Aus für Halogenspots: LED als Ersatz | Wissen & Umwelt | DW | 29.08.2016
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Wissen & Umwelt

Aus für Halogenspots: LED als Ersatz

Für den Klimaschutz soll Energie effizienter genutzt werden. Deshalb werden in der EU ab September auch Halogenspots aus den Verkaufsregalen verschwinden. LED-Strahler dienen als Ersatz und sparen Geld und Energie.

Früher war der Lampenkauf noch einfach, die Wattzahl gab Kunden die Orientierung für die Helligkeit.Wer heute wissen will, wie stark eine Lampe leuchtet, muss sich stattdessen an eine ganz neue Angabe gewöhnen: Das Lumen. Diese Einheit gibt die Lichtmenge an.

Während eine klassische Glühlampe mit 40 Watt etwa 430 Lumen Licht erzeugt und eine Halogenglühlampe dafür noch 32 Watt braucht, so benötigt eine moderne Lampe mit Leuchtdioden (LED) für die gleiche Lichtmenge heute nur noch vier Watt. Gegenüber der alten Lichttechnik brauchen LED nur noch ein Zehntel der Energie.

Auch gegenüber den kompakten Leuchtstoffröhren, den sogenannten Energiesparlampen, die in den letzten Jahren noch häufig verkauft wurden, sind moderne LED-Lampen klar im Vorteil und verdrängen sie auch zunehmend aus dem Markt. LEDs verbrauchen im Vergleich nur noch die Hälfte der Energie, erzeugen zudem ein viel besseres Licht und enthalten kein giftiges Quecksilber.

LED Glühbirnen mit Verkaufsverpackung und Kassenzettel. (Foto: DW/ G. Rueter)

Moderne LED Lampen im Design alter Glühbirnen - die sogenannten Retrofitlampen sind derzeit besonders beliebt

Aus für Energiefresser

Die EU will den Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent senken. Elektrogeräte und Lampen müssen deshalb immer sparsamer werden und besonders ineffiziente Artikel dürfen deshalb nicht mehr in den Handel.

Besonders die klassischen Glühlampen verschwanden durch die Richtlinie bereits seit 2009 Schritt für Schritt aus den Verkaufsregalen. Ab September 2016 gilt auch für die sogenannten Hochvolt-Halogenstrahler in allen EU-Ländern das Aus. Für Halogenstrahler mit 12 Volt und andere Halogenlampen gilt noch bis September 2018 eine Gnadenfrist. Dann sollen auch diese Lampen aus den Regalen verschwinden und nur noch alte Restbestände dürfen verkauft werden.

Nach Prognosen des Bundesumweltamtes (UBA) wird durch die Maßnahme der Stromverbrauch für Beleuchtung in der EU bis 2020 um rund 15 Prozent im Vergleich zu 2007 gesenkt. Dies entspricht einem Einspareffekt von zehn großen Kohlekraftwerken mit je 800 MW.

Der LED-Markt boomt

Die Lichtbranche erlebt durch die Halbleitertechnik einen gewaltigen Umbruch, der LED-Markt boomt weltweit. Beim Lichtkonzern Philips stieg der Verkauf von LEDs allein im letzten Quartal um 25 Prozent. "Über 50 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir derzeit mit LED und die Branche geht davon aus, dass im Jahr 2020 weltweit rund 75 Prozent aller verkauften Leuchtmittel mit LED-Technik bestückt sind", erklärt Bernd Glaser, Pressesprecher von Philips gegenüber der DW.

In Deutschlands Verbrauchermärkten ist nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) inzwischen jede dritte verkaufte Lampe eine LED. Vor drei Jahren lag der Anteil noch unter 10 Prozent.

Ein wichtiger Faktor für den Durchbruch sind vor allem auch die purzelnden Lampenpreise. In den vergangen Jahren sanken sie um rund 30 Prozent pro Jahr. Heute kostet eine LED im Vergleich zu den ineffizienten Halogenlampen zwar noch etwas mehr, da sie zugleich aber viel länger halten, gleichen sich die Mehrkosten in der Bilanz aus.

