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Politik

Aus dem Kalten Krieg entstanden: 60 Jahre Nordkorea

Nordkorea gilt als letzte Bastion des Steinzeitkommunismus. Politisch unberechenbar, nach außen bedrohlich, aber nahezu unbekannt. Vor 60 Jahren, am 9. September 1948, wurde der Staat gegründet.

Soldaten der US-Armee stehen vor dem zugefrorenen Fluss Yalu in der Mandschurei

Korea-Krieg: Soldaten der US-Armee stehen vor dem zugefrorenen Fluss Yalu in der Mandschurei

Die koreanische Halbinsel gegen Ende des Zweiten Weltkriegs: Das Land, seit 1910 eine japanische Kolonie, ist von den Besatzern unterworfen. Rund zwei Millionen japanische Soldaten stehen in der angrenzenden, ebenfalls von Japan besetzten Mandschurei. Mit dem Abwurf der US-amerikanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 ist klar, dass Japan gegenüber den USA kapitulieren wird. Doch bevor es dazu kommt, schafft Stalin in den von Japan besetzten Gebieten Fakten. "In der Nacht, in der der japanische Kaiser kapitulierte, schossen Stalins Truppen in die Mandschurei und schafften es, die Mandschurei in 12 Tagen unter ihre Kontrolle zu bringen", erzählt Jörg Friedruch, Ostasien-Experte und Autor des Buches "Yalu. An den Ufern des Dritten Weltkriegs". "Stalins Truppen drangen auch auf diesen Landzipfel Koreas vor und niemand hätte sie aufhalten können."

Teilung des Landes am 38. Breitengrad

Die US-Truppen waren von der Eroberung der japanischen Inseln ausgezehrt und hatten in Korea keine Verbände. Die USA versuchten deshalb, den russischen Militär-Vormarsch mit einer politischen Lösung einzudämmen. Sie einigten sich mit Stalin darauf, Korea entlang des 38. Breitengrads zu teilen und den Norden unter sowjetische und den Süden unter US-amerikanische Verwaltung zu stellen. Zwar sollte Korea laut Erklärung letztlich wiedervereinigt und unabhängig werden. Wann und wie, darauf hatten die Großmächte zunächst aber keine Antwort.

Ein geflüchteter nordkoreanischer Bauer wird Anfang August 1950 hinter die Kampflinie geführt

Ein geflüchteter nordkoreanischer Bauer wird Anfang August 1950 hinter die Kampflinie geführt

Es war eine Situation wie im geteilten Berlin, sagt Friedrich: "Man hatte die technische Absprache, wir sitzen gemeinsam in der Verantwortung und wir regeln die Wiedervereinigung Deutschlands und Koreas. De facto aber saß man in dem Boot einander spinnefeind gegenüber."

Die Trennungslinie wird zur Systemgrenze

So wurde aus der Demarkationslinie am 38. Breitengrad während der kommenden Jahre eine Systemgrenze - mit einem Süden, der unter US-amerikanischer Militärregierung stand und einem Norden, der kommunistische Strukturen etablierte.

Im Herbst 1947 dann brachten die USA die Koreafrage vor die Vereinten Nationen. Von der UNO erhoffte man sich eine Lösung, die schließlich auch eine Resolution verabschiedete. In Korea sollten freie Wahlen abgehalten und eine Regierung gebildet werden. Anschließend sollten die Besatzungstruppen das Land wieder verlassen.

Kim Il Sung (l) unterzeichnet 1953 in Pjöngjang das Waffenstillstandsabkommen

Kim Il Sung (l) unterzeichnet 1953 in Pjöngjang das Waffenstillstandsabkommen

Doch der Graben zwischen den beiden Blöcken war bereits unüberwindlich. Die Wahlen im Jahr 1948 fanden deswegen nur im Süden statt, woraufhin am 15. August die Republik Korea ausgerufen wurde. Der Norden reagierte prompt: Am 9. September 1948 proklamierte Kim Il-sung die Demokratischen Volksrepublik Nordkorea - unterstützt vom Großen Bruder in Moskau. "Kim Il-sung war ein Offizier der Sowjetarmee gewesen, hatte jahrelang in Sibirien gelebt und eine sowjetische Militär- und Offiziersausbildung genossen", sagt Friedrich. "Das heißt, es waren Stalinsche Stellvertreter, die diesen Staat ausriefen."

Blutiger Korea-Krieg

Doch die Proklamation der beiden Staaten konsolidierte die Macht nicht vollständig. Zwei Jahre später, am 25. Juni 1950, marschierten nordkoreanische Truppen über den 38. Breitengrad hinaus und drangen in den Süden ein. Drei Jahre lang lieferten sich die USA auf der einen Seite und die damalige Sowjetunion und China auf der anderen Seite einen erbitterten Kampf auf koreanischem Boden. Dabei ging es nicht nur um die Macht in Korea. Es war vielmehr ein Krieg zweier Systeme: In dieser Erfahrung schließlich, Schlachtfeld für einen Stellvertreterkrieg zu sein, sieht der Nordkorea-Experte Sebastian Harnisch von der Universität Heidelberg einen wesentlichen Grund dafür, dass Nordkorea bis heute an der Idee festhält, autark und von anderen Ländern unabhängig zu sein. Und dass es sich auch bei seinem Atomprogramm von niemandem reinreden lassen will.

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