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Sprachbar

Aus dem Stand heraus

Da hat jemand seinen Einstand gegeben, ein anderer bringt einen um den Verstand oder Probleme sind entstanden: Aus dem Stand heraus kommen sie einem plötzlich in den Sinn – die Wörter, in denen "Stand" auftaucht.

Sie begegnen uns täglich: Wörter, die wir benutzen, ohne groß darüber nachzudenken. Sie sind einfach so normal, so gängig. Eines davon ist der Stand. Das Wort verfolgt uns auf Schritt und Tritt: da ist vom Stand der Technik oder vom Wirtschaftsstandort die Rede. Da beharrt jemand auf seinem Standpunkt oder man wird um den Verstand gebracht.

Etwas Grammatik

Für die an Grammatik Interessierten hier eine Erklärung der Wortherkunft: Stand ist ein Verbalsubstantiv, das heißt, es ist aus einer Verbform von stehen entstanden. Seit dem 14. Jahrhundert ist es in dieser Form im Deutschen bekannt.

Wörtlich bedeutete es so viel wie das Gegenteil von Schritt oder Sprung. Es beschreibt den Zustand von Bewegungslosigkeit oder auch Stillstand. Als Stammwort taucht es inzwischen in den verschiedensten Zusammensetzungen und Bedeutungen auf. Wir nehmen Abstand davon, sie alle aufzuzählen.

Lebensrettender Stand und Ehestand

Ein Auto ist auf ein anderes hinten aufgefahren.

Hätte man bloß etwas mehr Abstand gehalten!

Da geht es schon los: Abstand. Der ist, vor allem im Straßenverkehr, unter Umständen von lebensrettender Bedeutung. In welchem Zustand sich Autos befinden, deren Fahrerinnen und Fahrer sich nicht an eine gewisse Entfernung voneinander gehalten haben, müssen wir nicht weiter ausmalen.

Im privaten Bereich führt die allmähliche Verringerung rein zwischenmenschlicher Abstände unter Umständen zum Ehestand. In diesen tritt man – hoffentlich im Zustand des größten Glücks – auf dem Standesamt. Je nachdem hat man dann sogar einen Beistand, wenn nämlich Familie und Freunde dabei sind. Und wer auf dem Standpunkt steht, eine standesamtliche Trauung allein genüge nicht, der lässt sich auch noch kirchlich trauen. Danach geht es, wenn er nicht schon vorhanden ist, an die Gründung des gemeinsamen Hausstandes. Dieser wurde – zumindest früher – durch die Aussteuer der Braut erleichtert.

Hausstand und Standesdünkel

Zum Standard dieser Grundausstattung gehörten Tisch- und Bettwäsche, Geschirr und kleinere Haushaltsgegenstände, eventuell sogar ein Kleiderständer. Heutzutage zeigt sich der Wohlstand von Brauteltern nicht mehr unbedingt in teuren Kaffeeservicen und Damasttüchern. Und was standesgemäß ist, dafür gibt es längst keine festen Regeln mehr. Standesdünkel – wer mit wem sich nicht verheiraten darf – gibt es nicht mehr. Das war früher anders.

Zu Zeiten, als die einzelnen Stände noch streng voneinander getrennte gesellschaftliche Gruppen waren, gab es für jeden eine entsprechende standesgemäße Ordnung. Für den Adel, die Geistlichkeit, den Bauernstand und das Bürgertum. Muss erwähnt werden, dass die Bauern in diesem Gefüge aus vier Ständen den etwas schwereren Stand hatten. Und damit jemand in den Adelsstand erhoben wurde, dafür musste er schon Einiges leisten. Heutzutage schaffen das aber schon Popsänger und Schauspieler wie Elton John und Sean Connery.

Martin Luthers Stände

Eine Bäuerin sitzt inmitten einer Schafherde und strickt.

Sie durfte früher nur standesgemäß heiraten.

Wir schweifen ab. Zurück zur Vergangenheit: Martin Luther hat das Volk in drei Schichten unterteilt gesehen. Für ihn gab es den Lehrstand, den Nährstand und den Wehrstand. Für den letzteren – also das Militär im Allgemeinen und Besonderen – galten schon immer besonders strenge Regeln. Wer Widerstand gegen sie leistete, wurde hart bestraft.

Das berühmt-berüchtigte Standgericht oder Standrecht heißt deshalb so, weil die Aburteilung eines Angeklagten tatsächlich im Stehen erfolgte. Es ging so schnell, dass man sich erst gar nicht setzen musste. Manche wurden und werden gar nach einem Todesurteil standrechtlich erschossen.

Standorte und Standarten

Auch der Standort ist ursprünglich ein rein militärischer Ausdruck. Schon im 12. Jahrhundert bezeichnete estandart den Sammelplatz der Soldaten. Aus dem altfranzösischen Wort entwickelte sich auch die Standarte – die Fahne, um die sich das Heer scharte. Die kleine Ausgabe, der Stander, wurde als Signal- und Kommandozeichen verwendet.

Weniger militärisch kommt die Standarte in modernen Zeiten daher. Sie weht an schwarzen Limousinen und Staatskarossen, mal links, mal rechts, mal an beiden Seiten der Kotflügel. Und diese Limousinen müssen ja in einem guten Zustand gehalten werden – von wegen der Sicherheit der Staatsgäste und so …

Ausgedient und im Ruhestand

Halten sie dem prüfenden Auge der Sicherheitsleute nicht mehr stand, dann müssten sie eigentlich in den Ruhestand geschickt werden – in den für ausgediente Limousinen wohlgemerkt. Ob ihre Fahrer die für ihren Ruhestand erforderliche Altersgrenze bereits erreicht haben, lassen wir einmal dahingestellt.

Ein Jagd-Hochstand im Licht eines Sonnenuntergangs.

Romantik auf einem Hochstand!

Sind sie jedoch von ihren Kollegen in den Ruhestand verabschiedet worden und haben keine Standpauke gehört, weil sie sich nicht unkollegial verhalten haben, dann heißt das für viele nicht, sich auszuruhen. Nein, sie reisen, genießen auf einem Hochstand im Wald den Anblick von Rehen, schaukeln ihre Enkelkinder. Manche spielen vielleicht den Anstandswauwau für ihre Enkeltochter. Ruheständler sind meist im so genannten Unruhestand. Und wenn ihr Gesundheitszustand es zulässt, dann können sie lange in diesem Unruhezustand verweilen.

Ein Ständchen zum Schluss

Unser Bestand an Ständen geht jetzt aber zur Neige. Nicht unerwähnt lassen wollen wir noch die Standheizung, die Autofahrer im Winter anschalten, möglicherweise sogar, wenn sie wegen einer Panne auf dem Standstreifen den Abschleppdienst erwarten. Um sich die Zeit zu vertreiben, können sie den Stand der Sterne am Abendhimmel beobachten. Und dabei im Radio die passende Musik hören.

Fragen zum Text

Aus dem Stand bedeutet: …

1. sofort.

2. später.

3. gleich.

Jemand nimmt … von etwas.

1. Zustand

2. Beistand

3. Abstand

Wenn jemand Standesdünkel hat, dann …

1. achtet jemand die Gesetze.

2. achtet jemand auf die gesellschaftliche Zugehörigkeit eines anderen.

3. achtet jemand auf die Kleidung.


Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, sie säßen im Wald auf einem Hochstand. Beschreiben Sie in einer kleinen Geschichte, was dort passieren könnte. Verwenden Sie möglichst viele Redewendungen aus dieser Sprachbar.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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