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Fußball

Augenthaler: "Bayern-Spieler sind erfolgsgierig"

Der Unterschied zwischen dem neuen Meister FC Bayern und den Konkurrenten in der Bundesliga ist derzeit zu groß, findet Klaus Augenthaler. Der Weltmeister von 1990 äußert sich im DW-Interview.

DW: Herr Augenthaler, Sie haben 17 Jahre lang für die Bayern gespielt, waren auch einmal kurz Interimstrainer der Mannschaft. Kann man die Bayern von damals noch mit denen von heute vergleichen?

Klaus Augenthaler: Ich glaube, man kann diese Mannschaft nicht mehr mit dem FC Bayern vergleichen, mit dem ich groß geworden bin. Damals hatte der Verein dreimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Doch finanziell sah es nicht so rosig aus. Damals musste der Verein Karl-Heinz Rummenigge nach Mailand verkaufen, um die Finanzen auszugleichen. Dass der FC Bayern heute so gut dasteht, hat er sich in den vergangenen etwa 20 Jahren erarbeitet.

Mario Götze nach seinem Treffer gegen den Ex-Klub Dortmund. Foto: Reuters

Mit Götze (2.v.) aufgerüstet

Noch niemals zuvor in der Geschichte der Bundesliga hat sich eine Mannschaft so früh den deutschen Meistertitel geholt wie jetzt der FC Bayern. Worin sehen Sie die Hauptgründe für die Dominanz der Bayern?

Man hat in den letzten zwei oder drei Jahren ein bisschen Federn lassen müssen und mit Neid in den Westen nach Dortmund geschaut. Das wollte der FC Bayern nicht auf sich sitzen lassen. Inzwischen ist er wieder dominant. Der Verein hat Mario Götze geholt und jetzt auch Robert Lewandowski. Es wäre umgekehrt undenkbar gewesen, dass Dortmund einen oder zwei Bayern-Spieler verpflichtet hätte. Der BVB hatte in den vergangenen beiden Jahren doch einen gewissen Aderlass. Das ist das I-Tüpfelchen, das den Unterschied zwischen Bayern und Dortmund ausmacht.

Der Club hat massiv aufgerüstet, als er in seiner eigenen Wahrnehmung ziemlich weit unten war – nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Chelsea und nachdem der BVB zweimal Meister geworden war. Waren diese Schlappen vielleicht sogar nötig, um den Verantwortlichen die Augen zu öffnen, dass es so nicht weitergeht, dass man auch strukturell etwas ändern muss?

Die Bayern waren ja auf einem guten Weg. Sie wurden nicht abgeschlagen Zweiter, so wie es jetzt der Fall ist. Damals war man auf Augenhöhe. Die Dortmunder hatten vielleicht ein bisschen mehr Glück, ein bisschen mehr Elan. Jetzt ist der Unterschied zwischen dem FC Bayern und dem BVB größer.

Bayern-Erfolgstrainer Guardiola (l.) und Heynckes. Foto: twitter.com

Erfolgstrainer Guardiola (l.) und Heynckes

Eigentlich war ja bereits der Gewinn des Triples in der vergangenen Saison, noch unter Jupp Heynckes, das Optimum dessen, was aus einer Mannschaft herauszuholen ist. Hat Startrainer Pep Guardiola die Bayern noch besser gemacht?

Guardiola führt die Arbeit weiter, die Jupp Heynckes und vielleicht auch schon davor Louis van Gaal begonnen hatten. Er verfeinert und vervollständigt diese Arbeit noch. Was mir gut gefällt und was ich schon auch beim FC Barcelona unter Guardiola gesehen habe, ist, dass ein Kader von 25 oder 26 herausragenden Spielern eine Einheit wurde. Auch die Ersatzspieler freuen sich über Tore. So stelle ich mir eine erfolgreiche Mannschaft vor. Es gab zwei Fälle, in denen Pep Guardiola nicht gerade "amused" war. Dann hat er Toni Kroos und Mario Mandzukic das eine oder andere Spiel auf der Bank schmoren lassen.

Sie haben die Stimmung in der Mannschaft angesprochen. Es war früher häufig ein Problem der Bayern, dass sie sich zu viel mit sich selbst beschäftigt haben. Das war auch in der Endphase unter Jupp Heynckes nicht mehr so. Liegt darin vielleicht auch ein Schlüssel zum Erfolg?

Es gibt viele Punkte, mit denen eine Mannschaft auf die Erfolgsspur kommen kann. Ich glaube, dass sich Jupp Heynckes in diesem Punkt durchgesetzt hat. Bei den Bayern gab es oft, auch schon zu meiner Zeit, unzufriedene Ersatzspieler, die sich beschwert haben. Jupp Heynckes hat das Problem sehr gut erkannt und gesagt: Wenn einer ein Problem hat, dann soll er den Trainer ansprechen und nicht eine dritte Person.

