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Sport

Aus Liebe zum Sport: Leben im Sportinternat

Wenn Jugendliche den Spagat zwischen Schule und Leistungssport kaum schaffen oder ein Verein anruft, der Hunderte Kilometer entfernt vom Elternhaus ist, bietet ein Sportinternat wie in Köln die Lösung.

"Ich muss sagen, ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Aber man gewöhnt sich daran", erzählt Max Lukes. "Hier im Haus sind sehr nette Leute, mit denen man gut zurechtkommt." Max kommt von weit her, aus Kaufbeuren im Allgäu. Der Umzug nach Köln war für den 17-Jährigen schon eine gewaltige Umstellung. Doch aus Liebe für seinen Sport wagte er es. Max spielt seit seinem vierten Lebensjahr leidenschaftlich gern und erfolgreich Eishockey. Als sein Vater, der selbst Eishockey-Nationalspieler war, vom Sportinternat in Köln hörte, waren beide schnell begeistert. Fördermöglichkeiten wie bei den Kölner Haien gab es so in der bayerischen Heimat nicht. Die Kölner haben zum Beispiel zwei Eisflächen und damit mehr Trainingsmöglichkeiten. "Wir können auch sehr viel selbstständig machen, das haben wir früher nicht gehabt. Wenn man so eine Chance hat, muss man die nutzen, hat mein Vater gesagt."

So wie Max denken viele Jugendliche. Viele verspüren den Wunsch, noch mehr in ihren Sport zu investieren, viele Eltern sehen das aber skeptisch. Max geht in Köln auf ein Berufskolleg, später will er "in Richtung Verwaltung oder so" – das habe er mit seiner Mutter ausgemacht. Bis er seine Ausbildung abgeschlossen hat, wohnt Max zusammen mit noch 37 anderen jungen Leistungssportlern zwischen 14 und 19 Jahren im Sportinternat Köln.

Einklang von Bildung und Sport

Max Lukes, Eishockey-Nachwuchsspieler (Kölner Haie); Copyright: privat

Max Lukes wechselte zu den Kölner Haien und kam so ins Sportinternat Köln

"Für uns ist es wichtig, dass wir dem Leistungssportler helfen, seine Herausforderungen zu meistern. Das heißt, dass wir die Schule, den Sport und das private Leben gut unter einen Hut bekommen", erklärt Michael Niedrig, der neue Geschäftsführer des Sportinternats in Köln. Er selbst war Profifußballer und weiß, welche Probleme es bei der Vereinbarkeit von Schule, Ausbildung und Leistungssport geben kann. Das Sportinternat arbeitet deshalb nicht nur mit den Vereinen der Umgebung und dem Olympiastützpunkt zusammen, sondern auch mit sportbetonten Schulen, erklärt der pädagogische Leiter Oliver Heitmann: "Da sind vier Schulen mit dabei: zwei Gymnasien, eine Realschule und ein Berufskolleg. Wir haben immer die Möglichkeit, unsere Sportler dort zu platzieren und haben damit ein relativ breites Spektrum an Schulformen abgedeckt." Die Schulen erteilen den Leistungssportlern Freistellungen für Trainingseinheiten oder Wettkämpfe. Hingehen ist natürlich Pflicht, betont Heitmann. "Grundsätzlich sollte auch jeder versuchen, morgens pünktlich aufzustehen. Wir wollen die Sportler zur Selbstständigkeit erziehen, weil es der erste Schritt von zu Hause weg ist."

Vier festangestellte Pädagogen und einige freie Mitarbeiter, die nachts oder am Wochenende da sind, kümmern sich rund um die Uhr um ihre Schützlinge. Diese müssen sowohl sportlich als auch schulisch bestimmte Leistungen erfüllen, damit sie für einen Platz im Internat infrage kommen. 40 Zimmer stehen insgesamt in Köln für die Mädchen und Jungen bereit. Die meisten, die dort wohnen, sind Fußballer, erklärt Geschäftsführer Niedrig. "Wir arbeiten eng mit dem 1. FC Köln zusammen. Darüber hinaus auch mit den Kölner Haien, das heißt, Eishockeyspieler sind ebenfalls zahlreich hier." Zudem sind viele Olympischen Sportarten vertreten, die über den Olympiastützpunkt organisiert sind: Boxen, Hockey, Judo, Kunstturnen und Tennis.

