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Politik

Ausbeutung in Karat - die illegalen Diamanten von Sierra Leone

In Sierra Leone werden mit dem Diamantenschmuggel Millionen verdient - während die Bevölkerung im Elend lebt. Ein internationales Abkommen hat daran wenig geändert.

Eine Hand voll Roh-Diamanten

Eine Hand voll Roh-Diamanten

"Blood Diamond" - das ist der Titel der neuen Hollywood-Produktion mit Leonardo Di Caprio, die Anfang 2007 in deutschen Kinos läuft. Di Caprio spielt einen afrikanischen Söldner, mitten im Bürgerkriegszerstörten Sierra Leone der 1990er Jahre. Als Schmuggler erlebt er den Kampf um so genannte Blutdiamanten, die, illegal geschürft, die Waffeneinkäufe der Rebellen ermöglichen. Nach UN-Schätzungen ein Geschäft, das in Sierra Leone jährlich bis zu 125 Millionen Dollar einbrachte.

Leichtes Geschäft

Drei Diamanten-Sucher der Corbert-Mine sieben Schlamm an einem Fluss

Diamanten-Sucher der Corbert-Mine

Zwar ist der elfjährige blutige Bürgerkrieg zwischen den Rebellen der Revolutionären Einheitsfront und der sierra-leonischen Armee, der tatsächlich durch den Diamantenschmuggel finanziert wurde, seit 2002 beendet. Für Abu Breima, den Vorsitzenden der lokalen Menschenrechtsgruppe "Network of Justice and Development", hat sich dadurch am florierenden Diamantenschmuggel aber nichts geändert. "Es gibt immer noch keine Anstrengungen, die Löcher an der Grenze zwischen Liberia und Guinea zu schließen, durch die der Schmuggel stattfindet", sagt er. "Auf den Flughäfen oder am Zoll gibt es keine Vorkehrungen, um Diamantenschmuggler zu erwischen."

Das Geschäft mit den Rohdiamanten bestimmt das wirtschaftliche Leben. Über 90 Prozent aller aus dem westafrikanischen Land exportierten Güter sind aus dem Stoff, aus dem weltweit die Träume sind. Abu Breima schätzt, dass heute rund 50 Prozent aller in Sierra Leone geschürften Rohdiamanten illegal gehandelt werden. Das legale Geschäft beläuft sich auf etwa 140 Millionen Dollar pro Jahr. Nicht verwunderlich, dass gerade hier die Bevölkerung vom natürlichen Reichtum des Landes wenig verspürt.

2004 rutschte das westafrikanische Land auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen auf den letzten Platz ab. Von 1000 geborenen Kindern sterben 300, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen. Würden die Einnahmen aus dem Diamantengeschäft auch nur in Bruchteilen die Bevölkerung Sierra Leones tatsächlich erreichen, dürfte es so etwas nicht geben, sagt Breima, und fordert vehement einen fairen Diamantenabbau.

Unzureichende Abkommen

Mitgearbeitet hat er anfangs auch an einem internationalen Abkommen gegen Diamantenschmuggel, Kimberley-Abkommen genannt. Im Januar 2003 von 70 Staaten, Exporteuren wie Importeuren, unterzeichnet, begann mit dem Abkommen ein freiwilliges Zertifizierungs-System für Rohdiamanten. Diamantenhändler weltweit sind aufgefordert, nur zertifizierte Steine zu schleifen.

Für Breima ist dies dennoch eine große Enttäuschung. "Der Kimberly-Prozess berücksichtigt nicht den Abbau der Diamanten", erklärt er. "Doch genau hier entsteht den Gemeinden Schaden. Hier kommt es oft zu unnötigen Verhaftungen und Belästigungen. Den Gemeinden wird ihr Land weggenommen, dann wird das Land zerstört."

Schlecht behandelt

Auch das Entgegenkommen der Diamantenindustrie, beim Einkauf von Edelsteinen dem Kunden eine freiwillige Unbedenklichkeits-Garantie zu geben, ist für Breima Augenwischerei. Denn es gebe keinen Beleg dafür, dass auch nur eine einzige Gemeinde davon profitiert habe. "Sicher ist aber, dass viele Gemeinden von den Minenfirmen schlecht behandelt werden. Der Kimberly Prozess hat daran nichts geändert."

Spürbare Lebensverbesserungen bringen dagegen Initiativen, wie sie in Sierra Leone selbst in jüngster Zeit entstanden sind, sagt Breima. Nachbarschaftsverbände für jene, die wegen des Ausbaus der Minen von ihrem Land vertrieben wurden. Hilfsgruppen für die in Minen arbeitenden Kinder. Und Aufklärungskampagnen in Schulen über die Gefahren des illegalen Diamantenhandels.

Breima setzt darauf, dass es - wie im Hollywood-Streifen "Blood Diamond" - möglicherweise ein gutes Ende nimmt mit Sierra Leone. Zweifel bleiben jedoch: "Sierra Leone wird vielleicht nie die Ziele erreichen, von denen ich träume. Im Moment gibt es in der Politik zu wenig gleichberechtigte Teilnahme."

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