Bei vielen Duellen mit den vermeintlichen Verfolgern hatte man den Eindruck, die Gegner ergäben sich fast den Bayern und versuchten nur, die Höhe der Niederlage in Grenzen zu halten. Fehlte der Konkurrenz die richtige Einstellung?

Mit Sicherheit lag es nicht an der Einstellung. Auch meine früheren Gegenspieler haben mir später erzählt, dass sie beim Einlaufen ins Olympiastadion gedacht haben, hoffentlich verlieren wir nicht zu hoch. Es hat weniger mit der Einstellung zu tun als mit der Qualität des FC Bayern.

Aber es gab Mannschaften, die gegen die Bayern mit Ersatzspielern aufgelaufen sind, um sie für das folgende Spiel zu schonen. Das spricht doch eher dafür, dass man die Punkte fast schon hergeschenkt hat.

Bayern-Spieler bejubeln einen von fünf Treffern im Spiel gegen Frankfurt. Foto: Getty Images

Frankfurt verlor bei den Bayern 0:5

Sie spielen auf Eintracht Frankfurt an. Ich war bei diesem Spiel im Stadion. Es gibt verschiedene Meinungen. Ich hätte gesagt, ich will auch in München etwas holen. Aber Armin Veh hat gedacht: 'Wir sind auf dem 15. oder 16. Tabellenplatz, ich brauche die zwei oder drei Spieler, also schone ich sie.' Das nächste Spiel hat er gewonnen, also hat er alles richtig gemacht.

Sehen Sie nun die Gefahr, dass die Bayern müde oder lustlos werden könnten, weil ihnen schlicht die Konkurrenten ausgegangen sind?

Das glaube ich nicht. Ich habe selbst einmal eine Saison gespielt, in der wir kein Spiel verloren haben. Die Spieler sind einfach gierig, weiter auf dieser Erfolgswelle zu reiten.

Was bedeutet diese so einseitig verlaufene Saison für die Bundesliga?

Ich weiß nicht, inwieweit andere Mannschaften auch aufrüsten können. Lewandowski, der für mich einer der besten Stürmer der Welt ist, geht jetzt zum FC Bayern. Mir wäre es als neutralem Beobachter auch lieber, wenn an den letzten drei oder vier Spieltagen noch vier Mannschaften Meister werden können. Jetzt sagt man, okay, spannend wird es im Abstiegskampf. Aber letztlich entscheidet der Kampf um die Meisterschaft, wie spannend eine Bundesliga-Saison ist. Und in diesem Punkt ist mir der Unterschied zu groß. Ich hoffe, dass in der nächsten Saison zwei oder drei Mannschaften die Chance haben, Meister zu werden.

Wie kann die Konkurrenz gegenüber den Bayern wieder aufholen, was kann sie von ihnen lernen?

Ich weiß nicht, inwieweit man sich etwas davon abschauen kann, wie die Bayern jetzt spielen. Sie haben halt diese hohe Qualität, sind sehr ballsicher. Wenn die Dortmunder komplett sind, können sie da mithalten. Der BVB schwächelt jetzt, weil ihm drei oder vier wichtige Spieler nicht zur Verfügung stehen. Ich weiß nicht, ob Vereine wie Dortmund, Leverkusen, Schalke oder auch Wolfsburg finanziell in der Lage sind, in nur einer Transferperiode so aufzurüsten, dass sie den Bayern schon in der nächsten Saison Paroli bieten können.

Der FC Bayern steht jetzt ohne seinen Patron, den langjährigen Denker und Lenker Uli Hoeneß da, der wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis geht und alle Vereinsposten abgegeben hat. Glauben Sie, dass dies auch sportliche Folgen für die Bayern haben könnte?

Das glaube ich nicht. Rein sportlich dürfte das keinen Schaden anrichten.

Weil der FC Bayern stabil genug ist?

Die Spieler fühlen sicher mit Uli Hoeneß mit. Aber sie sind professionell genug, um ihren Job zu machen. Und der ist halt auf dem Fußballplatz und auf dem Trainingsplatz.

Klaus Augenthaler, 57 Jahre alt, wurde in seiner Spieler-Karriere 1990 Weltmeister und mit dem FC Bayern sieben Mal deutscher Meister. Anschließend arbeitete er als Co-Trainer und 1996 auch einmal kurz als Interims-Cheftrainer des Vereins. Später betreute Augenthaler unter anderem die Bundesligisten 1. FC Nürnberg, Bayern Leverkusen und VfL Wolfsburg.

Das Interview führte Stefan Nestler.