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Politik & Gesellschaft

Aus dem Ausland zurück nach Deutschland

Dreieinhalb Jahre hat Familie Schulze im Ausland verbracht. Erst in Istanbul, dann in Johannesburg. Als es dort hieß 'zurück in die Heimat' packte die vierköpfige Familie Umzugkartons, doch die Ankunft war nicht leicht.

Ein Paar sitzt mit Umzugskartons auf dem Kopf, auf denen lächelnde Gesichter gemalt sind, auf einem Holzfußboden (Foto: fotolia/alike)

Holzgeschnitzte afrikanische Masken an den Wänden, zwei rötlich schimmernde fast lebensgroße Baby-Holznilpferde im Flur, auf der Kommode filigrane afrikanische Holzfiguren: In fast jedem Winkel ihres Hauses stehen Erinnerungsstücke aus Südafrika.

Vor einem Jahr hat Familie Schulze Johannesburg den Rücken gekehrt. Der Arbeitgeber von Torsten Schulze, ein internationaler Konsumgüterkonzern, der Windeln produziert, hatte für den Familienvater eine neue Aufgabe – diesmal wieder an einem deutschen Standort. Eigentlich wäre die Familie gerne länger in Südafrika geblieben, alles hatte sich gut eingespielt.

Jetzt hieß es wieder Koffer packen und in Deutschland eine neue Bleibe suchen. Für die Familie ein großer Umbruch. Die Mutter, Sonja Schulze, erinnert sich: "Das Schwierigste waren die drei Monate im Hotel und die Ungewissheit, einen Monat nicht zu wissen, wo wir jetzt hinziehen. Wir haben uns so viele Häuser angeguckt und da hatten wir auch noch den Termin, dass Julia in die Schule kommt. Und wir wollten unter allen Umständen verhindern, dass wir erstmal so eine Übergangslösung haben."

Die Haussuche war eine Quälerei

Torsten und Sonja Schulze schauen sich auf ihrer Terrasse Fotos aus Südafrika an (Foto: DW) (Foto: Anja Fähnle)

In Erinnerungen schwelgen

Es war Hochsommer in Deutschland. Vier Wochen lang schaute sich die Familie im Großraum Euskirchen zwischen Köln und Bonn Häuser an, erzählt die 41-jährige Mutter: "Anders als im Ausland, wo wir sofort ein Kindermädchen hatten, hatten wir das hier nicht. Und für die Kinder war es eine Quälerei, auf Haussuche zu gehen und am Tag acht Häuser anzusehen. Als wir hier ankamen, war es gerade sommerlich heiß, es war schlimm für die Kinder." Die familiären Dinge zu regeln, wie Haus kaufen, Kindergartenplatz organisieren, Schule suchen, das war auch für den 38-jährige Vater im Rückblick das Schwierigste:

"In der Firma sind die Dinge sehr ähnlich, ob man nun am Standort im Ausland tätig ist oder hier in Deutschland. Die Systeme, die Abläufe, das ist alles identisch. Aber im privaten Bereich war die größte Herausforderung", erzählt Torsten Schulze. Schließlich fand die Familie nach einem Monat intensiver Suche eine neue Bleibe. Aber ehe der Umzug über die Bühne gehen konnte, hieß es, weitere zwei Monate im Hotel zu wohnen.

Unsere Wurzeln sind einfach in Deutschland

Sonja Schulze rechnete nach der Rückkehr mit Schwierigkeiten beim Wiedereinleben: Weg vom doch luxuriösen Leben im Ausland hin zum normalen Alltag ohne Haushaltshilfe, Kindermädchen und Gärtner. Aber alles habe sich gut gefügt. "Ich habe dann doch sehr schnell gemerkt, dass meine Wurzeln einfach in Deutschland sind", meint Sonja Schulze schmunzelnd. Ihrem Mann, Torsten Schulze, ist das beim Autofahren bewusst geworden, erzählt er: "In Südafrika fährt man auf der linken Seite, hier auf der rechten Seite. Ich glaube auch, jetzt bräuchte ich in Südafrika ein paar Tage, um mich wieder daran zu gewöhnen, links zu fahren. Und hier kommt man zurück und fährt ab dem ersten Tag wieder völlig normal, weil man einfach die Dinge gewohnt ist. Und so ist das mit allen anderen Sachen auch."

