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Alltagsdeutsch – Podcast

Aus den Augen, aus dem Sinn!?

Man sagt, die Augen seien der Spiegel zur Seele – egal ob man Mandelaugen oder blaue Augen hat. Die Redewendungen und Ausdrücke rund um das Auge sind vielzählig und können auch negativ sein.

Ein Auge

Ein Blick sagt manchmal mehr als tausend Worte!

Lied

Sprecherin:

Bei Auge fällt zunächst der Zweck dieses Sinnesorgans ein, das Sehen. Es wird auch als Werkzeug des Sehens bezeichnet. Das Wort Auge stammt aus dem Griechischen und bedeutet Glanz. Ob grün, blau oder braun, die Augen glänzen alle. Es gibt natürlich unterschiedliche Vorlieben, wie meine kleine Umfrage zeigt.

Befragte Personen:

"Augen, so blau wie tiefe Bergseen." / "Blau-grün find ich am schönsten." /

"Blaue Augen, Morgenstern, küssen alle Frauen gern." / "...lügen und betrügen gern." / "Blue eyes, baby’s got blue eyes." / "Grüne Augen sind besonders schön." / "Mandelaugen, die sind einfach schön." / "Braun und leicht geschlitzt, sollen Männer sehr drauf abfahren, habe ich mir sagen lassen." / "... können sehr reizvoll sein. Braun, groß, rund."

Sprecher:

Mandelaugen, da sollen Männer d‘rauf abfahren, sagt man umgangssprachlich. Wenn man auf etwas abfährt, so hat das nichts mit Fortbewegung zu tun. Diese Formel drückt aus, dass etwas ganz besonders gefällt. Zum Beispiel derjenige, der ein bestimmtes Auto sehr schön oder toll findet, der fährt dann darauf ab . Die Befragten schwärmten unter anderem von blauen Augen. Die so genannte Blauäugigkeit ist hingegen ein weniger positives Attribut.

Befragte Personen:

"Blauäugigkeit - meistens kein sehr gutes Zeichen." / "Blauäugig, jemand ist naiv."

Sprecher:

Wenn jemand als blauäugig bezeichnet wird, ist gemeint, dass er leichtgläubig ist. Er kann dadurch in unglückliche Situationen geraten. Und wenn er dann noch einmal mit einem blauen Auge davonkommt, bedeutet das:

Befragte Personen:

"Dass man was angestellt hat, was schlimmere Konsequenzen hätte haben können." / "Dann hat man grad noch mal Glück gehabt. Dann hat man vielleicht ein blaues Auge gekriegt, aber nicht zwei, und auch nicht die Nase gebrochen." / "Ist nicht mehr passiert als ein blaues Auge. Blaues Auge heilt, kein Bein gebrochen, alles dran."

Sprecher:

Alles dran, sagte der Mann. Es kam also niemand zu Schaden. Zum Glück. Denn, das hätte ja auch ins Auge gehen können. Das bedeutet wiederum:

Befragte Personen:

"Bewusst oder unbewusst ist man ein hohes Risiko eingegangen, ist allerdings noch einmal glimpflich davongekommen, mit ein oder zwei blauen Augen." / "Da hat man aber Glück gehabt, weil, Augen sind empfindlich." / "Man hat was gemacht, was hätte schief gehen können, aber es ist gerade noch mal gut gegangen."

Sprecher:

Wenn etwas schief geht, dann nimmt etwas ein schlimmes Ende, geht nicht so gut aus wie das berühmte Happy End in Spielfilmen. Aber die gehen ja auch nicht immer so gut aus, wie es zunächst scheint.

Sprecherin:

Beispielsweise in dem Evergreen "Casablanca" von Michael Curtiz. Da sagt Humphrey Bogart zu Ingrid Bergman "Schau mir in die Augen, Kleines". Es wird aber nichts aus der Romanze. Wenn die Mutter zu ihrem Kind sagt: "Schau mich an", dann will sie allerdings keinen Wunsch ablesen, sondern an den Kinderaugen überprüfen, ob das Kind wirklich keinen Unsinn gemacht hat.

