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"Islamischer Staat"

Aus Deutschland ziehen nur noch Wenige zum IS

In Syrien und im Irak verliert der IS an Boden - und in Deutschland offenbar an Sogwirkung: Es reisen kaum noch Islamisten in die Kampfgebiete des IS, heißt es in einer Studie von Polizei und Verfassungsschutz.

Ausreisen von Unterstützern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aus Deutschland in die Kampfgebiete im Irak und Syrien seien "nahezu zum Erliegen gekommen", heißt es in einer gemeinsamen Studie von Verfassungsschutz und Polizei, aus der NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" zitieren. Die Studie soll Ende November bei der Innenministerkonferenz im Saarland vorgelegt werden.

Die Behörden beschäftigten sich darin mit der Radikalisierung von 784 Menschen, die in den vergangenen viereinhalb Jahren nach Syrien oder in den Irak reisten. Bei rund einem Viertel der aufgeklärten Fälle gibt es demnach einen Zusammenhang mit organisierten Koran-Verteilungen. Am Dienstag hatte das Bundesinnenministerium die Organisation "Die wahre Religion" verboten, die für solche Aktionen bekannt war.

Weniger als fünf Ausreisen pro Monat

Als der IS Mitte 2014 in den von ihm eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein Kalifat ausrief, habe dies Islamisten weltweit "in bisher nicht dagewesenem Maß emotionalisiert und mobilisiert", heißt es nun in dem Bericht. Allein aus Deutschland reisten demnach zu Spitzenzeiten pro Monat fast hundert Menschen in die Region. Zwischen Juli 2015 und Juni 2016 seien es dann nur noch "durchschnittlich weniger als fünf Ausreisen pro Monat" gewesen.

Das Kalifat entfalte "kaum mehr eine Sogwirkung", schrieben die Experten. Als mögliche Gründe nannten sie den wachsenden militärischen Druck auf den IS in der Region sowie die von "Gewalt und Brutalität gekennzeichneten Lebensbedingungen" im Kalifat. Außerdem hätten verstärkte Ausreisekontrollen und der Entzug von Pässen zu dem Rückgang beigetragen.

Anschläge in den Heimatländern

Zum anderen rufe der IS seine Anhänger aber auch dazu auf, "nicht mehr in das Kalifat auszureisen, sondern in ihren Heimatländern Anschläge zu begehen", heißt es in dem Bericht, aus dem "SZ", NDR und WDR zitierten. Insgesamt habe sich die Sicherheitslage für Deutschland verschärft. Es bestehe eine Bedrohung durch die Rückkehrer und "eine schwer einzuschätzende Zahl von hiergebliebenen radikalisierten" Menschen.

Der IS wird derzeit in seinen Hochburgen in Syrien und im Irak massiv militärisch bekämpft. So laufen in der de-facto-Hauptstadt des Kalifats im syrischen Rakka sowie in der irakischen Metropole Mossul Großoffensiven, die von internationaler Seite unterstützt werden.  

cr/hk (afp, dpa)