Schließlich zieht die Familie in ihr neues Heim. Ihr Hab und Gut, das in Frankfurt zwischengelagert war, wird in mehreren Umzugswagen nach Euskirchen gebracht. Überall stehen Kartons. Für die Familie ist es sehr schön, die eigenen Sachen wieder auszupacken und um sich zu haben.

Für die Kinder zählt das Hier und Jetzt

Die Geschwister Vincent und Julia sitzen mit Kater Frechdachs auf dem Wohnzimmerteppich (Foto: DW)

Kuscheln mit Kater Frechdachs

Und die Kinder? Wie haben sie den Umzug von Südafrika nach Deutschland verkraftet? Der fünfjährige Vincent hat sich mittlerweile sehr gut hier eingelebt. Für ihn zählt das hier und jetzt. Südafrika? Vincent zuckt mit den Schultern und murmelt: "Keine Ahnung … zu lange her, glaub ich.“ Er weiß zwar noch, dass er dort "porridge" gegessen hat und dass sein Kindermädchen Kristina hieß, aber es interessiert ihn nicht sonderlich. Seine Schwester Julia dagegen hat noch klare Erinnerungen an Südafrika. Sie denkt noch oft an ihre Freunde dort und an die wilden Tiere wie Elefanten, Giraffen und Zebras. Die Siebenjährige weiß aber auch ganz genau, was sie jetzt in Deutschland toll findet: "Dass ich auf der Straße spielen kann."

Um wieder anzukommen in Deutschland braucht die Familie gut ein halbes Jahr. Die Eltern genießen hier vor allem zwei Dinge: Die Nähe zu alten Freunden und zu den Familien – so können die Großeltern jetzt wieder regelmäßig ihre Enkelkinder besuchen. Und vor allen Dingen die persönliche Freiheit: "Sich ins Auto zu setzen und jeder Zeit irgendwo hinfahren zu können, keinerlei Sprachschwierigkeiten zu haben und genau zu wissen, was einen erwartet. Das genieße ich total", sagt Sonja Schulze strahlend.

Ich wollte mich schon früher selbstständig machen

Ob sie bald noch mal ins Ausland gehen will? Sonja Schulze schüttelt den Kopf. Irgendwann vielleicht - aber nicht so schnell, antwortet sie. Die Diplom Volkswirtin kümmert sich im Moment um ihre eigene berufliche Zukunft. Am 1. März hat sie sich selbstständig gemacht:

Sonja Schulze liest ihren Kindern Vincent und Julia eine Geschichte vor (Foto: DW)

Auch die berufliche Zukunft im Blick

Mit einer "Relocation Agentur" - einer Agentur also, die umzugsbegleitende Servicedienstleistungen anbietet. Sonja Schulze ist jetzt für deutsche oder ausländische Mitarbeiter da, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Sie gibt Hilfestellungen zum Beispiel bei der Wohnungssuche, der Anmeldung bei den kommunalen Versorgungswerken und natürlich auch bei der Suche nach Kindergartenplätzen oder Schulen. Schon bei ihrer vorherigen Tätigkeit bei einer Krankenversicherung habe sie Unternehmen betreut, die ihre Mitarbeiter ins Ausland entsandt oder aus dem Ausland nach Deutschland geholt haben. Da habe sie das erste Mal Kontakte mit sogenannten "Expatriates" gemacht, mit Leuten also, die für längere Zeit im Ausland leben und arbeiten.

Außerdem habe sie ja auf diesem Gebiet auch selbst ganz persönliche praktische Erfahrungen gesammelt: "Und da habe ich mir gedacht, aus diesen Dingen baue ich jetzt meine eigene Relocation Agentur auf."

Autorin: Anja Fähnle
Redaktion: Hartmut Lüning