Befragte Personen:

"Wenn man einem in die Augen guckt, sieht man, ob er lügt. Spiegel der Seele. Man kann an den Augen ja auch erkennen, ob er traurig ist oder glücklich ist." / "Man weiß, was der andere denkt, dann kann man es ihm von den Augen ablesen." / "Bedeuten tut es, dass man, ohne dass der andere den Wunsch äußert, den Wunsch erfüllt. Dann liest man von den Augen ab."

Sprecherin:

Die Metapher das Auge ist Spiegel der Seele geht auf den griechischen Philosophen Aristoteles zurück. Er dachte, eine aktive Seite des Auges lasse die Bilder der Welt zur Seele strömen und eine passive zeige dann die Gefühle der Person. Der Glaube, man könne jemandem daher etwas an den Augen ablesen, etwas von seinem Inneren sehen, existiert bis heute.

Befragte Personen:

"Wenn mir einer nicht in die Augen gucken kann, dann hat er hinter meinem Rücken etwas Schlechtes über mich gesagt und schämt sich jetzt." / "Ich würde sagen, dass derjenige ein bisschen schüchtern ist, scheu einfach, menschenscheu." / "Dann ist er entweder feige oder fühlt sich minderwertig."

Sprecherin:

Man kann jemandem aber auch schöne Augen machen. Wie, das wollte ich genauer wissen. Bert Krumeich, Arzt für Augenheilkunde aus Bochum:

Bert Krumeich: .

"Schöne Augen kann man machen durch einen Wimpernschlag, durch Äußerlichkeiten wie Wimperntusche oder Kajalstifte. Wenn einer einem schöne Augen macht, ist es oft so, dass er vielleicht etwas damit verfolgt, emotional oder anders gearteten Inhalts. Dass er was damit bezweckt, etwas erreichen will."

Sprecher:

Indem man schöne Augen macht, verfolgt man also einen bestimmten Zweck. Es kann eine ehrliche Absicht dahinter stehen. Es gibt aber auch Menschen, die darauf setzen, dass man etwas um ihrer schönen Augen willen für sie tut.

Befragte Personen:

"Dann macht man das nicht, weil man eigentlich einen Grund hat, sondern eben, weil man diese Person ganz gerne mag, eben um ihrer oder seiner schönen Augen willen." / "Sich auf Dinge einlassen, die man eigentlich nie machen würde, aber trotzdem machen muss, weil die Augen so schön sind, von der jungen Dame, die einen da anschaut."

Sprecherin:

Sich auf Dinge einlassen bedeutet, jemand tut etwas, was er normalerweise nicht tut. Er lässt sich überreden. In diesem Fall von schönen Augen. Möglicherweise hat derjenige dann nur noch Augen für diese Person. Was es bedeutet, wenn man den Gegenstand seines Interesses dann hütet wie den eigenen Augapfel, konnten mir die Befragten ebenfalls sagen:

Befragte Personen:

"Man passt ja auch auf seine Augen, sein Augenlicht auf. Da lässt man nicht so schnell jemanden ran." "Mein Augapfel ist das Teuerste und Wichtigste, was ich hab, das hüte ich so …"

Bert Krumeich:

"… wie die Henne auf dem Ei sitzt."

Sprecher:

Wie die Henne auf dem Ei, sagte der Augenarzt. Das ist ein Vergleich. Eine Henne passt eben ganz besonders gut auf ihre Eier auf. Sie sitzt unentwegt darauf und lässt niemand daran. Wenn jemandem etwas besonders wichtig oder wertvoll ist, dann passt er mit sogenannten Argusaugen darauf auf.

Sprecherin:

Argus ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie. Sein ganzer Körper ist mit Augen bedeckt, die er abwechselnd wach hält. Deshalb bemerkt er alles. Argusaugen sind:

Befragte Personen:

"Scharfe Augen, gut sehen, scharf wahrnehmen, kritisch sein." / "Sehr scharfe Augen, man beobachtet alles sehr genau." / "Da ist jemand ganz wachsam, und der bekommt alles mit."

Sprecherin:

Von bestimmten Tieren sagt man, dass sie scharfe Augen haben.

Befragte Personen:

"Der Adler, von dem behauptet man jedenfalls, dass er sehr scharf sieht und gut aus großer Entfernung Sachen erkennen kann." / "Adleraugen." / "Augen wie ein Luchs, das bedeutet, dass jemand sehr scharfsinnig und intelligent ist und vielleicht auch gefährlich." / "Katze, weil die sehr intensiv gucken kann." / "Vögel, die hoch fliegen."

