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Aus dem Leben einer Leseratte

Lesen ist viel mehr als das Aneinanderreihen von Buchstaben. Man kann vorlesen, nachlesen, ablesen, durchlesen, querlesen, auslesen, verlesen oder sogar Gedanken lesen. Zur Not hilft auch die Lesebrille.

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Aus dem Leben einer Leseratte

Man könnte meinen, „lesen“ ist einfach ein unregelmäßiges deutsches Verb. Aber das ist es nur für den gemeinen „Lesemuffel“. Als „Leseratte“ sieht man viel mehr darin: ein Hobby oder sogar eine Leidenschaft. Die Wortherkunft liegt im Althochdeutschen, wo es noch soviel bedeutete wie „sammeln“ oder „zusammentragen“. Die Wurzeln des Wortes finden sich immer noch im heutigen „auflesen“ oder der „Lese“ – wie der „Weinlese“.

Wer ist hier die Leseratte?

Drei Kinder lesen heimlich im Bett mit Taschenlampe (Picutre-alliance/JOKER)

Psst! Nicht, dass Mama uns entdeckt!

Als Grundschulkind verdammt man das Lesen, denn man muss viel üben, um es zu beherrschen. Außerdem schwant einem, dass die Zeit, in der Mama oder Papa die Geschichte zum Einschlafen vorgelesenhaben, vorbei ist. Und so ist es auch: Plötzlich dreht sich der Spieß um – und man muss selbst lesen.

Oft entscheidet sich dann schon im Kindesalter, ob man zum Bücherwurm wird oder nicht. Ein Bücherwurm ist ganz vernarrt in Bücher und flüchtet sich damit in seine Phantasiewelten. Da kann es schon einmal vorkommen, dass er ein Buch am Stück durchliest. Auch seine Eltern haben es schwer, denn sie müssen ihm die Taschenlampe unter der Bettdecke wegnehmen, damit er überhaupt einschläft und sich nicht „in sein Buch vergräbt“. Und da nützt es auch nicht, dass die Taschenlampe wieder angemacht wird. Denn in Kindern kann man oft „lesen wie in einem offenen Buch“. Sie können schlecht lügen.

Die schwierigen Fälle

Ein großer haufen Buchstabennudeln, die in der Mitte zum Alphabet aufgereiht sind. (Fotolia)

Wer nicht lesen kann, sieht oft nur Buchstabensuppe

Die Fraktion der Lesemuffel jedoch kann man mit Büchern jagen. Für sie ist Lesen Anstrengung und sie machen es nur, wenn sie gezwungen werden. Lesen als Hobby ist für sie vollkommen undenkbar und die alljährliche Schullektüre im Deutschunterricht bedeutet eine Höllenqual. Da muss der Lehrer ihnen manchmal schon „die Leviten lesen“.

Ein anderer Fall jedoch ist es, wenn das Lesen durch eine Sauklaue erschwert wird und man als Leser denkt: „Das kann doch kein Schwein lesen!“ Schreibt jemand derart unleserlich, kann es passieren, dass das Geschriebene auf immer „ein Buch mit sieben Siegeln“ bleibt, da man es einfach nicht versteht. Es sei denn, man kann Gedanken lesen.

Lesen oder nicht lesen, das ist hier die Frage

Bücher Haufen mit Lesebrille (Fotolia/Alexander Kurganov)

Das kleine Helferlein

Wenn man das Wort „lesen“ hört, denkt man an „Bücher lesen“, oder vielleicht auch noch „Zeitung lesen“, aber „lesen“ ist viel mehr. Es ist Teil der Kommunikation und sehr wichtig für den Alltag. Man muss Straßenschilder lesen, um sich an fremden Orten zurechtzufinden, oder seine Post lesen, um wichtige Dinge des täglichen Lebens zu klären. Lesen ist schlicht ein Teil des Alltags, der unbewusst passiert. Wir nehmen Schrift wahr und nehmen ihre Bedeutung auf.

Allerdings gibt es auch Menschen, die nicht lesen können. Sogar in einem Land wie Deutschland, in dem Schulpflicht herrscht, leben Analphabeten. Das bedeutet, dass sie nicht lesen und schreiben können – was ihnen das Leben erschwert. Mancher leidet auch unter einer Lese- und Rechtschreibschwäche, der Legasthenie.

Ich kann dich lesen wie ein offenes Buch

Ein roter Ohrensessel (Fotolia/Himmelssturm)

Mit dem richtigen Lesesessel lässt sich auch der Lesemuffel verführen

Zurück zur Leseratte: Wenn sie die Schulzeit hinter sich gebracht hat und in die erste eigene Wohnung zieht, kann man sie schnell erkennen. An Regalen, die sich biegen unter der Last der Bücher, oder an ganzen Bücherwänden. Der belesene Mensch will die gesammelten Werke im Regal begutachten und eine schmucke, handverlesene Bibliothek ansammeln.

Der Lesesessel bekommt einen besonderen Platz in der Wohnung und bewährte Hilfsmittel werden sorgsam darum drapiert. Wie etwa die Leselampe, die für das richtige Licht sorgt, oder das Lesezeichen, das markiert, auf welcher Seite des Buches man stehengeblieben ist.

Später kommt die Zeit, in der „das Fell ergraut“ und sich das Gefühl breitmacht, dass die Arme immer kürzer werden. Wenn die Buchstaben nicht mehr klar zu entziffern sind, liegt es jedoch nicht an den Armen, sondern viel mehr an der Altersweitsichtigkeit. Da hilft dann nur noch der Gang zum Optiker: eine Lesebrille muss her. Und mit ihrem „erlesenen Geschmack“ wird die Leseratte sicherlich ein schickes Modell finden.

Der Tod des Buches? Todgeweihte leben länger

Ein E-Book neben einem Stapel von Büchern. (Anton Maltsev/fotolia)

Entweder oder!

Seit der Computer Einzug in jedermanns Alltag gefunden hat, hat sich auch unsere Lesekultur verändert, denn wir lesen nun nicht nur vom Papier, sondern vornehmlich vom Bildschirm. Was früher als Brief ins Haus geflattert kam, landet heute als E-Mail im Posteingang.

Man kann sich entscheiden, ob man die Zeitung morgens in gedruckter Form lesen möchte oder doch eher als „E-Paper“ im Internet. Auch Bücher gibt es in digitaler Form – als „E-Book“.

Der Technikliebhaber geht also nicht mehr in die Buchhandlung oder ins Antiquariat, um sich ein Buch zu kaufen und in den Händen zu halten, sondern lädt sich sein E-Book im Internet herunter. Für ihn mag das bequem sein, aber die echte Leseratte ist eher klassisch veranlagt und möchte ein „echtes Buch“ in den Händen halten, umblättern und den Geruch der Seiten einatmen.

Ein Blick in die Zauberkugel

Wie wird denn wohl die Zukunft des Lesens aussehen? Lesen wir alle Bücher nur noch auf unseren E-Books, Laptops und Smartphones? Oder nehmen uns die Geräte die Arbeit komplett ab und lesen uns sogar vor, so dass wir gar kein Hörbuch mehr in den CD-Player einwerfen oder einer Autorenlesung beiwohnen müssen? Sterben die guten alten Schmöker ganz aus? Man muss nicht „aus dem Kaffeesatz lesen“ können, um zu wissen, dass das gebundene Buch nie sterben wird. Nicht solange es wahre Leseratten und Bücherwürmer gibt!

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