Viel Geld sparen Käufer vor allem aber im Gebrauch. Der Ersatz von nur einer hellen Halogenglühbirne (1300 Lumen) durch LED spart bei drei Stunden Nutzung pro Tag Stromkosten von rund 20 Euro in Deutschland pro Jahr. Im europäischen Durchschnitt liegt die Ersparnis bei rund 15 Euro pro Jahr.

LED Glühbirne (Foto: DW/ G. Rueter)

Leuchtfäden mit LED in den Retrofitlampen erzeugen ein Licht wie in Glühbirnen

Klima und Verbraucher profitieren von EU-Richtlinie

Die europäischen Richtlinien zur Steigerung der Energieeffizienz sehen Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Umweltverbänden sehr positiv. "Sie hat dazu beigetragen, dass es neue Entwicklungen gab in Richtung energiesparender Technologien und diese beschleunigt worden sind", sagt Branchenexperte Jürgen Waldorf, Geschäftsführer vom Fachverband licht.de gegenüber der DW.

Produktexpertin Ditlinde Quack vom Öko-Institut in Freiburg stimmt zu und bewertet die sogenannte Ökodesign-Richtlinie insgesamt als einen Erfolg, um neben Lampen auch Elektrogeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Staubsauger in der Effizienz und Umweltverträglichkeit zu verbessern. Die Zusammenarbeit in der EU zwischen Verbraucherverbänden, Industrie, Umweltexperten und Politik funktioniere "im großen und ganzen gut".

Nach einer Studie im Auftrag der EU sind die Effizienzrichtlinien für Klimaschutz, Verbraucher und Industrie ein wichtiges Instrument. Die Wissenschaftler rechneten aus, dass durch die eingeleiteten Maßnahmen im Jahr 2020 in der gesamten EU rund neun Prozent weniger Energie im Vergleich zu 2010 verbraucht wird und sieben Prozent weniger Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Allein im Strombereich ist die Einsparung immens: Die Stromproduktion von rund 200 großen Kohlekraftwerken mit je 800 MW wird so eingespart.

Zugleich gibt es nach den Prognosen auch erhebliche Vorteile für Verbraucher und Industrie: Im Jahr 2020 werden demnach Europas Bürger durch die Effizienzsteigerungen um rund 111 Milliarden Euro entlastet, jeder Haushalt spart so im Durchschnitt fast 500 Euro im Jahr ein.

Zugleich profitieren auch Industrie, Handwerk und Handel in der EU: Ihre Mehreinnahmen lägen im Jahr 2020 bei rund 55 Milliarden Euro.

Straße in der Stadt mit LED-Beleuchtung (Foto: Philips)

Immer mehr Städte stellen ihre Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen um und reduzieren so die Ausgaben

Bundesregierung sieht weiteren Handlungsbedarf

Trotz des Erfolgs der Effizienzrichtlinie bleibt in vielen EU-Ländern noch erheblicher Handlungsbedarf, um die gesetzte Energieeinsparung von 20 Prozent bis 2020 zu erreichen. Auch Deutschland hängt nach eigenen Berechnungen stark hinterher und schafft ohne zusätzliche Maßnahmen die EU-Vorgaben nicht.

Mit dem Aktionsplan Energieeffizienz will die Bundesregierung hier Abhilfe schaffen. "Es gilt darüber nachzudenken, welche zusätzlichen Schritte wir unternehmen müssen, um den Energieverbrauch bis 2050 zu halbieren", schreibt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in einem Diskussionspapier zur Energieeffizienz. In einem breit angelegten Dialogprozess sollen Politik, Wirtschaft, Handel und Umweltorganisationen in den kommenden Monaten weitere Maßnahmen erarbeiten.

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