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Bildung

Ausbildung in Deutschland: Dual hält besser!

Duale Ausbildung heißt das Erfolgsrezept für Handwerk und Industrie made in Germany. Dahinter steckt die Kombination von Theorie in der Schule und Praxis im Betrieb. Ein System, das auch Vorbild für andere Länder ist.

Ein Auszubildender mit Schutzhelm steht vor einer Schultafel (Foto: Bilderbox / Montage: DW)

Egal, ob sie nach neun Jahren von der Hauptschule kommen oder nach zwölf bis 13 Jahren das Abitur gemacht haben: Für eine Berufsausbildung können sich alle Jugendlichen in Deutschland bewerben, die die Schule mit einem Abschluss verlassen haben. Das Besondere daran: Die Jugendlichen kombinieren die Ausbildung in einem Betrieb mit Theoriephasen in der Berufsschule. Deswegen spricht man von der dualen Berufsausbildung. "Deutschland geht da einen besonderen Weg", sagt Markus Eickhoff, Leiter der Abteilung Ausbildungsberatung und Nachwuchssicherung der Handwerkskammer in Köln. "In zwei bis dreieinhalb Jahren Ausbildungsdauer bekommen die Jugendlichen viel Fachwissen mit auf den Weg."

Berufsausbildung mit Tradition

Ein junger Tischler arbeitet an der Werkbank (Foto: Aktion Modernes Handwerk)

Das Tischlerhandwerk verbindet Präzision und Kreativität

Die Berufsausbildung in Deutschland ist einzigartig. Schon im Mittelalter wurde die Ausbildung in "Gilden" und "Zünften" für bestimmte Berufsgruppen geregelt. Seit 1869 gibt es die "Berufsschulpflicht" für Arbeiter unter 18 Jahren. Heute entscheiden sich Schüler in Deutschland mit 15 oder 16 Jahren, ob sie mit einer Berufsausbildung beginnen möchten. Sie verlassen dann die allgemeinbildenden Schulen, um Tischler, Koch, Krankenschwester oder Bankkauffrau zu werden.

Zwischen 350 Berufen können die Jugendlichen wählen. Für sie hat diese Form der Berufsausbildung enorme Vorteile: Sie können einen Beruf im Handwerk oder im Handel in aller Ruhe kennenlernen. Und auch die Unternehmen profitieren: "Die Auszubildenden bekommen das Wissen vermittelt, das in den Betrieben gefragt ist", sagt Markus Eickhoff. "Unmittelbar nach der Ausbildung können sie dann als Fachkraft eingesetzt werden." Und Fachkräfte braucht Deutschland dringender denn je.

Die Anforderungen sind gestiegen

Zurzeit machen in Deutschland etwa 1,6 Millionen Jugendliche die duale Berufsausbildung. Trotzdem gibt es viele Schulabgänger, die keinen passenden Ausbildungsplatz finden. Das liegt unter anderem daran, dass die erforderlichen Qualifikationen in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen sind. So muss sich ein Kraftfahrzeug-Mechaniker heute auch mit Elektronik befassen und deshalb gute Mathematikkenntnisse in die Ausbildung mitbringen. Wenn sie die Wahl haben, nehmen viele Unternehmer deshalb am liebsten Abiturienten, also Abgänger mit einer Hochschulzugangsberechtigung. Im vergangenen Jahr blieben rund 84.000 Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag.

Der Schulabschluss ist entscheidend

Zeugnis-Noten (Foto: GaToR-GFX - Fotolia.com)

Hauptsache Abschlusszeugnis!

"Das Problem ist, überhaupt einen passenden Ausbildungsplatz zu finden", sagt Sirikit Krone, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen arbeitet, das unter anderem den Übergang von der Schule in das Berufsleben bei Jugendlichen erforscht. Viele Jugendliche verfügten über keinen Schulabschluss. Für sie sei es sehr schwer, in die duale Berufsausbildung zu kommen: "Das Eintrittsticket ist der Schulabschluss, und deshalb muss es auch die Möglichkeit geben, diesen nachzumachen."

Besonders häufig finden Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund nicht sofort einen Ausbildungsplatz. Sie schneiden oft schon in der Schule schlechter ab als ihre deutschen Mitschüler und müssen noch zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen durchlaufen. Diese Qualifizierungsmaßnahmen werden immer häufiger von Arbeitsagenturen und auch von den Betrieben selbst angeboten, denn es gibt zurzeit mehr Firmen, die freie Ausbildungsplätze haben, als Jugendliche, die einen Platz suchen.

Im Prinzip steht die Berufsausbildung allen Jugendlichen offen, auch Bewerbern aus dem Ausland. Die Betriebe erwarten eine Bewerbungsmappe und laden die Jugendlichen zu Vorstellungsgesprächen ein. Manche setzen auch ein Praktikum voraus. "Da kann man sich dann schon kennenlernen, und der Arbeitgeber kann sehen, ob der- oder diejenige ins Team passt", sagt Ausbildungsberater Markus Eickhoff.

Duales System made in Germany

Sirikit Krone, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen (Foto: Sirikit Krone)

Sirikit Krone

Die duale Ausbildung gibt es nur in Deutschland und in etwas abgewandelter Form noch in Österreich und der Schweiz. Zwar versuchen andere Länder immer wieder, das Modell zu exportieren, doch nicht immer funktioniert das reibungslos. In Frankreich zum Beispiel landen im Moment nur die schwächsten Schüler in einer solchen Berufsausbildung. "Da gibt es durchaus Bestrebungen, die handwerkliche Ausbildung aufzuwerten und sie für Jugendlichen mit höheren Schulabschlüssen attraktiv zu machen", meint Sirikit Krone. In vielen Ländern werde aber eine Berufsausbildung gegenüber einem Studium immer noch als minderwertig angesehen.

In Deutschland dagegen gilt die duale Ausbildung weiterhin als Erfolgsmodell. Und sie wird auch immer weiterentwickelt. Abiturienten haben zum Beispiel die Möglichkeit, eine Berufsausbildung mit einem Studium zu kombinieren. Für viele Betriebe sind diese Auszubildenden sehr attraktiv, denn sie kennen die Produktionsabläufe in den Betrieben – werden aber oft für Management-Tätigkeiten ausgebildet. "Sie können auf der kommunikativen Ebene mit den Meistern und mit den Menschen in der Produktion reden", betont Sirikit Krone die Vorteile. "Außerdem haben sie auch für die Führungsetage die nötigen sozialen Qualifikationen." Von diesem "dualen Studium" profitieren Auszubildende und Unternehmensleitung also gleichermaßen.

Autorin: Britta Mersch
Redaktion: Gaby Reucher

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