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Deutschland

Augenzeuge spricht über Totenkopf-Fotos

Zum Skandal um die Totenkopf-Fotos der Bundeswehr in Afghanistan hat sich erstmals ein beteiligter Soldat in einem Interview geäußert. Er erklärte, es sei wegen des Stresses unter den Soldaten zu dem Vorfall gekommen.

Mann sitzt auf einer Bank und liest die Bild-Zeitung

Die Bild-Zeitung hatte die Skandal-Fotos veröffentlicht

Gegenüber Bild-Online sagte der Soldat, der Totenschädel, mit denen die Soldaten posiert hatten, stamme aus einer Kiesgrube außerhalb der afghanischen Hauptstadt Kabul. Dort hätten die Afghanen Lehm abgegraben, den sie für ihre Ziegel benötigten. "Es war kein Friedhof, keine Kultstätte", sagte der Soldat. Der Patrouillenführer habe angewiesen, dass an der Grube gehalten werde. Es habe keinen Gruppenzwang gegeben. Wenn ein Soldat jedoch nicht mitgemacht habe, sei er auch schon mal als "Weichei" bezeichnet worden, sagte der Beteiligte.

Hohe Anspannung

Der Soldat beschrieb auch, wie die Fotos entstanden seien. "Es wurde dieser eine Schädel genommen. Zuerst hat man ihn hochgehalten und ein Foto gemacht. Dann wurde er aufs Fahrzeug montiert - bis zu dem Punkt, wo der eine sein Glied rausgeholt hat." Zur Erklärung, warum die Soldaten mit dem Schädel posiert hatten, sagte der Befragte Bild-Online zufolge: "Es war sehr angespannt. Wir waren nervös. Es gab mehrmals Unglücke und Anschläge."

Es hätten gegenüber den Afghanen keinerlei Hemmschwellen bestanden, sagte der Soldat weiter. Diese hätten in der Kiesgrube gegraben und "regelmäßig das Zeug umeinandergeworfen", sagte er mit Blick auf Knochen in der Grube. "Da die das nicht als besonders schlimm empfanden, hat sich die Patrouille nichts weiter dabei gedacht." Auch ein anwesender Sprachmittler habe sich nicht für die Aufnahmen interessiert.

"Schlechtes Gewissen"

Die Fotos seien bei den niedrigeren Dienstgraden durchaus bekannt gewesen. Die hätten das teilweise lustig gefunden, sagte der Soldat. Es sei aber seiner Meinung nach definitiv nicht in Ordnung gewesen. Alle hätten ein schlechtes Gewissen gehabt.

Die Bild-Zeitung hatte am Mittwoch (25.10.) Fotos veröffentlicht, auf denen deutsche Angehörige der ISAF-Schutztruppe mit einem Totenschädel in teils obszönen Gesten vor einer Kamera posierten. Die mutmaßliche Totenschändung war bei allen Parteien auf Abscheu gestoßen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kündigte strafrechtliche und disziplinarische Konsequenzen an. Am Donnerstag tauchten auch beim Fernsehsender RTL weitere Aufnahmen auf. Diese sollen vom März 2004 stammen. (chr)

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