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Kultur

Ausblick in fremde Welten in Cannes

In Südfrankreich finden zum 65. Mal die weltweit wichtigsten Filmfestspiele statt. Das Filmfestival macht in diesem Jahr keine Experimente und setzt an der Croisette auf altbewährte Regiegrößen.

Das Meer wird auch in diesem Jahr wieder blau sein. Der Rote Teppich von Cannes wird sich erneut großer Beliebtheit erfreuen, wenn die internationalen Stars des Kinos in den kommenden Tagen ihr Stelldichein an der Croisette geben. Zu hoffen bleibt, dass die Regisseure auch gute Filme abliefern bei der 65. Ausgabe des wichtigsten Filmfestivals weltweit. Der österreichische Regisseur Ulrich Seidl wird mit seinem Film "Paradies: Liebe" einen möglicherweise symbolträchtigen Beitrag abliefern.

Globaler Sextourismus

"Paradies: Liebe" schickt seine Protagonistinnen, reife Damen aus dem reichen Europa, an die blauen Küsten Kenias. Ihr Ziel: Liebe und Sex mit jüngeren Männern aus Afrika. Regisseur Seidl, ein Spezialist für sezierende Blicke in die Abgründe menschlicher Triebwelten, schaut auf eine weniger thematisierte Seite des globalen Sextourismus: ältere, weiße Frauen, die in afrikanische Länder reisen, um dort ihre Sehnsucht mit schwarzen Männern zu befriedigen. Das dürfte ein wohl kritischer filmischer Blick werden - eine Geschichte, die an der sonnendurchfluteten Croisette in Cannes für einiges Nachdenken sorgen könnte.

Szene aus dem Film Liebe von Michael Haneke (Foto: Filmfestspiele Cannes)

Emmanuelle Riva in Michael Hanekes Cannes-Beitrag "Liebe"

Ulrich Seidl ist nicht der einzige Österreicher, der in diesem Jahr im Rennen um die Goldene Palme mitmischt. Sein Landsmann Michael Haneke, vor drei Jahren gewann er die Goldene Palme für seinen Film "Das weiße Band", ist diesmal mit "Liebe" dabei, einem intimen Familiendrama mit den Stars Isabelle Huppert, Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant. 22 Filme aus 15 Ländern bewerben sich diesmal um den begehrten Filmpreis. Eine Regisseurin ist nicht dabei.

Ein Treffen älterer Männer…

Überhaupt lässt sich feststellen, dass Cannes-Chef Thierry Frémaux in diesem Jahr auf Altbewährtes setzt. Die meisten Regisseure des Wettbewerbs sind älter als 60, viele Stammgäste des Festivals sind dabei. Geht Frémaux also kein Risiko ein, indem er auf Sicherheit setzt?

Das Logo des Internationalen Filmfestivals von Cannes (Foto: Filmfestspiele Cannes)

Wer gewinnt die Palme von Cannes?

Die Frage lässt sich erst in elf Tagen beantworten, wenn der italienische Regisseur und Jurychef Nanni Moretti und seine Mitstreiter die Palmen verleihen. Letztendlich hängt die Qualität der Filme nicht vom Alter der Regisseure ab. Doch ein Treffpunkt für neue Talente ist das französische Festival - im Gegensatz zur Berlinale - nicht!

Frankreich schickt den fast 90jährigen Alain Resnais ins Rennen. "Vous n'avez encore rien vu" erzählt von einer Gruppe Schauspieler, die sich zur Testamentseröffnung eines Dramatikers treffen. Der Film basiert auf einem Theaterstück von Jean Anouilh. Gespannt sein darf man auf den neuen Film des ehemaligen französischen Regiewunderkindes Leos Carax ("Die Liebenden von Pont-Neuf"), der das Leben eines Mannes schildert, der verschiedene Lebensformen durchexerziert - mit dabei in Carax' neuem Film "Holy Motors": die australische Popdiva Kylie Minogue.

Hollywood-Präsenz

Eröffnet wird der Wettbewerb in diesem Jahr vom amerikanischen Regisseur Wes Anderson, der seinen neuen Film "Moonrise Kingdom" vorstellt. Anderson, Spezialist für groteske, hintergründige Blicke auf die US-Gegenwart, präsentiert den Zuschauern eine Pfadfinder-Geschichte, angesiedelt in der 1960er Jahren. Nordamerika ist darüber hinaus mit weiteren Filmen in Cannes präsent, im Wettbewerb, aber auch in einigen Sondervorführungen. Regisseure wie der Kanadier David Cronenberg, Philip Kaufman, Andrew Dominik und Jeff Nichols präsentieren dabei Stars wie Robert Pattinson, Nicole Kidman, Brad Pitt oder Reese Witherspoon.

Szene aus MOONRISE KINGDOM von Wes ANDERSON (Foto: Filmfestspiele Cannes)

"Moonrise Kingdom" von Wes Anderson eröffnet in diesem Jahr die Filmfestspiele

Das europäische Kino glänzt mit den ehemaligen Cannes-Preisträgern Ken Loach (GB), Christian Mungiu (Rumänien), Thomas Vinterberg (Dänemark) und Matteo Garrone (Italien). Auch von den anderen Kontinenten haben die Festivalmacher wieder prominente Regisseure an die Croisette locken können. Lateinamerika wird von Walter Salles (Brasilien) und Carlos Reygadas (Mexiko) vertreten. Der Ägypter Yousry Nasrallah steht für den arabischen Sprachraum, der iranische Filmemacher Abbas Kiarostami für die Filmnation Iran. Stark ist auch wieder die Präsenz Südkoreas im Wettbewerb, sowohl HONG Sangsoo als auch IM Sang-Soo wurden mit neuesten Filmen eingeladen.

Deutsches Kino nur am Rande…

Szene aus MÜLL IM GARTEN EDEN von Fatih AKIN (Foto: Filmfestspiele Cannes)

Globales Müllproblem - "Müll im Garten Eden" von Fatih Akin vertritt Deutschland

Und das deutsche Kino? Auch in diesem Jahr macht es sich rar. Der schwierigen Beziehung zwischen Cannes und dem deutschen Film kann ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden. Woran das liegt, darüber streiten sich die Experten. Deutschland ist mit ein paar Kurzfilmen dabei, diversen finanziellen Beteiligungen an internationalen Co-Produktionen - und mit Fatih Akin. Der wurde immerhin mit seinem Film "Müll im Garten Eden" eingeladen - einer Langzeitdokumentation über ein kleines türkisches Dorf, das sich gegen die Anlage einer gigantischen Mülldeponie wehrt.

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