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Ausbildung

"Aus Angst, ich hätte nicht genug gelernt, konnte ich nachts kein Auge zu tun"

Kerstin aus Deutschland wählte eine neue Fremdsprache und erfuhr, dass Französisch nicht nur schön klingt, sondern auch sehr furchteinflößend sein kann.

"Wenn ich an meine Schulzeit denke, fällt mir immer ein ganz besonderer Lehrer ein, der mich sehr geprägt hat.

Ich habe auf dem Gymnasium als zweite Fremdsprache - die erste Fremdsprache war Englisch - Französisch gewählt, weil ich schon immer der Meinung war, dass diese Sprache sehr lebendig und schön klingt.

Ich habe mich darauf gefreut Französisch zu lernen, wusste aber noch nicht, dass sehr harte Zeiten auf mich zukommen werden.

Mein Französisch-Lehrer war nämlich sehr streng und auch ein bisschen furchteinflößend. Er wollte, dass wir die unregelmäßigen Verben und die Vokabeln so gut beherrschen, dass wir sie sogar im Schlaf aufsagen könnten. Ich höre ihn heute noch sagen: „Wenn ich mitten in der Nacht bei euch zuhause anrufe und eure Eltern euch an den Füßen aus dem Bett ziehen, dann müsst ihr Kopf über immer noch die Verben aufsagen können“.

Aus Angst, ich hätte nicht genug gelernt, konnte ich nachts kein Auge zu tun.

Natürlich hat er nie bei irgendeinem Schüler angerufen und hätte es auch niemals wirklich getan, aber trotzdem konnte ich bestimmt ein halbes Jahr lang in den Nächten vor der Französisch-Stunde kein Auge zu tun vor lauter Angst, ich hätte die Vokabeln oder Verben noch nicht gut genug gelernt.

Da wusste ich aber auch noch nicht, dass er es eigentlich nur gut mit uns meint.

Als eben dieser Lehrer später auch meine Theatergruppe leitete, lernte ich ihn persönlich etwas näher kennen. Da verstand ich, dass er nur so streng war, weil ihm viel an uns Schülern lag: Er wollte, dass wir möglichst viel bei ihm lernen.

Die unregelmäßigen Verben beherrsche ich übrigens heute noch, selbst im Schlaf."