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Welt

"Aus dem Desaster einen Erfolg der US-Außenpolitik machen"

Der US-Präsidentschaftskandidat John McCain ist auf Auslandsreise, um seine Weltgewandheit zu unterstreichen. Wofür er außenpolitisch steht, erläutert der USA- und Transatlantik-Experte Eberhard Sandschneider.

McCain (AP Photo/Charles Dharapak)***

Er gilt als erfahrener und knallharter Außen- und Sicherheitspolitiker: John McCain

DW-WORLD.DE: Professor Sandschneider, der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain ist auf Auslandsreise. Am Freitag (21.03.2008) wird er in Paris und London empfangen, zuvor war er bereits in Israel, Jordanien und - ganz überraschend - auch im Irak. Falls McCain der nächste US-Präsident werden sollte, welche Irak-Politik würde er verfolgen?

Eberhard Sandschneider. Foto: Eva Knoll

Prof. Dr. Eberhard Sandschneider ist Otto-Wolff-Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

Eberhard Sandschneider: John McCain ist zwar durchaus kritisch eingestellt zur Irak-Politik von George Bush. Aber im Prinzip hat er diese Irak-Politik auch gestützt. Er vertritt die Aussage, dass man den Krieg im Irak gewinnen kann. Er wird also nicht zu denen gehören, die schnell dort abziehen wollen, sondern ein Präsident sein, der sein mögliches versucht, aus dem sich abzeichnenden Desaster doch noch einen Erfolg der amerikanischen Außenpolitik zu machen.

Der amtierende US-Präsident behandelt den Krisenherd Nahost wie ein ungeliebtes Stiefkind. Welchen Stellenwert könnte diese Region und vor allem der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern bei McCain gewinnen?

Amerikanische Präsidenten entdecken die Nahost-Politik immer recht spät. Das ist jetzt auch bei George Bush so. Sie wissen, dass es in dieser Region in Anbetracht der Schwierigkeiten dort wenig politisches Kapital zu gewinnen gibt. Dass McCain sich dort anders verhalten wird, kann man mit Fug und Recht bezweifeln. Ich denke, dass er zunächst sein Hauptaugenmerk auf die drei sensiblen Bereiche - Afghanistan, Iran und Irak - legen wird.

Welchen Weg würde er in Afghanistan einschlagen? Die NATO kann dort immer noch keinen abschließenden Erfolg vorweisen.

Die Schwierigkeiten in Afghanistan sind offensichtlich. Wie man da erfolgreich herauskommt, weiß niemand so genau. Aber das deutet an, wie komplex die transatlantische Debatte in dieser Frage ist. Wenn man die Sinnfrage an die NATO vor dem Hintergrund des Afghanistan-Einsatzes richtet, zeigt sich, dass längst nicht alles transatlantisch so einfach sein wird - auch bei einem künftigen Präsidenten, der nicht mehr George Bush heißt. Rezepte hat eigentlich niemand, in den USA nicht - auch McCain nicht -, und in Europa nicht. Man versucht derzeit verzweifelt, sich selbst Mut zuzusprechen, um diese Mission so lange fortzusetzen, bis man vielleicht doch noch einen Ausweg findet.

Es steht zu befürchten, dass von den Transatlantikern in Europa, insbesondere von denen in Deutschland, kein Aufatmen zu vernehmen sein wird, wenn McCain gewinnt, oder?

Ich fürchte, das Aufatmen der Transatlantiker würde auch im Fall eines Wahlsiegs eines demokratischen Bewerbers nur kurz dauern. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass unsere amerikanischen Freunde - wie immer die Wahl ausgeht - auf Europa zukommen werden nach dem Motto: Wenn ihr wollt, dass wir uns etwas offener in Fragen von Multilateralismus und Zusammenarbeit verhalten, dann müsst ihr bereit sein, einen Preis dafür zu zahlen. Das führt dazu, dass man in allen Fällen des Ausgangs der amerikanischen Präsidentschaftswahl damit rechnen muss, dass Europa ein Preis serviert wird, auf den man sich hierzulande nicht wirklich freut. Denn die Kosten für das Engagement im transatlantischen Bereich werden dann eindeutig steigen. Das wird bei Herrn McCain so sein, das wird aber im Fall eines demokratischen Wahlsiegs genauso sein.

Warum reist McCain nach Paris und London, aber nicht nach Deutschland? Ein Zeichen an die deutsche Bundeskanzlerin? Lesen Sie die Einschätzung von Eberhardt Sandschneider.

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