer Task Force darauf verständigt, Hasskommentare im Netz binnen 24 Stunden zu löschen.

Nach einem im September veröffentlichten Bericht, den die Task Force in Auftrag gegeben hatte, löschte Facebook aber nur 46 Prozent der gemeldeten strafbaren Inhalte. Youtube entfernte demnach rund zehn Prozent und Twitter nur eine von hundert Hassbotschaften.

wl/se (dpa, epd)