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Kultur

Aus für das Bonner Festspielhaus

Spektakulär sollte der neue Konzertsaal der Stadt werden und direkt am Rheinufer liegen. Doch jetzt ist noch vor dem ersten Spatenstich das Projekt aufgegeben worden.

Beethovenhalle in Bonn

Bonner Beethovenhalle

Ein Festspielhaus, entworfen von einem international renommierten Stararchitekten, in dem sich die Stars der Musikszene die Klinke in die Hand geben und das zu einem weltweit beachteten Musikzentrum aufsteigt - davon dürfte sicherlich so mancher Generalmusikdirektor in Deutschland träumen. Als vor mehreren Jahren die Idee aufkam, dem Bonner Beethovenfest ein solches Festspielhaus zu schenken, war auch der neue Orchesterchef der Bundesstadt, Stefan Blunier, begeistert von dem Projekt. Wie er sprachen viele Befürworter von einer großen Chance für die Attraktivität Bonns und einem "kulturellen Leuchtturm".

Krach um das alte Haus

Entwurf für das neue Festspielhaus Zaha Hadid in Form eines Diamanten © Zaha Hadid Architects / London, Deutsche Post AG,

Zaha Hadids "Diamant"

Doch allein schon der Standort erhitzte schnell die Gemüter, denn das neue Festspielhaus sollte die sanierungsbedürftige aber denkmalgeschützte Bonner Beethovenhalle ersetzen. Gegen den Abriss des 50 Jahre alten stadtbildprägenden Baus formierte sich bald heftiger Widerstand. Finanziell betrachtet schien das neue Haus bereits in trockenen Tüchern: Die deutsche Telekom, Post und Postbank waren bereit, mit rund 75 Millionen Euro den gesamten Bau zu finanzieren. Der Bund hatte 39 Millionen Euro für die Betreiberstiftung zugesagt. Und zwei prämierte Entwürfe gab es auch: den "Diamanten" von der Londoner Architektin Zaha Hadid und die "Wellen" des Luxemburger Büros Hermann & Valentiny.

Skepsis blieb

Die «Wellen» von Hermann & Valentiny (Luxemburg) als neues Bonner Festspielhaus Foto: dpa

Die "Wellen" von Hermann & Valentiny

Um dem Vorhaben mehr Nachdruck zu verleihen und verstärkt unter den Bonner Bürgern dafür zu werben, wurde ein Festspielhaus-Verein unter dem Vorsitz der Ex-Post-Managerin Monika Wulf-Mathies gegründet. Doch alle Überzeugungsarbeit half nichts. Zudem ließen ständige Fragen zur Finanzierung und neue Berechnungen wieder Zweifel aufkommen. Im Herbst 2009 wollte der neue Bonner Bürgermeister Jürgen Nimptsch eine Bürgerbefragung zum Festspielprojekt und damit die Entscheidung dafür vertagen. Als nun noch bekannt wurde, dass durch Finanzbetrügereien ein riesiges Loch im Haushaltsetat entstanden ist, haben die Stadt und die drei Sponsoren entschieden, das Projekt vorerst nicht weiter zu verfolgen. Zunächst soll ein neues Kultur-Gesamtkonzept für Bonn entwickelt werden. Vielleicht wird das Projekt zu Beethovens 250.Geburtstag 2020 wieder hervorgeholt; zu diesem Termin sollte das neue Festspielhaus eigentlich fertiggestellt sein.

Autor: Klaus Gehrke (dpa)
Redaktion: Petra Lambeck

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