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Wirtschaft

Aus der Traum

Unter dem Motto "I have a dream" wollte Quam den Mobilfunkmarkt aufmischen. Der Traum ist zum Albtraum geworden, dem nun das böse Erwachen folgt.

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Die Wunschtarife von Quam werden Mitte November eingestellt.

Der jüngste Mobilfunkanbieter auf dem deutschen Markt, Quam, will Medienberichten zu Folge sein Mobilfunknetz Mitte November abschalten. Offiziell wird dies vom Unternehmen dementiert. T-Mobile hingegen hat gegenüber DW-WORLD bestätigt, dass Verhandlungen mit Quam über die Übernahme der Kunden laufen.

Ein ehrgeiziger Traum

Quam war ausgezogen, um die Wechselkunden des Mobilfunkmarktes zu bedienen. Ein großes Potenzial sollte Ende 2002 freiwerden, wenn Kunden ihre alte Handynummer auch bei einem Wechsel des Netzbetreibers behalten können und somit eher ihrem alten Provider den Rücken kehren würden.

Mit prunkvoll eingerichteten Quam-Shops, die teilweise einer Kunstgalerie ähnelten, sollte nicht einfach nur verkauft werden. Dem Kunden wurde die Marke als Lebensgefühl vermittelt, kostenlosen Cappuccino inklusive.

Missglückter Start

Das Unternehmen stolperte von Anfang an unglücklich in den Markt. Gleich nach dem Start gab es Zank mit den Anbietern T-Mobile und Vodafone wegen verzögerter Netzzusammenschaltung. Aus Protest gegen die Verzögerungen stellte Quam den aktiven Verkauf seiner Produkte über mehrere Wochen ein – mitten im lukrativen Weihnachtsgeschäft.

Bald kamen Zweifel an der Strategie des Unternehmenschefs Ernst Folgmann auf, der schließlich Anfang Juli zurücktrat – aus persönlichen Gründen, wie es offiziell hieß. Nur wenige Wochen später wurden die Investitionen für den Aufbau des neuen schnellen UMTS-Netzes (Universal Mobile Telecommunications System) auf Eis gelegt. Ende Juli wurden dann keine Neukunden mehr für das Mobilfunkgeschäft aufgenommen.

Pleitegeier kreist über UMTS

Quams Muttergesellschaften, die spanische Telefonica und Sonera aus Finnland, haben sich kräftig verspekuliert: Neukunden entschieden sich nur zögernd für die komplexen Quam-Tarife; die Lizenzgebühren von 8,4 Milliarden Euro belasten die Bilanzen. Der Aufbau der UMTS-Netze benötigt milliardenschwere Investitionen, und sollte UMTS endlich laufen, müssten für jeden Kunden teure UMTS-Handys mit geschätzen 500 Euro subventioniert werden, um überhaupt Kunden für den neuen Service anzulocken. Technische Probleme mit UMTS haben schon lange die Hoffnung der Unternehmen schwinden lassen, die Investitionen in absehbarer Zeit wieder hereinzubekommen.

Rettung für Mobilcom naht

Wer die Mobilfunkbranche in den letzten Monaten beobachtete, hätte eher vermutet, dass Mobilcom als erstes Unternehmen in die Knie geht. Mobilcom betreibt kein eigenes Mobilfunknetz, sondern kauft Netzkapazitäten anderer Betreiber ein, um sie an seine Kunden weiterzuverkaufen. Mit der UMTS-Lizenz hätte das Unternehmen endlich sein eigenes Netz aufbauen können.

France Telecom, Großaktionär bei Mobilcom und selbst hoch verschuldet, bekam angesichts der ehrgeizigen Pläne, die 11,3 Milliarden Euro kosten sollten, kalte Füße. Der Streit, ob France Telecom verpflichtet war, sich an den Investititonen zu beteiligen, zog sich seit Februar hin. Das französische Unternehmen drohte mehrmals seinen Rückzug an, was die Insolvenz von Mobilcom bedeutet hätte. Denn einen immer wieder verlängerten Kredit über 4,7 Milliarden Euro (der Kaufpreis der UMTS-Lizenz) hätte Mobilcom nie aus eigener Tasche bezahlen können. Momentan besteht das Unternehmen nur auf Grund einer staatlichen Hilfe von 50 Millionen Euro.

Nun will sich die France Telecom bei Mobilcom zurückziehen und ihre Anteile an die kreditgebenden Banken verkaufen, um den Kredit zu begleichen. Damit wäre das Unternehmen aus Büdelsdorf vorerst gerettet.

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