Sprecher:

Wenn jemand sagt: Sie haben Augen wie ein Luchs oder Adler, will er sagen, dass Sie sehr gut sehen können. Ja, stimmt dieser Vergleich mit den Tieraugen überhaupt?

Sprecherin:

Ich wollte genau wissen, welches von den erwähnten Tieren wirklich gute Augen hat und besuchte daher Herrn Professor Klaus Peter Hoffmann, Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie der Ruhr-Universität Bochum:

Professor Klauf Peter Hoffmann:

"Adleraugen sind eben die, die so gut sind, wie wir nur durch ein Fernglas gucken können. Augen wie ein Luchs heißt nicht, dass man wie ein Adler scharf gucken kann, sondern dass man auch in der Dämmerung noch gut sehen kann. Das Katzenauge ist, wie das Luchsauge, besonders helligkeitsempfindlich. Und sie haben noch mal einen Reflektor im Auge. Wenn eine Katze nachts angeleuchtet wird, dann strahlen diese Augen ja zurück. Deswegen nennen wir auch am Fahrrad oder am Auto diese Rückstrahler Katzenaugen."

Sprecher:

Professor Hoffmann beantwortete unserer Reporterin auch die nicht ganz ernst gemeinte Frage, was ein Hühnerauge ist:

Professor Klauf Peter Hoffmann:

"Es ist eine Infektion der Haut, die sich zu einer Hornhautbildung aufwölbt und wie ein Hühnerauge aussieht. Das Hühnerauge sitzt oft auf den Zehen, leider, und ist dort ganz besonders schmerzlich."

Sprecher:

Wenn ein Gärtner Augen herauschneidet, sollte man nicht erschrecken, erklärt Professor Stützel:

Professor Stützel:

"Im Garten sind Augen dann Ruheknospen, die sich an Pflanzen irgendwo befinden und die nach einer Ruhezeit Neuaustrieb ermöglichen, dass man wieder neue Pflanzen bekommt. Gleichzeitig sind es auch immer Teile, die man vorsichtig mit dem Messer rausschneiden kann, irgendwo anders draufsetzen kann und auf diese Weise bestimmte Sorten vermehren kann, die man über Samen nicht vermehren kann. Dieser Vorgang heißt dann okulieren."

Sprecherin:

Es gibt noch weitere Augen, die im übertragenen Sinne benutzt werden.

Befragte Personen:

"Stielaugen macht man, wenn man ganz interessiert an einer Sache ist und da unentwegt hingucken muss." / "Die macht man, wenn man etwas sehr Faszinierendes sieht, von dem man sich nicht losreißen kann." / "Glubschaugen sind so leicht vorstehende Augen, das sieht dann so ein bisschen aus wie bei einem Frosch." / "Glubschaugen können sehr schön sein, groß und rund."

Sprecherin:

Manchmal sind die Augen sogar größer als der Magen.

Frau:

"Jo, das kenne ich nur zu gut. Man meint, die Menge, die man vor sich hat, die kann man essen, aber der Magen, der schafft das einfach gar nicht, das bedeutet, wenn die Augen größer sind als der Magen."

Sprecher:

Natürlich werden die Augen dabei nicht wirklich größer. Mit dieser Redewendung drückt man aus, dass das Essen so köstlich aussieht, dass man glaubt, mehr essen zu können als man tatsächlich schafft. Augen können auch andere Formen haben, so Bert Krumeich:

Bert Krumeich:

"Viereckige Augen kriegt man, wenn man ewig lange Fernsehen geguckt hat."

Sprecherin:

Auch in diesem Fall werden die Augen nicht tatsächlich viereckig. Da der Fernseher viereckig ist, wurde seine viereckige Form sinnbildlich auf die Augen übertragen, um auszudrücken, dass Fernsehen auf Dauer die Augen anstrengt. Was es wiederum bedeutet, mit offenen Augen zu schlafen, kommentierte ein junger Mann folgendermaßen:

Mann:

"Tüddelig, also nicht so richtig bei der Sache."

Sprecher:

Tüddelig ist ein umgangssprachliches Wort für dem Umstand, dass jemand geistig verwirrt ist oder aber mit seinen Gedanken nicht bei dem ist, was er gerade tut, nicht so richtig bei der Sache ist. Und was ist, wenn man Tomaten vor oder auf den Augen hat?