"Wäsche waschen mit Mama war Luxus"

Weil alle Sportler unterschiedliche Trainingszeiten haben, ist das Internat an diesem Nachmittag fast leer. Am Abend zuvor waren aber viele im gemeinsamen Aufenthaltsraum zum Fußball gucken, erzählt Leon Wilhelmsen. Der 16-Jährige Gymnasiast kommt aus Bremen und wohnt seit Februar im Sportinternat. Er hat auch schon einige Erkenntnisse gesammelt: "Wäsche waschen und Essen kochen mit Mama war schon echt Luxus. Das merkt man erst dann, wenn man weg ist", grinst er und räumt dann sogar ein: "Als ich die ersten Tage hier in Köln war und von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte, hatte meine Mutter mir aufgeschrieben, welche Wäsche wie gewaschen wird. Aber jetzt kann ich alles auswendig. Der Zettel ist schon im Mülleimer."

Leon Wilhelmsen, Nachwuchs-Hockeyspieler; Copyright: privat

Leon Wilhelmsen wurde von Rot-Weiß Köln umworben und entschloss sich , von zu Hause auszuziehen

Aus dem vertrauten Umfeld heraus Hunderte Kilometer weit weg von der Heimat haben Leon und Max in Köln ein neues Zuhause gefunden. Das familiäre Zusammenwohnen mit vielen gleichgesinnten Jugendlichen hilft gegen das Heimweh. Außerdem verstehen die anderen Sportler, dass Training und Wettkämpfe oft Vorrang haben vor Diskobesuchen, Kino oder Geburtstagsfesten. Disziplin, Ehrgeiz und Fleiß sind für die jungen Leistungssportler selbstverständlich, sagt Leon. "Man plant den Tag extrem durch, weil die Eltern nicht mehr da sind, das ist schon eine extreme Umstellung. Freizeit haben wir leider nicht so viel. Das ist schade, aber in den Ferien hat man dann ja auch frei und genießt es umso mehr."

Schulische Leistungen müssen auch stimmen

Im Gegensatz zu den vielen Fußballern im Internat, die von einer Profikarriere träumen, ist Leon bewusst, dass er später vom Hockeyspielen wohl nicht leben können wird. "Einen Beruf zu erlernen ist für mich sehr wichtig. Ich gehe mit Sicherheit an die Universität, ich denke in Richtung Wirtschaft." Seine Motivation für den Sport zieht er auch aus den Bildern von den Olympischen Spielen, als einige seiner jetzigen Teamkollegen von Rot-Weiß Köln die Goldmedaille geholt haben. Es unter die Besten der Besten zu schaffen, ist sein Ziel.

"Grundsätzlich ist es so, dass alle Sportler das Ziel vereint, irgendwann mal erfolgreich zu sein", sagt Geschäftsführer Niedrig. "Sie sind auch alle relativ ehrgeizig und wissen dann auch in den richtigen Momenten, wann sie was hinten anzustellen haben." Doch selbstverständlich gebe es wie bei allen Jugendlichen Differenzen und Probleme, die meisten hielten sich aber in Grenzen. Doch obwohl das Internat in Köln erst vor knapp einem Jahr offiziell eröffnet hat und damit noch recht jung ist, mussten es bereits zwei Sportler vorzeitig verlassen. Dies geschah in Absprache mit Eltern, Schulen und Trainern. Denn wenn schulische Leistungen oder das Verhalten der Jugendlichen nicht mehr stimmen, muss im Ernstfall diese Konsequenz gezogen werden.

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