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Bildung

Aus Porto Alegre nach Köln

Wissenschaftler müssen mobil sein und ins Ausland gehen. Doch was, wenn sie sich entscheiden, auf Dauer im Ausland zu bleiben? NRW begegnet diesem Trend mit einem Rückkehrerprogramm für den akademischen Nachwuchs.

Der Chemiker Martin H.G. Prechtl (Foto: Martin H.G. Prechtl)

Martin H.G. Prechtl

Es brodelt und zischt, als das Kältebad aus Trockeneis mit der Isopropanollösung reagiert. Akribisch notiert Martin Prechtl seine Forschungsergebnisse. "Synthetische Chemie ist wie Legotechnik. Man baut kleine Teile zu einem Ganzen zusammen", sagt er mit der Begeisterung eines Vollblutchemikers. Mit seinem Forschungsteam will Prechtl Wasserstoffspeichersysteme entwickeln, die als saubere Energieträger der Zukunft fungieren könnten.

Der Mittdreißiger ist einer der Rückkehrer, die dem Ruf des Landes Nordrhein-Westfalen gefolgt sind. Seit 2007 buhlt das Wissenschaftsministerium Nordrhein-Westfalen darum, hochqualifizierte Akademiker für die Arbeit an deutschen Universitäten zu gewinnen.

Stadtansicht Porto Alegre (Foto: AP)

In Porto Alegre hat Prechtl geforscht, bevor er sich für seine Rückkehr nach Deutschland entschied

Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe

Prechtl hat sich in seinem Bereich einen Namen gemacht hat. Er hat in Wuppertal, Mülheim und São Paulo studiert, in Aachen promoviert und ist dann mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung in der Tasche an die südbrasilianische Universität in Porto Alegre gegangen. Als er sich erneut verändern wollte, bewarb er sich unter anderem um ein Rückkehrerstipendium – und wurde genommen. Das Land NRW stellt den Rückkehrern für einen Zeitraum von fünf Jahren ein Budget von insgesamt bis zu 1,25 Millionen Euro zur Verfügung. Geld, mit dem die Rückkehrer an einer NRW-Hochschule ihrer Wahl eine selbstständige Nachwuchsgruppe aufbauen sollen.

Buhlen um den Spitzenforscher

Wer wie Prechtl beim Rückkehrerprogramm genommen werden möchte, muss eine abgeschlossene Promotion vorweisen und eine mindestens zweijährige Forschungsarbeit im Ausland. Einmal angenommen, sah Martin Prechtl sich in der angenehmen Lage, dass nicht er bei den Universitäten um einen Job bitten musste, sondern diese ihn anschrieben, ob er nicht bei ihnen arbeiten wolle. "Es ist natürlich für die Uni ein Prestige und sicherlich auch finanziell interessant, wenn jemand einen Batzen Geld mitbringt", sagt Martin Prechtl lächelnd. "Da sagt natürlich jede Hochschulleitung, den nehmen wir, den müssen wir nicht bezahlen."

Die Universität zu Köln (Foto: dpa)

Die Universität zu Köln

Dass Martin Prechtls Wahl auf die Universität Köln fiel, hat mehrere Gründe. Zum einen fand auch seine Frau einen passenden Job in der Rheinmetropole, zum anderen köderte die Kölner Uni den Wissenschaftler mit einem verlockenden Umfeld. Labor und Büro wurden eigens für ihn renoviert, während Kollegen gerade mal den Farbeimer gestellt bekamen, erinnert sich Prechtl. Noch wichtiger war ihm allerdings, dass die Kölner ihm halfen, schnell qualifizierte studentische Mitarbeiter und Doktoranden zu bekommen.

Forschungsprojekt zum Nulltarif

Seit November 2010 forscht Prechtl nun mithilfe des Rückkehrerprogramms wieder in Deutschland. Damit gehört er zum jüngsten Jahrgang der NRW-Rückkehrer. Das Geld des Ministeriums muss er selbst verwalten. 1,2 Millionen Euro klingen erst mal nach einer Menge Geld. Aber der Wissenschaftler muss damit Geräte, Chemikalien, seine Doktoranden und auch seine eigene Forschungsstelle finanzieren. In einem kostenintensiven Forschungsfeld wie der Chemie bleibe da nicht viel übrig, sagt Prechtl. lachend "Wenn ich das runterrechne, muss ich mit circa 30 Euro am Tag auskommen."

Der Rückkehrer bringt aber nicht nur bares Geld für seine Forschung mit an die Uni Köln. "Mit Martin Prechtl bekommen wir auch wichtige Kontakte zum Ausland", sagt Sanjay Mathur, Prechtls Fachbereichsleiter im Department Chemie. Das sei wichtig für die Sichtbarkeit des Forschungsstandortes. "Dank Martin Prechtl etablieren wir hier ein neues Forschungsprojekt quasi auf Nullkosten."

Keine Garantie für eine Stelle auf Lebenszeit

Mittlerweile hat Martin Prechtl sich längst wieder in Deutschland eingelebt, auch wenn er seine Zeit im Ausland nicht missen möchte. Dem guten Essen in Brasilien trauert Prechtl nach. Dafür kann er jetzt in Köln unbesorgt einen Mondscheinspaziergang machen – in Brasilien wegen der hohen Kriminalität nahezu undenkbar. Ob er allerdings auf Dauer in Deutschland Wurzeln schlagen wird, weiß er noch nicht. Denn das Rückkehrerprogramm bietet keine Garantie für eine Lebenszeitstelle. "Das wäre schön, aber das kann so ein Ministerium ja nicht garantieren", bedauert er. Da muss sich das Land NRW also noch etwas einfallen lassen, um den Spitzenforscher dauerhaft im Land zu halten.


Autorin: Suzanne Cords
Redaktion: Svenja Üing

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