Befragte Personen:

"Dann sieht man nicht besonders viel, dann ist man irgendwie ein bisschen beschränkt oder steht auf der Leitung eben." / "Ja, er sieht nicht das, was so direkt vor ihm ist, sozusagen den Wald vor lauter Bäumen nicht."

Sprecher:

Gemeint ist nicht, dass man tatsächlich blind ist, sondern, dass man gerade nicht das Entscheidende wahrnimmt, weil man aus irgendeinem Grund abgelenkt ist. Wenn man beispielsweise auf einer Wasserleitung oder einem Wasserschlauch steht, ist zwar Wasser da, es fließt aber gerade nicht, weil man eben auf der Leitung steht. Dieses Bild drückt aus, dass die Gedanken nicht fließen, dass man eine geistige Blockade hat.

Sprecherin:

Wenn man es dann plötzlich doch sieht oder versteht, kann man sagen:

Befragte Personen:

"Es fällt mir wie Schuppen aus den Augen. Plötzlich wird mir einiges klar, so ist das gemeint." / "Man hat‘s endlich gerafft, der Groschen fällt sozusagen."

Sprecher:

Etwas raffen steht in der Umgangssprache für etwas verstehen.

Sprecherin:

Manchmal verhilft einem jemand zu dieser plötzlichen Erkenntnis. Er öffnet einem sozusagen die Augen. Das Gegenteil wäre Augenwischerei.

Befragte Personen:

"Wenn man versucht, irgendwas zu verdecken, unter den Teppich zu kehren und es irgendwie schön redet vor allem auch." / "Etwas verschleiern, Sand in die Augen streuen." / "Wenn man versucht, bestimmte Dinge zu vertuschen."

Sprecher:

Augenwischerei bedeutet, jemandem einen Sachverhalt so darzustellen, dass er weniger schlimm oder unangenehm erscheint. Er redet ihn schön. Schlimmstenfalls will er damit etwas unter den Teppich kehren, das heißt verstecken, verschweigen oder seinen Zuhörern Saaand in die Augen streuen. Er möchte demnach verhindern, dass sie die volle Wahrheit erkennen. Da kann man nur empfehlen:

Befragte Personen:

"Holzauge sei wachsam... hat meine Oma immer gesagt, man soll einfach aufpassen." / "Vorsicht, Falle." / "Jemand soll aufpassen, obwohl er eigentlich dazu gar nicht mehr im Stande ist." / "Der Spruch Holzauge sei wachsam ist ein Paradoxon. Das geht halt nicht, weil ein Holzauge nichts sieht. Und man verwendet das wahrscheinlich, wenn man irgendwas beobachten will oder wachsam sein will, obwohl man genau weiß, man kann’s nicht."

Sprecher:

Der Widerspruch besteht darin, dass man zwar wachsam sein sollte, dass man aber annimmt, das Befürchtete werde trotzdem eintreten. Für diesen Fall hatte eine Dame folgenden Rat parat:

Frau:

"Ne Sache, die man eigentlich als unangenehm empfindet und man sie trotzdem machen muss, dann sagt man oft: Komm, Augen zu und durch."

Sprecher:

Augen zu und durch sagt ein Angestellter zum Beispiel auch dann, wenn er wegen eines Versäumnisses zu seinem Chef gerufen wird. Der Angestellte wird sicher versuchen, das, was er vergessen hat, möglichst schnell nachzuholen.

Fragen zum Text:

Wer jemandem schöne Augen macht, …

1. verfolgt ein bestimmtes Ziel.

2. schminkt jemandem die Augen.

3. trägt farbige Kontaktlinsen.

Was bedeutet der Ausdruck blauäugig?

1. gleichgültig

2. skeptisch

3. leichtgläubig

Was bedeutet der Ausdruck Augenwischerei?

1. Sich so die Augen reiben, dass sie ganz gerötet sind.

2. Einen Sachverhalt so darstellen, dass er nicht mehr schlimm erscheint.

3. Sich vom Arzt behandeln lassen, damit die Augen befeuchtet werden.

Arbeitsauftrag: Augen zu und durch, mit offenen Augen schlafen, jemandem Sand in die Augen streuen – erklären Sie diese und zwei weitere Redewendungen aus dem Text.



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